Woosmer : „Utbüxen kann keeneen“

Heinrich Warnk hat sein Bestattungsunternehmen an Tochter und Enkelsohn übergeben.
Heinrich Warnk hat sein Bestattungsunternehmen an Tochter und Enkelsohn übergeben.

Plattdeutscher Dokumentarfilm über Wandel im Bestattungswesen wird am 20. November im Haus des Gastes gezeigt

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11. November 2015, 07:00 Uhr

Dass Heini Warnk aus Woosmer in der Großgemeinde Vielank einmal Filmstar werden würde, hat er sich nicht träumen lassen. Jetzt ist es passiert: der 82 Jahre alte Tischlermeister ist einer der vier Darsteller des anderthalbstündigen Dokumentarfilms „Utbüxen kann keeneen“ (Weglaufen kann keiner), der nach der Premiere auf dem Filmfest Hamburg und einer Premiere in Mecklenburg-Vorpommern im kommenden Jahr auf eine Kinotournee gehen wird– aber auch in Neuhaus gezeigt wird, wegen der Nähe zum „Tatort“ und wegen Heini Warnk. Aber auch wegen seiner Jagdkumpel und seiner Freunde und Bekannten aus Woosmer, die im Film vorkommen.

Am Freitag, dem 20. November, um 19.30 Uhr präsentieren die mehrfach mit bedeutenden Preisen ausgezeichnete Filmemacherin Gisela Tuchtenhagen und Regisseurin Margot Neubert-Maric den Film im „Haus des Gastes“. Gefördert wird diese Sonder - Aufführung von der Sparkassenstiftung Lüneburg.

„In unserem plattdeutschen Dokumentarfilm geht es um Sitten und Gebräuche im Umgang mit dem Tod und den Verstorbenen, wir erinnern an altes Handwerk und den Wandel in der Trauerkultur“, sagt Filmemacherin Gisela Tuchtenhagen. In der norddeutschen Landschaft fanden sie und Margot Neubert-Maric Menschen wie die Totenbitterin aus dem ostfriesischen Nortmoor, eine Hebamme und Totenfrau von der Hallig Hooge, einen Tischler und Bestatter aus dem schleswig-holsteinischen Lunden, und eben den Tischlermeister und Bestatter Heinrich Warnk, der die Bau- und Möbeltischlerei in Woosmer 1965 von seinem Vater übernahm und sie inzwischen mitsamt dem Bestattungsunternehmen an seine Tochter Annett Schwenk und deren Sohn Christoph-Heinrich übergab: „Aber ich bin natürlich immer noch dabei“, sagt Heini Warnk. Allen Darstellern im „Utbüxen“-Film ist die tiefe Verbundenheit mit ihrer niederdeutschen Sprache gemein. Sie eint Ostfriesen, Holsteiner und Mecklenburger. „Auch wenn manche Begriffe unterschiedliche Wörter kennen, verstehen tun sich alle Plattschnacker“, weiß Gisela Tuchtenhagen. Erst 2011 hatte sie mit Margot Neubert-Maric ihren Film „Bingo“ im Boizenburger Kino gezeigt, der den plattdeutschen Untertitel „Toletzt entscheed jümmers dat Glück“ trägt.

Heini Warnk, der in Woosmer seit Jahrzehnten auch als Jäger, Angler und Faslamspräsident hervortritt, kennt das Bestattungswesen wie kein Zweiter, auch wenn er heute keine Särge mehr selbst baut: „Es ist aus meiner Werkstatt kein Sarg rausgegangen, in dem ich nicht Probe gelegen hätte.“ Einmal im Jahr gehört er dazu, wenn das 300-Einwohner-Dorf den Friedhof pflegt.


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