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Ludwigsluster Tageblatt

24. November 2017 | 19:57 Uhr

Ludwigslust : Video: Schlosspark bleibt gesperrt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Aufräumarbeiten werden in der Region Tage und Wochen dauern / Betroffene Wälder sollten nicht betreten werden

von
erstellt am 06.Okt.2017 | 20:55 Uhr

Als die Nacht ging, kam gestern Morgen das ganze Ausmaß der Zerstörung zutage, die das Sturmtief „Xavier“ hinterlassen hatte. Dort, wo sie Autofahrer und Fußgänger nicht stören, liegen entwurzelte Bäume herum. Waldstücke sind zum Teil zerstört. Holz und Geäst stapelt sich an Straßenrändern. „Das Aufräumen wird Tage dauern, in Wäldern Wochen oder sogar Monate“, sagte Jürgen Rades, Ludwigslusts stellvertretender Bürgermeister. Gestern Vormittag wurden erst einmal alle Schäden registriert, auch nach Hinweisen von Bürgern, die im Rathaus angerufen hatten. „Und das wird nach Priorität abgearbeitet, dort, wo Gefahr in Verzug ist, sofort“, so Rades. Betriebshof und Feuerwehren seien im Einsatz, der Betriebshof arbeite auch am Sonnabend durch. „So etwas habe ich in Ludwigslust noch nicht erlebt“, so Rades.

Auch in und um Neustadt-Glewe war der Bauhof gestern im Einsatz. Doreen Radelow, leitende Verwaltungsbeamtin des Amtes Neustadt-Glewe und Bürgermeisterin der Stadt: „Für uns hatte oberste Priorität, die Straßen und damit Rettungswege freizumachen, Bäume zu sichern oder abzunehmen, die drohten auf Häuser zu stürzen.

Die Mitarbeiter unseres Bauhofes sind derzeit unterwegs, um sogenannte ,Hänger’ festzustellen, also Bäume und starke Äste, die zu Boden stürzen könnten.“ Neustadt-Glewes Stadtförster Uwe Galonska gestern Nachmittag: „Bei uns sind rund 1500 Meter Festholz von den Sturmschäden betroffen, darunter unmittelbar im Stadtgebiet rund 100 Meter Festholz. Hier traf es besonders alte Eichen.“ Ab Montag wird im Bereich Neustadt-Glewes ein Baumsteiger einer entsprechenden Firma unterwegs sein, um noch in den Kronen hängende Äste zu bergen, die eine besondere Gefahr darstellen.

Stromausfall Problem im Amt Dömitz-Malliß

Im Amtsbereich Dömitz-Malliß habe es nach Aussage des Amtsvorstehers in quasi jedem Ort Sturmschäden gegeben. „Überall waren die Feuerwehren bis in den späten Abend unterwegs, auch viele Landwirtschaftsbetriebe und Privatleute haben spontan mitgeholfen, so dass alle Straßen beräumt werden konnten“, so Burkhard Thees. „In dieser Hinsicht haben wir die Lage im Griff.“ Fürs Aufräumen werde man sich zusätzlich zu den Bauhöfen wohl Firmen holen müssen.

Schwieriger sehe es mit der Stromversorgung im Amtsbereich aus, so Thees gestern. Einige Orte hatten auch gestern Nachmittag noch keinen Strom. „Eine Katastrophe.“ Laut Wemag betraf das im Amtsbereich besonders die Bereiche Jabel und Tewswoos. Auch Heidhof, Vielank sowie Eldena, Steesow und Glaisin waren vom langwierigen Stromausfall betroffen. „Dort sind auf einigen Stromtrassen gleich mehrere, zum Teil sehr große Bäume in die Leiterseile gefallen“, heißt es in einer Mitteilung des Energieversorgers. „Dazu wird die Störungsbeseitigung durch die sehr feuchte Witterung und auch die Zuwegung zum Schadensort durch Baumumbrüche zum Teil massiv beeinträchtigt.“ Burkhard Thees bemängelte die Kommunikation. „Wir haben nicht viele Informationen bekommen.“ Keine Chance, gestern noch Strom zu bekommen, hatten nach Wemag-Angaben u.a. Rüterberg, Hühnerland und Deibow.


Kreisstraße bei Grebs gesperrt

Auch entlang der Kreisstraßen hat Sturmtief „Xavier“ heftige Schäden verursacht. Etliche Kreisstraßen mussten kurzfristig gesperrt werden, drei Abschnitte waren auch gestern Vormittag wegen der Aufräumarbeiten noch nicht passierbar. „Mitarbeiter der Kreisstraßenmeistereien sind im Dauereinsatz“, informierte Kreissprecher Andreas Bonin. Im Bereich der Kreisstraßenmeisterei Ludwigslust gab es massive Schäden. Hier war unter anderem die Kreisstraße 41 zwischen Ludwigslust und Grebs betroffen, wo eine Aufhebung der Vollsperrung gestern Nachmittag noch nicht absehbar war. Gestern Vormittag ebenfalls noch gesperrt war die Kreisstraße 68 zwischen Friedrichsmoor und Goldenstädt. Dort war eine Eiche mit einem Stammumfang von 1,50 Metern samt Wurzelwerk auf die Fahrbahn gestürzt. Das Schaden sollte bis gestern Mittag behoben sein. Die Aufräumarbeiten, auch in den Seitenbereichen, werden vermutlich noch bis zu 14 Tage andauern, bilanziert Hans-Georg Zwang, Leiter des Fachdienstes Straßen- und Tiefbau des Landkreises. Wie hoch der finanzielle Schaden ist, stehe noch nicht fest, so Bonin.


Große Schäden im Grabower Schützenpark

Besonders stark getroffen hatte der Sturm auch den Ludwigsluster Schlosspark. „Zahlreiche Bäume wurden entwurzelt, Wege durch herabstürzende Äste blockiert“, teilte Heike Kramer vom Betrieb für Bau und Liegenschaften des Landes (BBL) mit. Die Aufräumungsarbeiten waren gestern in vollem Gang. Die Gefahr sei jedoch noch nicht gebannt. Deshalb wurde der Schlosspark voll gesperrt und bleibt es auch das ganze Wochenende über. „Es besteht immer noch die Möglichkeit, dass sich abgebrochene Äste aus den Kronen lösen und herabstürzen.“ Anders als ursprünglich geplant konnte auch die Hofdamenallee wegen mangelnder Verkehrssicherheit gestern noch nicht freigegeben werden.

Stefan Sternberg, Bürgermeister der Stadt Grabow und leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Grabow, informierte darüber, dass die Straßen alle geräumt sind – bis auf die Landesstraße zwischen Zierzow und Balow, wo umgestürzte Bäume die Fahrbahndecke am Straßenrand hochgerissen haben. Es wird noch Tage dauern, bis alle Bäume vollständig weggeräumt sind. „Wir haben zudem große Schäden im Schützenpark. Bäume sind in Mitleidenschaft gezogen worden, einen Teil des Parkes hat der Sturm im wahrsten Sinne des Wortes weggefegt. 200 Jahre alte Eichen sind wie Strohhalme weggeknickt, auch bei den gepflanzten Bäumen ist der Schaden groß. In Grabow sind durch den Sturm Dachziegel von der Stadtkirche herunterfallen.“


Krisensitzung im Forstamt Grabow

Chaos in vielen Wäldern rund um Ludwigslust und Grabow. „Der Sturm hat mit voller Härte zugeschlagen“, sagt Frank Mahler vom Forstamt Grabow. „Große Schäden in den Kiefernbeständen haben wir im Bereich Dadow und Wanzlitz, aber auch Wabel, Steesow und der südliche Teil unseres Einzugsbereiches ist schwer betroffen. Wir sind gegenwärtig dabei, uns zu Fuß durchzuarbeiten, um den Schaden in den Wäldern aufzunehmen. Harvester-Technik haben wir zudem im Einsatz, um die Wege freizumachen und die Infrastruktur wiederherzustellen. Windbruchaufarbeitung ist nicht ungefährlich.“ In der nächsten Woche werde es ein Krisengespräch geben, um das Vorgehen abzustimmen und zu entscheiden, ob weitere Technik benötigt wird.

Deshalb warnte Landwirtschaftsminister Till Backhaus gestern: „Spaziergänger sollten sich heute und in den nächsten Tagen nicht in den vom Sturm geschädigten Wäldern aufhalten. Auch wenn sich der Sturm gelegt hat, besteht nach wie vor Gefahr für Leib und Leben!“

 

 

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