Kastorf : Trinkwasserstreit: Getäuscht und abgezockt ?

<strong>Landwirt Torsten Wolter </strong>und sein Schriftverkehr mit dem ZkWAL. Ein Ende des Streits ist nicht abzusehen. <fotos>Foto: Harald Schulz</fotos>
Landwirt Torsten Wolter und sein Schriftverkehr mit dem ZkWAL. Ein Ende des Streits ist nicht abzusehen. Foto: Harald Schulz

Die Enttäuschung über eine scheinbar ebenso endlose wie ärgerliche Streiterei um Trinkwasser mit dem Zweckverband kommunaler Trinkwasserversorgung steht Landwirt Torsten Wolter aus Kastorf ins Gesicht geschrieben.

svz.de von
11. Juli 2012, 06:45 Uhr

Kastorf | "Getäuscht, hingehalten und abgezockt" - Die Enttäuschung über eine scheinbar ebenso endlose wie ärgerliche Streiterei um Trinkwasser mit dem Zweckverband kommunaler Trinkwasserversorgung und Abwasserbehandlung Ludwigslust, kurz als ZkWAL betitelt, steht Landwirt Torsten Wolter aus Kastorf ins Gesicht geschrieben.

Und seit Wochenanfang steht ihm die ganze Sache bis an die Oberkante der Unterlippe: Der ZkWAL hat das auf seinem Bruder und auf ihn lautende, laufende Betriebskonto bei der Hausbank mit dem Recht einer kommunalrechtlich aufgestellten Organisation gesperrt. "Jetzt ist das Maß voll, ich erstatte Strafanzeige gegen den ZkWAL-Geschäftsführer Lange", lautete der Anruf gestern bei der SVZ, nachdem die sich seine Sorgen Tage zuvor auf dem landwirtschaftlichen Milchviehbetrieb angehört hatte. Das wäre dann bereits die zweite Strafanzeige gegen den Geschäftsführer innerhalb kurzer Zeit (SVZ berichtete). Gegen die Kontopfändung hat Wolter anwaltlich eine Eingabe beim Verwaltungsgericht eingereicht.

Chronologie eines vertrackten Disputs

Die Chronologie des vertrackten Disputs aus Sicht des Landwirts: Die Brüder Dirk und Torsten Wolter betreiben in Kastorf seit 1993 einen Betrieb mit derzeit 80 Milchkühen als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Die Trinkwasserversorgung des Gesamtareals erfolgte bis zum Anschluss für das Wohnhaus an eine Versorgungsleitung unter ZkWAL-Regie durch eine Bohrung auf dem Hofgrundstück. Deshalb hatte Wolter bereits im Jahre 2003 beim ZkWAL einen Befreiungsantrag gestellt. Auf eine entsprechende Antwort warte er bis heute vergeblich, so die Schilderung des Landwirtes. Die besondere Trinkwasserqualität wurde jährlich amtlich überprüft, nie beanstandet. Mit dem Kauf eines Melkroboters und einer Anlage, die insbesondere Spurenelemente von Eisen absorbiert, verbesserte sich die bereits hohe Qualität des Quells im Jahre 2008 nochmals.

Noch im selben Jahre flatterte dann ein ZkWAL-Bescheid über so genannte Altanschlussgebühren ins Haus, dem Wolter schriftlich widersprach. Es dauerte dann wieder bis zum 26. März 2010, bis ein neuerlicher Bescheid in Kastorf eintraf - nun aber mit fast der doppelten Summe. Auch gegen diese Erhebung erfolgte ein Widerspruch. Endlich, so Torsten Wolter weiter, trafen sich ZkWAL-Geschäftsführer Lange, Wolters Rechtsanwalt, der landwirtschaftliche Mitarbeiter und Wolter selbst im Mai 2011 zu einem Ortstermin in Kastorf.

Die Sollbruchstelle: Damals soll es zur Einigung darüber gekommen sein, dass das Wohnhaus der Familie Torsten Wolter an die zentrale Trinkwasserversorgung angeschlossen werde, der landwirtschaftliche Anteil, also der Kuhstall, nicht belastet wird. Man ging froh auseinander.

Es wurde ein Teilabhilfebescheid vom ZkWAL verfasst und anschließend erfolgten die notwendigen Arbeiten für den Hausanschluss. Im Januar dieses Jahres kam aus dem Ludwigsluster Fliederweg ein Begrüßungsschreiben für den Neukunden Torsten Wolter nach Kastorf.

Das böse Erwachen folgte mit Stichtag 10. Januar 2012: In Wolters Post lag die Rechnungslegung für die GbR - samt Säumnisaufschlägen seit 2008, abzüglich bereits gezahlter Beträge, ergab das summa summarum 2900 Euro.

Für den Zweckverband sieht ZkWAL-Geschäftsführer Stefan Lange die ganze Situation entspannt, weil: Das private Anwesen von Torsten Wolter steht auf dem eingetragenen Grund- und Boden der GbR. Somit konnte der ZkWAL auch nur so handeln, um seine Forderungen durchzusetzen. Dass der Zweckverband den Anschluss von Wolter angestrebt hatte, ist eine Forderung der Unteren Wasserbehörde, die faktisch seit der Wende die Anschlusspflicht für Trinkwasser aller Haushalte fordert. Dort wo es wirtschaftlich Sinn ergibt, setzt der Zweckverband dieses Ansinnen um.

Nach dem Einigungsgespräch vor Ort sei es erst dann zu einer Niederschrift mit den Unterschriften der beiden GbR-Teilhaber gekommen, nachdem der ZkWAL die Vereinbarung und den Vertrag aufgesetzt hatte. Trotz dieses Vertrages folgte der erneute Widerspruch. Angesichts dieser Situation und einem neuerlichen Zeitverzug musste der Zweckverband schließlich handeln, so Lange.

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