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Ludwigslust : Turbo-Internet: „Es wird kommen“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Mit der Millionenförderung des Bundes können 104 000 Haushalte und 8935 Unternehmen Anschluss ans schnelle Datennetz bekommen.

von
erstellt am 07.Sep.2016 | 07:00 Uhr

Für mehr als 100 000 Haushalte im Landkreis Ludwigslust-Parchim könnte die Zeit des schneckenschnellen Internets in absehbarer Zeit vorbei sein. Sie liegen in einem der 13 Projektgebiete für den Breitbandausbau, für die Landrat Rolf Christiansen gerade den Zuwendungsbescheid für die Bundesförderung erhalten hat (SVZ berichtete). Bis voraussichtlich Ende 2018 sollen ihre Orte an das schnelle Internet angeschlossen sein.

Es war ein Coup: Nach einem Geldsegen in Höhe von 39 Millionen Euro für die ersten drei Projektgebiete schnappte sich der Landkreis jetzt noch einmal 109 Millionen Euro an Bundesförderung für den Ausbau schneller Datenleitungen. Mit dem Geld wird es möglich sein, mindestens 90 Prozent des Kreisgebiets mit Turbo-Internet zu versorgen. Die anderen knapp zehn Prozent betreffen jene Gebiete, die der Landkreis nicht beeinflussen kann, weil Telekommunikationsanbieter eigenwirtschaftliche Ausbauabsichten geäußert haben. Sie sind über das Bundesprogramm nicht förderfähig.  Ob, wann und mit welcher Technologie die Anbieter tatsächlich bauen – darauf hat der Kreis keinen Einfluss.

Das Pikante an der Förderung des Breitband-Ausbaus ist, dass sie nach dem Windhund-Prinzip erfolgt. Der Landkreis, der bundesweit die nötigen Zuarbeiten am schnellsten erledigt, bekommt das Geld. Wenn der Topf leer ist, gibt es für die Nachzügler nichts mehr. „Es ist uns gelungen, nahezu 100 Prozent unserer Vorschläge durchzubekommen“, freut sich Rüdiger Falk, Breitbandkoordinator des Landkreises. Alle Projektgebiete werden berücksichtigt. Gemeinden, Bürgermeister und Ämter hätten schnell reagiert. Falk: „Es gab eine Riesenresonanz.“ Landkreis, Landesministerien und der Zweckverband elektronische Verwaltung in MV taten sich zusammen und arbeiteten die Anträge aus.

Die Landesregierung stockt die Fördermittel des Bundes auf. Vom Tisch ist die geplante Eigenbeteiligung der Kommunen, sie hat sich mangels Finanzausstattung als unrealistisch erwiesen. Hier springt nun der kommunale Aufbaufonds ein. Die Fördermillionen würden Gesamtinvestitionen in dreifacher Höhe auslösen, erklärte Joachim Müller, Fachdienstleiter Regionalmanagement, gestern Abend bei der Sitzung des kreislichen Wirtschaftsausschusses. „Sie gleichen nur die Wirtschaftlichkeitslücke aus, die einen Anbieter vom eigenwirtschaftlichen Ausbau abhält.“

Die Ausschreibungen für den Breitbandausbau sind kompliziert. Deshalb will der Landkreis auf externe Berater zurückgreifen. Die Ausschreibungen für die Beratungsleistungen sind erfolgt. Wann der eigentliche Ausbau der schnellen Datenleitungen ausgeschrieben wird, ist noch unklar. „Ich hoffe, dass die ersten Ausschreibungen noch in diesem Jahr erfolgen“, so Joachim Müller. „Den Zuschlag erhält der Anbieter, der bei höchster Qualität die geringste Wirtschaftlichkeitslücke kalkuliert hat.“ Denn die anzuwendende Technologie  darf der Landkreis in der Ausschreibung nicht vorschreiben. Doch er hofft, dass Glasfaserkabel verlegt werden können, die dann Datenübertragungsraten von mindestens 50 Mbit/s ermöglichen, für Gewerbebetriebe und Institutionen möglichst 100 Mbit/s oder mehr.

Schnelle Datenleitungen sind im Landkreis Ludwigslust-Parchim zum Greifen nah. Rüdiger Falk: „Es ist real. Es wird kommen.“ Versorgt werden könnten mit der neuen Förderung rund 104 000 Haushalte  und 8935 Unternehmen. Mehr als 100 Unternehmen hätten Ansiedlungsinteresse bekundet, wenn der Daten-Turbo zur Verfügung steht.

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