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Ludwigsluster Tageblatt

25. November 2017 | 12:41 Uhr

Muchow : Vergangenheit entschlüsseln

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Lothar Kluck forscht seit vielen Jahrzehnten in der Regionalgeschichte – und nutzt dabei auch seine Fähigkeit, die altdeutsche Schrift zu lesen

von
erstellt am 16.Apr.2016 | 08:24 Uhr

Ein paar zackige Striche, einige große Schlingen und jede Menge kleiner Haken, die irgendwie alle gleich aussehen. Die altdeutsche Schrift können die meisten Menschen heutzutage selbst mit größter Mühe nicht mehr entziffern. Lothar Kluck kann sie sogar fließend lesen. Auch das macht den 79-Jährigen nach wie vor zu einem gefragten Partner, wenn es um die Erforschung der Heimatgeschichte geht. Derzeit „übersetzt“ er alte Schriftstücke und Urkunden für die Balower, die in diesem Jahr den 675. Jahrestag der Ersterwähnung ihres Dorfes feiern. Und auch bei der Vorbereitung der Kirchenrestaurierung in Zierzow hat er seine Finger im Spiel.

„Herr Kluck hat uns interessante Zeichnungen und Beschreibungen geliefert, wie die Kirche in früheren Zeiten aussah“, erklärt Veronika Hansberg, Pastorin der Kirchengemeinden Brunow und Muchow. „Das sind wichtige Informationen für uns.“ Lothar Kluck hat es gern gemacht. „Für mich gehört eine Kirche ins Dorf. Deshalb gefällt es mir, wie sich die Leute für die Zierzower Kirche engagieren.“

Die Leidenschaft für das Vergangene hat den Muchower, der in Danzig geboren wurde und 1945 nach Damm bei Parchim kam, schon früh gepackt. „An der Oberschule in Parchim hatten wir Lehrer, die es schafften, uns für viele Dinge zu interessieren“, erzählt Lothar Kluck. „Bei mir waren es vor allem die Natur und die Regionalgeschichte.“ Zu dieser Zeit lernte er auch, die altdeutsche Sprache zu entziffern. „Wenn ich meine Schularbeiten fertig hatte, bin ich ins Stadtarchiv gegangen und habe in alten Akten gelesen. Kam ich nicht weiter, half mir Archivleiter Kracht.“

1972 kam Lothar Kluck nach Muchow, wo er bis zum Ruhestand in der Landwirtschaft arbeitete. Als bei Baggerarbeiten im Dorf eine rund 2000 Jahre alte Urne entdeckt wurde, war in Kluck endgültig das Feuer für Ur- und Frühgeschichte entfacht. „Man musste hier nur auf den Acker gehen. Da lagen die Urnen aus der römischen Kaiserzeit.“ Als man im Dorf mitbekam, dass der Neue sich für Geschichte interessiert, hat man in kurzerhand zum Ortschronisten gemacht. Fortan saß er regelmäßig in Archiven in Schwerin und Ludwigslust, suchte alte Akten, las und arbeitete so nicht nur die Geschichte von Muchow, sondern zum Beispiel auch von Möllenbeck und Kolbow auf. Zum Veröffentlichen seiner Erkenntnisse kam er jedoch erst weit nach der Wende.

Das erste Buch war die Muchower Chronik, ein Gemeinschaftswerk mit seiner inzwischen verstorbenen Ehefrau Elisabeth. Sie hatte Mitte der 1990er-Jahre in der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) „Dorfchronik Muchow“ gearbeitet. „Ich hatte sie in all den Jahren zuvor schon ein bisschen angesteckt“, so Lothar Kluck. Chroniken von Kolbow (2005) und Zierzow (2012) folgten. Und nicht nur die. „Für mehrere Mitglieder der Familie von Treuenfels, den einstigen Möllenbecker Gutsbesitzern, habe ich Biografien geschrieben und Tagebücher übersetzt“, so der Muchower. Und auch an dem Buch „Dat vergäten Dörp“ über Wittenbeck (bei Kühlungsborn) hat Kluck seinen Anteil. Er war von einem der Autoren im Lesesaal des Landeshauptarchivs angesprochen worden. „Weil ich die alten Akten gelesen und den Text parallel dazu gleich in meinen Laptop geschrieben habe“, so der Muchower. So half er bei der Übersetzung von Wittenbecker Akten.

Ganz so schnell wie früher geht Lothar Kluck die Arbeit heute nicht mehr von der Hand. „Durch meine Arbeit bin ich im westlichen Mecklenburg bekannt wie ein bunter Hund“, sagt der 79-Jährige. „Das verpflichtet. Deshalb möchte ich alles ganz genau machen. Doch diese Genauigkeit führt im Alter auch zur Langsamkeit.“

Tausende Bücher und Hunderte Ordner mit historischen Schriftstücken stehen in seiner Wohnung und im Keller. „Ich hoffe, dass damit später jemand anderes weiterarbeiten kann“, so Kluck. Dann könnte z.B. eine Chronik des Forsthofes Wabel entstehen. Dessen Geschichte füllt vier dicke Ordner in Muchow.


 

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