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Ludwigsluster Tageblatt

24. August 2017 | 08:52 Uhr

Weselsdorf : Und nächstes Jahr in Ithaca...

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Amerikanische Delegation im Landkreis: 16-jährige Taylor verbringt zehn Tage in Gastfamilie von Luisa in Weselsdorf / Pläne für Gegenbesuch

„Hello. Come in“, sagt Luisa und entschuldigt sich gleich an der Tür. „Pardon. Ich bin schon so sehr im Englischen drin, dass ich statt Deutsch Englisch plapper.“ Dabei wohnt Taylor, ihre Freundin aus Ithaca, gerade mal zwei Tage bei Luisa. Taylor gehört zu der amerikanischen Delegation, die im Rahmen des Schüleraustauschs mit Gratiot County zurzeit im Landkreis zu Gast ist. Die 16-Jährige ist das erste Mal in Deutschland. Als sie vom Flughafen in Hamburg abgeholt wird, trägt Taylor noch dicke Schneeboots. „Bei uns liegt der Schnee meterhoch. Wir hatten minus 15 Grad als wir losfuhren“, erzählt sie. Jetzt sitzt Taylor im T-Shirt am gedeckten Mittagstisch im Wohnzimmer von Familie Ziggel. Es gibt Kartoffeln, Rotkohl und Entenkeulen. Typisch deutsches Essen eben, das Luisas Oma für den besonderen Gast gekocht hat. Die Ente ist vom eigenen Hof, das Zitronenmus zum Nachtisch – natürlich selbst gemacht. Luisas Vater und die Mutter sind heute früher von der Arbeit gekommen, damit alle gleich einen Ausflug nach Dömitz machen können. „Wir haben uns viel vorgenommen mit Taylor“, sagt Luisas Mutter. Sightseeing am Schweriner Schloss, Shoppen in Hamburg, Strandwanderung an der Ostsee in Warnemünde... Am Wochenende geht es zur Disko nach Spornitz, heute machen es sich die Mädels vor dem Fernseher gemütlich. Nervös war Taylor vor der Reise in die Fremde nicht. „Ich kenne Luisa ja. Wir sind gute Freunde geworden“, sagt sie. „Meinetwegen kann der Schüleraustausch noch Jahre so weitergehen.“ Im Oktober sind sich die beiden Schülerinnen das erste Mal begegnet. In Taylors Heimatstadt Ithaca. Luisa gehörte zu den wenigen aus dem Ludwigsluster Gymnasium, die für den Austausch gesetzt waren. „Viele von uns wurden ausgelost, weil es mehr Bewerber gab als Plätze“, erzählt Luisa. Die Zeit in Amerika wird sie nicht vergessen. „Alles dort ist so riesig“, sagt die Weselsdorferin. „Die Städte, die Straßen, die weite Landschaft.“ Die Menschen seien „megafreundlich und offenherzig.“ „Ich habe mich dort sehr willkommen gefühlt.“ Zwei Wochen ist Luisa in Ithaca zur Schule gegangen und hat mit Taylor amerikanischen Alltag erlebt. Zwei Wochen, die die junge Deutsche komplett verändert haben. „Sie kam ganz anders zurück“, sagt Kirsten Ziggel über ihre Tochter. „Selbstbewusst, mit einem anderen Blick aufs Leben.“ Jedes Kind sollte die Chance haben, zeitweise im Ausland zu leben, so die Mutter. „Besser kann man Sprache und Kultur nicht lernen.“ Taylor hat in Deutschland kaum Deutsch gesprochen, dafür viel über das Land gelernt. „Die Architektur und die Geschichte haben mich beeindruckt. Wir waren auf dem Friedhof in Ludwigslust“, sagt sie. „Da sind manche Gräber älter als die Geschichte meines Landes.“ Während Luisa in der Schule ist, reist Taylor durch den Landkreis. Sie besucht mit den anderen 40 amerikanischen Schülern die Wöbbeliner KZ-Gedenkstätte, fährt in die Hauptstadt Berlin.

Fast 1900 Schüler haben seit fast 16 Jahren am Austausch zwischen beiden Landkreisen teilgenommen. Der Landkreis finanziert den Aufenthalt, nur die Flüge müssen die Schüler selbst bezahlen. Für Luisa und Taylor steht fest: Man sieht und hört sich im Internet. Via Skype, auf Facebook oder Instagram. Und vielleicht können sie sich schon nächstes Jahr wieder in die Arme nehmen. Beim Wiedersehen in Ithaca.

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erstellt am 02.Apr.2014 | 11:53 Uhr

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