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Ludwigsluster Tageblatt

19. November 2017 | 00:35 Uhr

Malliss : Turmbauer und Königsmacher

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Mallisser Regionalschüler verlegen Schach-Stunden ab Frühling auf den Schulhof und spielen am selbst gebauten Outdoor-Brett

von
erstellt am 29.Apr.2016 | 07:07 Uhr

„Na Matilda, wie viele Steinplatten fehlen noch?“, fragt Christian Röber. Vor dem Mädchen kniet Gemeindearbeiter Reinhold Steffen und hämmert abwechselnd die dunklen und hellen Platten in den Kies. Mathilda muss nicht lange zählen. Ein Schachbrett hat 64 Felder - das sind acht mal acht Platten. Zwei Reihen sind noch leer. „16“, antwortet die Neunjährige schnell. Und Christian Röber freut sich. „Da sieht man mal wieder. Schach ist viel mehr als nur Spielen. Die Kinder denken logisch und kombinieren.“

Röber ist einer von vielen ehrenamtlichen Helfern, die in der Regionalen Schule Malliß Arbeitsgemeinschaften leiten oder Wahlpflichtkurse mitgestalten. Der Vater von drei Kindern an dieser Schule hat den Schachunterricht übernommen. Dafür hält er sich als selbstständiger Bausachverständiger den Donnerstagnachmittag frei. „Ich mach das gern. Die Kinder freuen sich darauf und für mich ist es eine schöne Abwechslung.“

Abwechslung bringt die Schachstunde auch den Kindern. Denn im zurückliegenden Schulhalbjahr haben sie viel Zeit in den Bau eines neuen Outdoorspielfeldes gesteckt. Möglich machte das das Förderprogramm „Schule plus“ von EU und RAA. „Unsere Ganztagsschule ist bei ihren Projekten sehr auf die Hilfe von Ehrenamtlern angewiesen“, sagt Carola Borchers, Gemeindevertreterin und Vorsitzende des örtlichen Jugend- und Kulturvereins. „Wir als Gemeinde haben kaum noch Mittel für die Jugendarbeit. Da kommt uns die Förderung sehr entgegen.“ Die Idee hinter dem Schul-Projekt: Kinder schnitzen sich ihre eigenen großen Schachfiguren und pflastern sich ein großes Outdoor-Schachfeld auf dem Pausenhof. Das alles unter fachlicher Anleitung von Gemeindearbeiter und den Lehrern.

Damit lassen die Kinder eine alte Mallisser Schul-Tradition wieder aufleben. „Vor etwa 30 Jahren gab es hier schon einmal ein großes Schachbrett“, erinnert sich AWT-Lehrer Bela Schmidt. Er hatte auf dem Dachboden der Schule zufällig auch die passenden alten Schachfiguren entdeckt. Die Farbe total abgeblättert, das Holz gesplittert. „Aber immer noch gut genug für eine zweite Runde“, so Schmidt. „Wir haben wochenlang nur geschliffen und gestrichen.“

Zur Einweihung der neuen Outdooranlage kam auch Schachlehrer Christian Röber. Wenn das Wetter mitspielt, wird er die Schachstunden nun oft nach draußen verlegen. „Früher haben wir uns als Kinder das Schachbrett aus Kreide gemalt. Heute bauen Kinder gemeinsam mit den Erwachsenen ein Spielfeld aus Steinen“, sagt er.

Von den Jungs will an diesem Tag jeder mit anpacken, manche schreiben mit Filzstiften ihren Namen unter die Steinplatte bevor sie sie dem Gemeindearbeiter reichen. Kaum ist das letzte Feld gesetzt, greifen die Jungs zu den Figuren. Einweihen aber darf das Brett das einzige Mädchen im Kurs. Matilda macht den ersten Zug.

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