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Saunameister der Bad Wilsnacker Therme : Überwintern im Schwitzkasten

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Peter Storch heizt als Saunameister Gästen der Wilsnacker Therme richtig ein / In seiner Freizeit geht er – Tatsache – in die Sauna

von
erstellt am 05.Jan.2015 | 12:00 Uhr

Wenn Peter Storch mit Eimern und Kelle bewaffnet eine der Schwitzkammern in der Wilsnacker Kristalltherme betritt, dann hellen sich die Gesichter der Stammgäste auf. Unter ihnen sind auch zahlreiche Besucher aus Ludwigslust und unserer Region. Sie wissen, was kommt. Es wird nicht einfach ein Aufguss gemacht. Das Saunieren wird zelebriert. „Es gehört zu unserer Philosophie, nicht einfach Wasser auf die Steine zu kippen und mit dem Handtuch zu wedeln. Wir wollen, dass die Gäste wissen, was in ihrem Körper passiert, wenn sie in die Sauna gehen, wie Hitze, ätherische Öle und das Schwitzen auf den Körper wirken“, sagt Peter Storch.

Als zertifizierter Saunameister muss er es wissen. Dabei hatte er nie einen Saunagang gemacht, bevor er im Jahr 2000 bei der Kristalltherme anfing. „Nach der Schule habe ich in der Landwirtschaft gelernt, bin dann zur NVA“, erzählt der gebürtige Groß Lübener. „Im Anschluss an den Wehrdienst habe ich noch eine Ausbildung zum Gas-Wasser-Installateur gemacht und in diesem Bereich knapp zehn Jahre gearbeitet. Als 2000 die Therme eröffnete, bewarb ich mich dort für den technischen Bereich.“ Irgendwann habe er dann ein Schreiben im Briefkasten gefunden, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass die technischen Stellen alle besetzt seien, er aber im Badebetrieb und der Sauna einsteigen könne. „Zwei Tage später begrüßte mich der Kristall-Chef Heinz Steinhart mit Handschlag als Mitglied im Team.“

Eine Sauna hatte Peter Storch bis dahin noch nie betreten, die Einarbeitungswoche in der damaligen Kristalltherme Lübbenau änderte das. „Ich musste den Saunagang abbrechen, ich war total fertig“, sagt der 44-Jährige und lacht. Mit der Zeit habe sich sein Körper aber daran gewöhnt, bei 95 Grad die Wasserdampfschwaden mit dem Handtuch zu verteilen. „Alles Übungssache.“ In den ersten Monaten habe er in Wilsnack manchen Aufguss für eine handvoll Besucher gemacht. „Kein Vergleich zu heute, wo manchmal mehr als 100 Leute im großen Saunadom sitzen.“

Nach ein paar Jahren reicht es Peter Storch nicht mehr, nur Wasser über die Steine zu gießen. „Ich wollte mehr über die medizinischen Aspekte und die Saunakultur erfahren, um dieses Wissen an die Gäste weiter geben zu können.“ In einem 14-tägigen Lehrgang des Deutschen Saunabundes lernt er alles, was ein Saunameister wissen muss. „Vom Saunabau, für den spezielle Hölzer benötigt werden, über die Wirkungen von Wärme und Abkühlung auf Kreislauf, Knochen und Muskulatur bis hin zu den jeweiligen Eigenschaften der ätherischen Öle – es ging richtig ins Detail.“ Mit Abschluss des Kurses erhielt Storch das Saunameister-Zertifikat. „Da war ich schon stolz.“

Doch auch mit dem Titel des Saunameisters gab sich Peter Storch nicht zufrieden. „Im Mai war ich bei einem Profi-Aufguss-Seminar, wo auch Aufgussweltmeister ihre Techniken und Ideen gezeigt haben. Dort habe ich erstmals etwas von Saunatheater gehört, wo mit Lichteffekten, Musik und Kostümen ein ganz neues Erlebnis für die Sinne geschaffen wurde. Ich war völlig fasziniert.“ So fasziniert, dass er seine Chefs von der Idee überzeugen konnte, im Dom ein Soundsystem und entsprechende Lichttechnik zu installieren. „An der Choreografie feilen wir noch, denn Synchronwedeln, das will erstmal gelernt sein. So eine Show funktioniert – wie der ganze Badbetrieb – nur mit einem guten Team, in dem alle an einem Strang ziehen. Ich denke, in diesem Jahr können wir mit dem Saunatheater so richtig loslegen.“

Dass die Sauna für Storch mehr Berufung als Beruf ist, erahnen jene, die ihm privat in der Therme begegnen. Einmal alle drei Wochen kommt er als Gast in die Sauna. „Der Schwitzgang mit zwei Freunden ist ein richtiges Ritual geworden. Wir treffen uns um 18 Uhr und gehen zuerst in den Salzsee. Mit einem Alster füllen wir dann den Mineralstoffvorrat des Körpers auf, bevor wir beim Herrenaufguss, bei dem immer ein Gast das Handtuch schwingt, das erste Mal schwitzen.“ Weiter gehe es mit dem Salzaufguss und schließlich dem Prignitzer Spezial-Brutal-Aufguss. „Da geht es richtig zur Sache, 25 Minuten mit Pause zwischendrin, da wird auch einem Profi wie mir richtig warm.“ Dann lassen Storch und seine Freunde den Besuch gemütlich bei einem Senioren-Salatteller mit Putenbrust und Kräuterbaguette ausklingen. „Man wird ja nicht jünger“, kommentiert er lachend. Vor allem imWinter werde er von Stammgästen oft gefragt, warum er, Herr Storch, nicht in den Süden geflogen sei. „Ich antworte dann ganz wahrheitsgemäß, dass ich der einzige Storch bin, der in der Prignitz überwintert. Aber in der Sauna ist es ja auch schön warm.“

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