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Ludwigsluster Tageblatt

21. November 2017 | 15:07 Uhr

Eldena : Ururopas Idee lebt weiter

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Raumausstatterbetrieb Griewe aus Eldena feiert heute sein 140. Jubiläum / Ab 11 Uhr Blick hinter die Kulissen

svz.de von
erstellt am 28.Aug.2014 | 17:47 Uhr

Heute ruhen Nähmaschine, Polsterhammer und Tacker. Heute wird in den Werkstätten von Thomas Griewe gefeiert. Der Raumausstatterbetrieb aus Eldena hat 140-jähriges Firmenjubiläum. Ab 11 Uhr können die Gäste sich mit einem Glas Sekt in frisch gepolsterte Sofas plumpsen lassen und auch weit hinter die Ladentheke schauen. Dort, in der Werkstatt des Polsterers, steht Thomas Griewes „Goldstück“, wie er es nennt. Ein halb fertiges Sofa aus dem Wendland. „Ist das nicht fantastisch?“ fragt Griewe. „Hier kann man sehen, wie viel Arbeit in einem Möbel steckt.“ Auf Jutegurten und den Federn ist ein Flachsgewebe gespannt, darauf Rosshaar und Watte, damit es durch den Bezug nicht piekst. „Statt Watte nehmen viele Schaumstoff“, sagt Griewe. „Aber wir können auch klassisch.“

Griewe ist in den Beruf hineingewachsen. Sein Ururgroßvater Ludwig Dreyer hat das Unternehmen als Sattler 1874 in der Bahnhofstraße 31 gegründet. „Damals gab es in dieser Straße in jedem Haus einen Handwerksbetrieb“, erzählt Griewe. Heute arbeiten hier noch ein Fliesenleger, ein Frisör, ein Gastwirt und ein Konditor. Und Griewes natürlich – sie sind die Ältesten am Platze. Nicht nur in der Bahnhofstraße, sondern in ganz Eldena. Thomas Griewes Ururopa Ludwig versorgte damals die nahegelegene Ziegelei in Malliß mit Treibriemen für die Dampfmotoren, und seine drei Söhne zogen jeden Montag aufs Land und erledigten auf den Gehöften Sattler- und Polsterarbeiten. Auch Thomas Griewe ist heute viel unterwegs. Zwischen Ludwigslust und Dannenberg, Hamburg und Berlin. Er hat das Strandhotel Grömitz mit ausgestattet, ein Optikergeschäft in Berlin eingerichtet oder das neue Haus einer Familie im Wendland innen mitgestaltet. An den Auftrag im Wendland erinnert er sich mit Herzklopfen. „Die Familie war für ein halbes Jahr im Ausland. So viel Zeit blieb uns für die Innengestaltung. Als wir dann die Schlüssel übergaben, fiel uns ein Stein vom Herzen. Die Familie war rundum zufrieden.“ Lob von den Kunden sei sein größter Lohn. „Wenn ich das Geld nicht brauchen würde, würde ich allein für das Lob arbeiten“, sagt er. Menschen mit Kreativität und den eigenen Ideen glücklich zu machen – das motiviere ihn jeden Tag aufs Neue. Ob Gardinen für ein Wohnzimmerfenster, Fußböden für ein Hotel oder der Lieblingssessel einer älteren Dame in Hamburg – jeder Auftrag sei spannend und herausfordernd.

Wer heute zu Griewes Jubiläumsfeier kommt – eingeladen sind übrigens alle, auch Nachbarn und Neugierige – wird Griewes Leidenschaft für den Beruf und für das Familienunternehmen spüren. Die Gäste können in der Familienchronik blättern, alte Fotos betrachten und Griewes Geschichten zuhören. Zum Beispiel vom Uropa Otto Dreyer, der seiner Tochter nach Hamburg hinterherreiste, sie und den Schwiegersohn zurück nach Eldena holte und zu einer Sattlerlehre überredete, damit die nächste Generation gesichert ist. Thomas Griewe (48) leitet den Betrieb inzwischen in der fünften Generation. Ob seine Kinder weitermachen? „Wir zwingen keinen. Da muss der Funke überspringen. Ohne Leidenschaft wird das nichts“, sagt er. Und außerdem: „Wir sind noch jung. Das können später auch die Enkel übernehmen.“

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