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Ludwigsluster Tageblatt

20. November 2017 | 03:24 Uhr

Ludwigslust : Vergangenheit nicht vergessen

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Ausstellung im Landratsamt Ludwigslust über Krieg und seine Folgen

svz.de von
erstellt am 17.Jan.2015 | 07:00 Uhr

„Es gibt Dinge, über die wächst kein Gras“ – so heißt der Titel der gestern eröffneten Ausstellung im Foyer des Landratsamtes in Ludwigslust. Bis zum 5. Februar stellen fünf Mecklenburger Künstler des Rothener Hofes e.V. ihre Werke zum Thema Krieg und dessen Folgen aus. Der Träger der Ausstellung ist der Verein Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

So eröffnete der Beigeordnete des Landrates, Andreas Neumann, zusammen mit Ramona Ramsenthaler, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Wöbbelin, die Ausstellung im Rahmen der Veranstaltungen zum bundesweiten Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus.

Ein Überlebender des KZ Wöbbelin, Janusz Kahl aus Warschau, erzählte zudem von seinen Erlebnissen aus der damaligen Zeit. Als 17-Jähriger wurde er während des Warschauer Aufstandes am 10. August 1944 verhaftet. Er wurde anschließend von deutschen Soldaten in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht, danach folgte der Weitertransport nach Neuengamme bis er dann das KZ Wöbbelin erreichte. „Das ist mein persönliches Schicksal, aber zum Glück blieb mir das allerschlimmste erspart“, sagt Janusz Kahl rückblickend. Denn am 2. Mai 1945 wurde er aus dem KZ Wöbbelin befreit.

Im Anschluss an den Zeitzeugenbericht führten die Künstler die Besucher in die Ausstellung ein. So stellte unter anderem Takwe Kaenders fünf Portraits von inhaftierten Frauen vor sowie aus Kernseife geschnitzte Symbole zur Klassifizierung der Häftlinge. Diese sollen darauf hinweisen, dass die Gefangenen in einer Seifenfabrik gearbeitet haben.

Der Künstler Christian Lehsten stellt Fotografien unter dem Titel „Der gefrorene Augenblick“ aus. Die Fotos stammen aus dem Nachlass eines damaligen Soldaten, der 1916 geboren wurde. In einem braunen Koffer bewahrte dieser 100 Negative auf. Einige Bilder daraus werden in der Ausstellung vergrößert gezeigt. „Die Fotos sind mehr als das bloße Abbild des Geschehens. Sie sind enthüllend, wenn man sie zu lesen versteht“, so Lehsten.

Doch neben Fotografien und Bildern ist auch ein Exponat aus Stacheldraht von der Künstlerin Catarina Mantwill zu finden. Der Besucher Dr. Reinhold Kunze interpretierte folgendes hinein: „Dass der Stacheldraht verrostet ist, sagt aus, dass er gedient hat und dass er aufgerollt ist, zeigt, dass die Zeit vorbei ist.“

Unter den Besuchern waren auch Pastor Arpad Csabay aus Sülstorf mit seiner Tochter Julia. „Die Ausstellung ist interessant, um mehr über die Geschichte zu erfahren“, sagt Julia. Auch Wolfgang Voigt aus Malliß schaute sich die Ausstellung an und blieb vor den ausgestellten Fotografien stehen: „Die Gegensätze wurden gut dargestellt – auf dem einen Bild sieht man Menschen am Strand und gleich daneben ein zerstörtes Gebäude und Kinder in Uniform.“ Genau diese Gegensätze wollte der Künstler Christian Lehsten hervorheben: „Wir sollten auch heutzutage nachdenken, was wir täglich in den Nachrichten sehen und uns bewusst machen, was in der Welt passiert.“

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