Ludwigslust : Tunnelbau: Gewinn oder Problem für die Stadt?

Ähnlich wie im Bahnhof Greifswald könnte auch der Tunnel in Ludwigslust aussehen.
1 von 2
Ähnlich wie im Bahnhof Greifswald könnte auch der Tunnel in Ludwigslust aussehen.

In der Einwohnerversammlung äußern Ludwigsluster Bedenken über die geänderte Verkehrsführung

von
08. November 2017, 21:00 Uhr

Die Stühle reichen gerade so, denn es ist voll am Dienstagabend im Autohaus Hildesheim. Der Grund: Eine Einwohnerversammlung, die den Tunnelbau am Bahnhof und die Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes bis 2025 als Hauptthema auf der Agenda hat.

70 Meter lang soll die Tunneltrasse sein, die als Unterführung zwischen der Rudolf-Tarnow-Straße und der Wöbbeliner Straße gebaut werden soll, erklärt Jens Gröger, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung und Tiefbau der Stadt Ludwigslust. Durch die geänderte Straßenführung soll nicht nur der innerstädtische Verkehr verringert, sondern das Reisen für Pendler und Umsteiger am Ludwigsluster Bahnhof erleichtert werden.

Doch die etwa 60 Bürger, die der Versammlung am Dienstag beiwohnen, bleiben skeptisch. Denn durch die geänderte Straßenführung und die 2016 fertig gestellte P+R-Anlage, die mit ihren 184 Plätzen den Pendlern das problemlose Parken am Bahnhof ermöglichen soll, könnten nun zu einem Knotenpunkt im abendlichen Feierabendverkehr werden, fürchten einige Einwohner. „Wenn 70 Pendler auf einen Schlag den Parkplatz verlassen und von der Rudolf-Tarnow-Straße auf die Bahnhofsstraße einbiegen, sehe ich ein totales Verkehrschaos entstehen“, lautet die Aussage eines Bürgers. „Das wird ein Nadelöhr, welches Ihnen momentan scheinbar noch gar nicht bewusst ist“, bestätigt ein anderer Ludwigsluster.

Jens Gröger und Bürgermeister Reinhard Mach sehen die Situation hingegen entspannt. Es sei zu bezweifeln, dass eine solche Anzahl an Pendlern zeitgleich den Parkplatz verlassen würden, heißt es. Zur Not könne man außerdem Maßnahmen in der Straßenführung ergreifen, beispielsweise die Fahrbahnkennzeichnung für Rechts- und Linksabbieger in der Rudolf-Tarnow-Straße, um der Entstehung eines solchen Chaos vorzugreifen, erklärt Jens Gröger.

Bürgermeister Reinhard Mach (r.) und Jens Gröger vom Bauamt stellen die Planung für den Pendlerparkplatz vor.
Neumann
Bürgermeister Reinhard Mach (r.) und Jens Gröger vom Bauamt stellen die Planung für den Pendlerparkplatz vor.
 

Doch die Einwohner sehen ein weiteres Problem. 4 600 Fahrzeuge sollen nach bisherigen Berechnungen die Bahnhofsstraße fortan täglich passieren. Ob die Beschaffenheit der Straße dies überhaupt leisten könne oder ob eine Neupflasterung notwendig wird, lautet die Frage eines Bürgers aus dem Publikum. „Bevor wir die Bahnhofsstraße neu pflastern, pflastern wir die Schlossstraße neu. Ich finde die Schlossstraße hat noch einmal ein schickes neues Pflaster verdient. Ich sage immer, dass in der Bahnhofsstraße die Russen schon mit dem Panzer gefahren sind“, witzelt Bürgermeister Reinhard Mach. „Außerdem wird in der Leistungsphase noch einmal überprüft, ob die Fahrbahnen die bisher geplanten Mengen wahrnehmen können“, so Gröger.

Etwa 12,2 Meter breit soll der Tunnel unter den Bahngleisen werden. Dabei sind 6,5 Meter Fahrbahn für Pkws und Lkws eingeplant, 2,5 Meter für einen einseitigen Radweg sowie ein 3,2 Meter breiter einseitiger Fußweg. Der bisher viel genutzte Fußgängertunnel soll dafür entfernt werden. Bisher lag dieser im Besitz der Deutschen Bahn AG. Sollte sich die Stadt jedoch dazu entscheiden, den Tunnel zu bauen, müssten sie die Straßenbaulast für den Fußgängertunnel übernehmen. So hätte die Stadt jedoch zwei Straßenbaulasten zu tragen – zum einen für die neu gebaute Tunneltrasse, zum anderen für den Fußgängertunnel. „Wenn wir das tun würden, wäre es monetär gesehen der Super-GAU“, erläutert Jens Gröger. So bleibt nur der Rückbau des Fußgängertunnels „Das ist ein saurer Apfel, in den wir beißen müssen“, sagt Bürgermeister Mach, „wir hätten ihn auch gern erhalten.“

Alles in allem soll der Bau des barrierefreien Tunnels mitsamt der Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes und des Rückbaus des Fußgängertunnels 36 Millionen Euro kosten. Diese Kosten sollen zu gleichen Teilen von Bund, Deutscher Bahn und Stadt getragen werden. Wobei man hoffe, die Kosten für die Stadt durch einen Zuschlag des Landes verringern zu können.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen