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Ludwigslust-Parchim : Verhaltener Erntestart im Kreis

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Nach Rekordjahren drohen 2016 Einbußen von bis zu 25 Prozent und niedrigere Getreide-Preise

svz.de von
erstellt am 13.Jul.2016 | 21:00 Uhr

„Der Start war nicht gut“, sagt Uwe Elwert kurz und knapp. Der Landwirt aus Scharbow schüttelt mit dem Kopf. Bis in den Abend hinein hat er am Dienstag Wintergerste gedroschen – mit erheblichen Ertragseinbußen. „Das Wetter war nicht gut“, und entsprechend auch die Qualität des Getreides. „Wie soll man das kompensieren?“, fragt Uwe Elwert, der zu den kleineren Betrieben in der Hagenower Region gehört. „Wenn wenigstens die Preise stabil wären...“ Doch auch die seien richtig abgesackt.

Damit bringt der Landwirt auf den Punkt, womit zum Erntestart im Landkreis Ludwigslust-Parchim viele Bauern zu kämpfen haben. 25 Prozent weniger Ertrag fahren sie im Durchschnitt ein, schätzt Nicole Gottschall, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Ludwigslust. Erst ein feucht-warmer Winter, dann Kahlfröste im Januar, die Frühjahrstrockenheit, ein heißer Mai mit zum Teil sehr starkem oder gar keinem Regen – das Wetter sei extrem gewesen.

Zur den unterdurchschnittlichen Ernteprognosen kommen die gesunkenen Preise. „Das ist ein großes Problem, schon über einen längeren Zeitraum, und kann eine Belastung für den Betrieb sein“, sagt Nicole Gottschall. Vor allem die bereits geschwächten Milchviehbetriebe hätten gehofft, dass die Getreideernte eine Entlastung bringt. Hauptgrund für den Preisverfall hierzulande seien die guten Ertragsaussichten in den USA. Die ließen die Preise abstürzen, bis zu 100 Euro weniger gebe es europaweit pro Tonne.

Was noch auffällt in diesem Jahr: Die geballte Wucht von Mähdreschern und Traktoren auf den Feldern und Straßen im Landkreis werde es laut Gottschall in dieser Saison nicht geben. Zu unterschiedlich sei die Vegetation. Während Landwirte in Richtung Parchim früher in die Ernte gehen konnten und zum Teil schon fertig sind, haben andere in Richtung Schwerin noch gar nicht begonnen. „Die Ernte fing verhalten an“, bilanziert die Geschäftsführerin des Bauernverbandes.

Noch mittendrin ist Landwirtin Dr. Ulrike Borchert aus Zapel. Bei trockenem Wetter braucht das Unternehmen noch zwei Tage, dann ist die Wintergerste ab. Dass Ertrag und Preise in diesem Jahr nicht so rosig sind, nimmt sie gelassen. „Letztes Jahr war ein Rekordjahr, das davor auch. Jetzt ist es mal nicht so gut“, sagt sie. „Jammern bringt nichts.“ Es gebe nun einmal Hochs und Tiefs in diesem „tollen“ Beruf.

Positiv dagegen schätzt Toralf Pfohl seinen Ertrag bisher ein. 65 bis 70 Doppelzentner – das sei für seine Bodenverhältnisse eine gute Ernte, sagt der Landwirt aus Besitz, der auf etwa 60 Hektar Gerste stehen hatte.

Seit Anfang der Woche ruhen die Mähdrescher bei ihm schon wieder. Um sich etwas abzusichern, hat er mit seinem Getreide-Abnehmer einen Abschlag von 80 Prozent vereinbart, um noch „auf dem Markt jonglieren zu können“, begründet er. Denn die restlichen 20 Prozent orientieren sich dann an den endgültigen Preisen nach Ernteabschluss. „Wir warten ab, wie die Ernte wirklich ausfällt.“

Um das Risiko bei den Preisen zu minimieren, rät Nicole Gottschall den Landwirten, die Vermarktung aufzuteilen. Beliebt sei zum Beispiel die Ein-Drittel-Regelung: Einen ersten Anteil verkaufen Bauern vorab zu einem Fixpreis, einen weiteren variabel während der Ernte, einen letzten danach, je nach Lagerkapazität.

Schon in der nächsten Woche könnten die ersten Landwirte mit ihren Maschinen in den Raps gehen, Ende Juli, Anfang August dann in den Weizen, schätzt Gottschall. Vor allem „beim Raps kann man schon sehen, dass nicht alle Bestände gesund sind“. Das liege daran, dass das Saatgut seit 2014 nicht mehr gebeizt werden darf. Damit fallen Schutzmechanismen gegen Schädlinge weg. Der Bauernverband Ludwigslust rechnet auch hier mit einem Minderertrag von durchschnittlich 20 Prozent.

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