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Ludwigsluster Tageblatt

20. September 2017 | 06:05 Uhr

Winkelmoor : Über die Zeitung zum neuen Job

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Nach SVZ-Bericht über Gido Barkows verzweifelte Jobsuche bekommt der 40-Jährige prompt ein Stellenangebot und ist überglücklich

svz.de von
erstellt am 14.Jul.2017 | 20:45 Uhr

Gido Barkow hat vieles versucht: Er hat sich als Reinigungskraft beworben. Als Lagerist. Sogar als Pförtner. Doch immer, wenn er in den Vorstellungsgesprächen von seinem Schlaganfall erzählte, kippte die Stimmung. „Ich bekam sofort zu spüren, dass das gar nicht gut ankommt“, erzählt er. Bei der letzten Absage hatte man ihm dann direkt ins Gesicht gesagt, man brauche Leute mit 200 Prozent.

Monika Abraham, die Teamleiterin der Agentur für Arbeit in Ludwigslust, kann da nur mit dem Kopf schütteln. „200 Prozent. Die hat er doch“, sagt sie. „200 Prozent Motivation und 200 Prozent Lust am Arbeiten.“

Wie sehr sich Gido Barkow einen neuen Job wünschte, das hat auch unser Reporter im Februar im Stellencafé der Arbeitsagentur erlebt. Gido Barkow ließ ihn hier sogar beim Vier-Augen-Gespräch mit der Arbeitsvermittlerin dabei sein.

Barkows Aufgeschlossenheit sollte sich auszahlen. Denn der SVZ-Bericht über sein Schicksal wurde nicht nur auf unserer Online-Seite tausende Male geklickt. Auch Facebook-Nutzer teilten den Text, bis er irgendwann bei einem Angestellten des Herdbuchzuchtbetriebes Lebe-recht in Winkelmoor landete. „Wir waren damals gerade in einer Notsituation“, sagt der Geschäftsführer Dr. Manfred Leberecht. „Denn uns war krankheitsbedingt ein Mitarbeiter ausgefallen.“ Das erste Gespräch mit Gido Barkow verlief vielversprechend. „Die Grundchemie stimmte“, sagt Leberecht. „Ich hatte das Gefühl, dass unsere gegenseitigen Ansprüche erfüllbar sind.“ Gido Barkow, der Betonbauer gelernt hatte und 13 Jahre lang Lkw fuhr, kannte sich aus mit Maschinentechnik. Er hat den Treckerführerschein und Staplerschein. „Darauf kann man doch peu à peu aufbauen“, sagt Landwirt Leberecht. Viel wichtiger sei ihm, dass die Einsatzbereitschaft da ist. Dass der Mitarbeiter wirklich will und motiviert zur Arbeit kommt.

Keine Sekunde zögerte Gido Barkow als Leberechts Angebot kam. „Ich bin hier knallhart ins kalte Wasser geworfen worden“, sagt er. Erst sei er nur mitgelaufen, dann habe er mehr und mehr eigenständig gearbeitet. Heute ist der 40-Jährige allein verantwortlich für die Fütterung von achtzig Mastrindern. Er befüllt den Futtermischwagen und streut das Futter aus. Zwei Mal in der Woche muss Barkow die Mistgänge ausschieben. Er hilft beim Aufstellen der Weidezäune, schleppt die Wiesen glatt und stapelt mit dem Radlader das gepresste Heu ins Lager. „Jeder Tag ist anders. Und jeder Tag macht Spaß“, sagt der Grabower. Die Probezeit bis April hat er ohne Probleme überstanden. Sein Chef Manfred Leberecht plant weiter mit ihm. Vielleicht kann Gido Barkow im Winter die ersten Qualifizierungen absolvieren. Dass er heute mit einem Job in der Landwirtschaft so glücklich ist, kann Barkow selbst kaum glauben. „Hätte ich das eher gewusst, dann hätte ich früher mit dem Lkw-Fahren aufgehört.“

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