Alt Jabel : „...und der Mann ist gut“

Fred Klinge konnte allen Syrern ihre Schwimmzeugnisse überreichen. Fotos: andreas münchow
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Fred Klinge konnte allen Syrern ihre Schwimmzeugnisse überreichen. Fotos: andreas münchow

Junge Syrer legten im Waldbad Alt Jabel Prüfung für das „Seepferdchen“ ab. Flüchtlinge werden von der Awo in Dömitz betreut

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25. August 2015, 07:00 Uhr

Majd fröstelt zunächst ein wenig. 20 Grad Wassertemperatur – das ist dem 17-Jährigen fast zu frisch. Doch dann überwindet er sich und taucht in die Fluten. Majd ist einer von fünf jungen Syrern, die jetzt im Waldbad Alt Jabel ihre Schwimmprüfung für das „Seepferdchen“ ablegten. Der jüngste von ihnen ist Said, gerade erst zwölf Jahre alt. „Das hat Spaß gemacht, Angst habe ich keine. Und der Mann ist gut“, sagt Said in seiner Muttersprache, die Majd übersetzt.

„Der Mann“ – das ist Bademeister Fred Klinge. Behutsam und geduldig hat Klinge den Syrern jetzt vier Tage lang das Schwimmen beigebracht, sie auf die Schwimmprüfung am fünften Tag vorbereitet. „Richtig schwimmen konnten sie zuvor nicht, haben sich eigentlich nur durch Kraulbewegungen einigermaßen über Wasser gehalten“, berichtet Fred Klinge.

Mohammed (17), Ali (14), Eslam (15) sowie Majd und Said leben zum Teil bereits seit September 2014 im Kinder- und Jugendhaus der Awo in Dömitz. Sie kamen als minderjährige unbegleitete Flüchtlinge nach Deutschland, geflüchtet vor einem Krieg, dessen Grausamkeit sich Außenstehende nur schwer vorstellen können. Majd wollte einfach nur dem Grauen entkommen, verließ seine syrische Heimat mit Eltern, zwei Schwestern und drei Brüdern in Richtung Ägypten. „Sie sind in Ägypten geblieben, weil sie dort näher an unserer Heimat sind“, berichtet Majd.

Er selbst machte sich in einem mit 200 Personen überfüllten Schlauchboot auf die zehntägige Überfahrt nach Italien. Kosten: 3000 Euro. „Ich wollte so weit wie möglich weg vom Krieg. Wenn der vorbei ist, möchte ich zurück zu meiner Familie und nach Syrien. Ich habe Heimweh“, sagt Majd.

Awo-Betreuer Mathias Gehrke sagt, man tue alles, um die jungen Flüchtlinge hier zu integrieren, den Krieg für sie wenigstens zeitweise vergessen zu machen. „Derzeit haben wir acht unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus Syrien in unserer Obhut. Zwei trainieren bei den Polzer Fußballern, einer spielt Basketball im Ludwigsluster Gymnasium“, so Gehrke. Laut Betreuer haben einige der Jungs Verwandte in Deutschland, würden gerne bei denen leben. Man müsse vor einem solchen Schritt aber die Rahmenbedingungen prüfen. Deutsch übrigens haben die Jungs an der Volkshochschule in Hagenow gelernt, einige sprechen und verstehen unsere Sprache schon ganz passabel.

Zurück zur Schwimmprüfung. Um das Zeugnis für Frühschwimmer (Seepferdchen) zu erhalten, müssen die Syrer 25 Meter schwimmen, vom Beckenrand ins Wasser springen und einen Gegenstand (in diesem Fall eine Handvoll Sand) aus schultertiefem Wasser heraufholen. Der schwierigste Teil ist das Schwimmen (Brust). Fred Klinge schwimmt mit jedem Jungen einzeln die 25-Meter-Strecke, ist stets neben ihm und gibt Hinweise: „Kopf hochhalten“, „Mit den Beinen arbeiten“, „Nicht so hastig“. Alle haben offenbar Vertrauen zu dem Mann, von dem Said sagte, er sei „gut“. Fred Klinge muss zu keinem Zeitpunkt eingreifen, um etwa einen der Jungen über Wasser zu halten.

Schließlich ist es geschafft: Klinge kann allen fünf Syrern das Schwimmzeugnis überreichen. Und als Anerkennung spendet Bürgermeisterin Christel Drewes jedem Jungen ein Eis seiner Wahl. „Ich finde es sehr gut, dass den Flüchtlingen bei uns solche Möglichkeiten, wie die Schwimmprüfung, geboten werden“, sagt Christel Drewes.

Alle Informationen rund um das Thema "Flüchtlinge" finden Sie in unserem Dossier.

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