Neustadt-Glewe : Uferböschung ist sein Zuhause

Der Biber besiedelt inzwischen auch die Lewitz.
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Der Biber besiedelt inzwischen auch die Lewitz.

Einst fast ausgerottet, besiedelt der Biber jetzt wieder den gesamten Raum östlich der Elbe

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27. Juni 2020, 05:00 Uhr

Unser größtes heimisches Nagetier ist der Biber. Der Volksmund gab ihm auch den Namen „Meister Bockert“. Noch im 19. Jahrhundert war er in ganz Mecklenburg und Vorpommern sowie in der Lewitz häufig zu beobachten. Damals lebte der Nager in den unterholzreichen Auenwäldern und an den vom Menschen unberührten Ufern der stehenden und fließenden Gewässer. Erst, nach dem der Mensch die Jagd auf dem Biber intensivierte und die natürlichen Lebensräume zerstörte, führte das zur fast völligen Ausrottung in Deutschland. Einige Restvorkommen hielten sich an der mittleren Elbe.

Der Biber beeindruckt vor allem durch seine Körperlänge, die in etwa 130 Zentimeter beträgt. Ein ausgewachsenes Tier kann ein Körpergewicht von bis zu 30 Kilo erreichen. Die äußeren Erscheinungsmerkmale sind der plumpe Leib, die kräftigen Schneidezähne, die kleinen Ohren sowie der beim Elbebiber braune, mit glänzenden Grannenhaaren versehene, wasserdichte Pelz. Diese dichte Körperbehaarung und eine salbenartige Drüsenabsonderung, das Bibergeil, waren auch der Grund dafür, dass der Mensch den Biber unerbittlich bejagte.

Seine Biberburg legt der Nager meist an oder neben der Uferböschung an. Sie besteht aus Knüppeln, Ästen und Zweigen, die mit Erdreich abgedeckt werden. Die Eingänge befinden sich meist unter Wasser und führen in eine geräumige, etwa 120 Zentimeter lange Höhle, die als „Kessel“ bezeichnet wird. Als Säugetier wirft der Biber zwei bis vier Junge, die etwa acht Wochen von der Mutter gesäugt werden. Der Nachwuchs bleibt meist bis zum dritten Lebensjahr bei den Eltern. So kann es vorkommen, dass in der Biberburg drei Generationen der Biberfamilie leben. Als reiner Vegetarier ernährt sich „Castor fiber albicus“ von Weichgehölzen, vornehmlich von frischer Rinde von Weiden und Pappeln. Als Wintervorrat werden Äste und Reisig unter das Wasser geschleppt und in der Nähe der Burg befestigt.

Die ersten Versuche, den Biber in Mecklenburg wieder anzusiedeln, fanden 1954 statt. Binner und Labes (2007) berichten von der Auswilderung eines Biberpaares des „Woroneshbibers“ im Wickendorfer Moor zwischen dem Ziegelaußensee und dem Schweriner See. Diese aus der ehemaligen Sowjetunion stammende Biberart vermehrte sich hier recht schnell. In den 1980er- Jahren konnten sogar Nachweise der Art in der Müritz-Elde-Wasserstraße erbracht werden. Diese Population und das Vorkommen im Schweriner Seengebiet erloschen aber Ende der 1980er-Jahre.

1990 setzten Naturschützer den „Elbebiber“ Castor fiber albicus am Cambser See und am Settiner See aus. Zwischen 1990 und 1991 hatten Wissenschaftler bereits 111 Ansiedlungen der Art in MV nachweisen können. Nach Sommer (1995) wurden in den Jahren 1993 bis 1994 mehrere Neuansiedlungen am Schwarzen See, Cambser See, Poolsee, Mickowsee und am Schönlager See entdeckt. Ab 2005 breitete sich der Elbebiber über die Wasserscheide zwischen der Warnow und dem Schweriner Seengebiet weiter aus.

Bereits im Jahr 2007 wurde die erste Biberburg an einem Altarm der Alten Elde entdeckt, der wahrscheinlich über die Elbe und deren Nebenflüsse nach Norden vordringt.

Inzwischen besiedelt er den gesamten Raum östlich der Elbe. In der Lewitz liegen die Biberburgen an der Alten Elde, am Störkanal, an der Müritz-Elde-Wasserstraße sowie im Naturschutzgebiet Fischteiche.

Der Autor

Ralf Ottmann

Er ist als Lewitz-Ranger ebenso bekannt wie beispielsweise als Natur- und Eventfotograf sowie Autor: Ralf Ottmann. Seit vielen Jahren setzt er sich für den Natur- und Vogelschutz in der Lewitz ein, wo er Exkursionen anbietet, sein Wissen auch in Vorträgen weitergibt.





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