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Ludwigsluster Tageblatt

16. Dezember 2017 | 14:12 Uhr

Dömitz : Verschollene Messingtafel wieder da

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Ausstellung über Eisenbahnelbbrücke beschert dem Museum Festung Dömitz interessante Exponate / Schau bis Anfang Mai geöffnet

svz.de von
erstellt am 03.Jan.2014 | 07:00 Uhr

Wo ist die Messingtafel geblieben, auf der die wichtigsten Fakten über den Bau der Eisenbahnelbbrücke festgehalten waren? Jahrelang hatte sie an einem der Stahlträger in der Nähe des Dömitzer Hafens gehangen, wie alte Bilder eindeutig belegen. Doch als 1987 auf DDR-Seite die letzten Reste des Bauwerkes abgerissen wurden, verschwand auch das Schild und blieb verschollen. Ist es mit verschrottet worden? Oder hatte es jemand rechtzeitig in Sicherheit bringen können? Diese Frage trieb Jürgen Scharnweber, den Leiter des Museums Festung Dömitz, seit Jahrzehnten um. Durch die Ausstellung anlässlich des 140. Geburtstages des gleich in mehrfacher Hinsicht bedeutsamen Bauwerkes bekam er nun die Antwort.

Die Messingtafeln – eine für das östliche und eine für das westliche Ende der Brücke – müssen nach Sanierungsarbeiten in den 1930er-Jahren angefertigt worden sein. „Erbaut 1872/73. Harkort Duisburg“ ist auf dem Schild zu lesen, das auf westlicher Seite hing und sich seit rund fünf Jahren im Dömitzer Museum befindet. „Verstärkung der Fahrbahn 1925“ und „Verstärkung der Hauptträger, Erneuerung des Windverbandes 1932/33“ sind weitere Angaben – und gleichzeitig Beleg, dass die Tafeln erst Mitte der 30er-Jahre angeschraubt worden sein können.

Als Jürgen Scharnweber bei der Ausstellungseröffnung den geheimen Wunsch offenbarte, eines Tages auch die Tafel von der östlichen Brückenseite in den Händen zu halten, ahnte er nicht, wie schnell sich dieser erfüllen sollte. „Etwa zwei Wochen später kam ein Herr ins Museum und holte aus einer Tüte eine Messingtafel“, erzählt der Museumsleiter. „Es stellte sich heraus, dass es die Originaltafel von der Eisenbahnelbbrücke ist.“ Der aus der Prignitz stammende Mann hatte erzählt, dass er zu DDR-Zeiten an den Brückenresten war und die Tafel bergen konnte, bevor alles abgerissen und abtransportiert war. „Er nahm sich seinerzeit vor, die Tafel aufzuheben, bis die Brücke wieder aufgebaut wird. Dann sollte sie zurück an ihren Platz kommen“, berichtet Scharnweber von der Unterhaltung mit dem Prignitzer. Als dieser in der Zeitung von der Dömitzer Sonderausstellung las, entschloss er sich, die Tafel – übrigens mitsamt Schrauben – ins Museum zu bringen. „Für mich grenzt das an ein kleines Wunder“, sagt Jürgen Scharnweber. Noch ist die Messingtafel, die dem Museum als Dauerleihgabe überlassen wurde, in der aktuellen Ausstellung nicht zu sehen. Das solle sich aber noch ändern, versichert der Leiter.

Die Ausstellung in der Turmgalerie des Kommandantenhauses auf der Dömitzer Festung stößt regional und überregional auf großes Interesse. „Wir haben sehr viele Besucher“, sagt Jürgen Scharnweber. „Das mag auch damit zusammenhängen, dass sich allmählich die Zukunft der Brückenruine abzeichnet.“ Vor rund drei Jahren hatte die Bahn sie an einen holländischen Immobilienunternehmer verkauft. Inzwischen seien erste Pflege- und Sicherungsarbeiten erfolgt und am Brückenhaus nahe Langendorf eine kleine Plattform errichtet worden, so Scharnweber. Erste Anzeichen also, dass der neue Eigentümer die Brückenruine als öffentliche Attraktion erhalten könnte.

Die einst für rund 3,6 Millionen Reichsmark erbaute Brücke, über die am 18. Dezember 1873 der erste Personenzug gerollt war, ist allerdings weit mehr als ein technisches Denkmal. „Sie ist auch als Mahnmal für die deutsche Teilung sehr wichtig“, so Jürgen Scharnweber. Sie war am 20. April 1945 – am gleichen Tag wie die Straßenbrücke ganz in der Nähe – von alliierten Bombern zerstört worden und wurde nicht wieder aufgebaut. Bis zur Wiedervereinigung wurde am Brückenhaus auf Dannenberger Seite alljährlich am 17. Juni der Tag der deutschen Einheit begangen. Aber auch bautechnisch war sie mit ihren 1050 Metern Länge und ihrem militärischen Charakter, der unter anderem an den wehrhaft gebauten Brückenhäusern zu erkennen ist, etwas Besonderes. Sie war zu ihrer Zeit eine der längsten Eisenbahnstrombrücken in Deutschland und Teil der wichtigen Eisenbahnlinie von Berlin nach Lüneburg.

Die Ausstellung zum 140-Jährigen der Dömitzer Eisenbahnbrücke über die Elbe hat neben der Messingtafel noch weitere interessante Exponate gebracht. So wurden dem Museum ein historischer Bauplan für das Bauwerk und Konstruktionszeichnungen übergeben. „Es sind Kopien, aber wir wissen auch, wo sich die Originale befinden“, erklärt Jürgen Scharnweber. Außerdem hat das Museum Nachdrucke von Fahrkarten bekommen, die im Dömitzer Bahnhofsgebäude verkauft worden waren. „Ein Eisenbahnfreund aus Schwerin besitzt die Prägestöcke“, so der Museumsleiter. Die heutige Pappe ist allerdings von anderer Qualität. Die Prägestöcke müssen zum Teil aus der Zeit vor dem Krieg stammen. Auf einigen Fahrkarten-Nachdrucken ist die Strecke Dömitz-Dannenberg ausgewiesen. Wer die Ausstellung über die Eisenbahnelbbrücke sehen möchte, hat dazu bis Anfang Mai Gelegenheit.

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