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Ludwigsluster Tageblatt

23. Oktober 2017 | 01:03 Uhr

Ludwigslust : Treppenturm gibt Rätsel auf

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Prozess um verschwundenes Baugerüst im Amtsgericht Ludwigslust gestern fortgesetzt / Widersprüchliche Zeugenaussagen

von
erstellt am 18.Feb.2015 | 07:00 Uhr

Der verschwundene Treppenturm aus der Wehranlage Güritz – gestern wurde die Gerichtsverhandlung zu diesem Kriminalfall fortgesetzt. Und es wird irgendwie immer unübersichtlicher.

Im Jahre 2011 hatte es in besagter Wehranlage an der Müritz-Elde-Wasserstraße Sanierungsarbeiten gegeben. Als sie weitgehend beendet waren, wurden die Baugerüste im betroffenen Wehrfeld abgebaut und abtransportiert. Doch das Schicksal eines sogenannten Treppenturms (ein fast acht Meter hohes Gerüst, über dessen Treppe man auf den Boden des Beckens gelangt) ist seitdem unklar. Er ist verschwunden.

Der Turm war im Auftrag des Unternehmens von Thomas H. errichtet worden, das hier Arbeiten durchführte und das Gerüst gemietet hatte. Jetzt vermisst die Gerüstbaufirma, die den Turm vermietet hatte, selbigen. Und Thomas H. muss sich vor dem Ludwigsluster Amtsgericht des Vorwurfes der Unterschlagung erwehren (SVZ berichtete).

Die entscheidende Frage ist: Wurde der Turm am 11. November 2011 zusammen mit dem restlichen Gerüst abgebaut? Die Bauleiterin des Unternehmens von Thomas H. bejahte dies gestern vor Gericht als Zeugin: „Ich war am 11. November 2011 kurz nach dem Mittag auf der Baustelle in Güritz. Vier Leute der Gerüstbaufirma waren vor Ort mit dem Abbau beschäftigt. Auch von unserer Firma waren Leute da, die andere Arbeiten verrichteten. Als ich dort war, gab es dort kein Gerüst und keinen Treppenturm mehr, alles war abgebaut.“

Zumindest das Abbaudatum scheint unstrittig zu sein, nicht aber was an jenem Tag mit dem Treppenturm geschah. Denn der Chef der Gerüstbaufirma sagt: „Die Firma (das Unternehmen von Thomas H. – d. R.) hatte den Turm nicht freigemeldet. Deshalb blieb er stehen.“

Doch ob abgebaut oder nicht – das Ding verschwand dann doch noch. Dem Gerüstbauunternehmer Stefan S. kam einige Zeit später zu Ohren, dass sein verloren gegangener Treppenturm möglicherweise auf einer anderen Baustelle von Thomas H. stehen sollte, nämlich in der Hechtsforthschleuse. Ein weiterer Unternehmer, der zu jener Zeit auf dieser Baustelle arbeitete und auch routinemäßig Fotos gemacht hatte, sagte vor Gericht: „Herr S. fragte mich, ob ich Bilder von dieser Baustelle gemacht hätte und sie ihm zur Verfügung stellen könne. Das tat ich auch. Er wollte vielleicht wissen, ob das sein Turm war.“

Unstrittig ist auch, dass Stefan S. auf der Suche nach seinem Treppenturm besagte Baustelle in der Hechtsforthschleuse aufsuchte. „Der Zaun war offen und ich sagte einem Arbeiter dort, dass ich meinen Treppenturm fotografieren möchte“, so der Gerüstbauchef gestern.

Genannter Arbeiter, der damals im Unternehmen von Thomas H. beschäftigt war, sagte ebenfalls im Gericht aus. Und belastete den Gerüstbauer seinerseits: „Auf der Baustelle war damals ein Treppenturm, aber nicht von der Firma von Herrn S.“ Nach seiner Aussage sei Stefan S. abends gegen 19 Uhr auf die Baustelle gekommen, obwohl sie per Schloss bereits dicht gemacht worden war. Das Schloss sei später verschwunden gewesen. Stefan S. soll eine Sprayflasche mit roter Farbe und Aufkleber seiner Firma dabei gehabt haben und bereits zwei Aufkleber am Treppenturm angebracht haben.

Ein Manipulationsvorwurf, der die Angelegenheit, wie eingangs erwähnt, nicht gerade übersichtlicher macht.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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