neustadt-glewe : Transit 50: Das Glück der Tüchtigen

Das Arbeitsmarktprogramm, das am längsten und erfolgreichsten läuft / Ibu-Institut betreut derzeit 62 ältere Schwerbehinderte

von
04. Dezember 2014, 07:00 Uhr

Passend zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am gestrigen Mittwoch rückt eines der erfolgreichsten Arbeitsmarktprojekte in den Fokus. „Transit 50“ ist ein gemeinschaftliches Projekt der Jobcenter im Landkreis Ludwigslust-Parchim im Rahmen des Bundesprogramms „Perspektive 50plus – Beschäftigungspakte für Ältere in den Regionen“. Zwei Beispiele zeigen, wie es gelingen kann, Langzeitarbeitslose mit Handicap wieder in Arbeit zu bringen.

„Das Ziel, dass Verschiedenheit nicht benachteiligt in unserer Gesellschaft und im beruflichen Umfeld, sollte eigentlich selbstverständlich sein“, betonte Bereichsleiterin Helene Grimme vom Jobcenter Ludwigslust-Parchim. Teilhabe, Vielfalt, Integration und Inklusion sind Themen die den Bildungsträger ibu Neustadt-Glewe und das Jobcenter Ludwigslust-Parchim seit vielen Jahren begleiten, nicht nur auf dem Papier sondern auch in der täglichen Praxis bei der Integration von über 50-jährigen Langzeitarbeitslosen im Rahmen von Transit 50.

Christian Rosenkranz, ibu-Geschäftsführer und langjähriger Vorsitzender des Bildungs-, Kultur-, Sport- und Sozialausschusses im Kreis Ludwigslust: „Wir betreuen zur Zeit 530 über 50-Jährige in den Landkreisen Rostock, Ludwigslust-Parchim und der Prignitz, davon sind 62 ältere Schwerbehinderte.“ Was zunächst sehr technisch unter dem Begriff „multiple Vermittlungshemmnisse“ gefasst werde, stelle man bei ibu zurück: „Wir sehen den Menschen und sind an seinen Stärken und an seinem Potenzial interessiert. Jeder kann etwas. Jeder wird gebraucht. Was sich so leicht sagt, ist nicht selten ein langer Weg.“

Da hilft das Jobcenter mit dem Programm Transit 50. Die ibu Vermittler sind für die Betriebe in der Region Unternehmensversteher und für die Teilnehmer Kümmerer. „Es geht darum, Langzeitarbeitslose im Alter von über 50 Jahren wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren“, definiert Bereichsleiterin Helene Grimme vom Jobcenter Parchim das Ziel aller Bemühungen.

Es gehe dem Institut nicht darum, kurzfristig hohe Vermittlungszahlen zu erzielen. „Wir streben vielmehr nachhaltige Ergebnisse und langfristige Bindungen an.“ Grundlage dafür sei ein eigens geschaffenes Leitbild. Dabei sei es gelungen, so der ibu-Geschäftsführer, pro Filiale jährlich rund 40 Kunden in unbefristete Arbeitsverhältnisse zu vermitteln. „Das funktioniert nur mit dem Glück der Tüchtigen gemeinsam“, freut sich Rosenkranz und präsentiert zwei aktuelle Erfolge.

Tüchtig war der gelernte Maler Klaus Müller (54) jahrzehntelang. „Aber die Arbeit auf Baustellen hat meine Knochen kaputt gemacht.“ Mit den Jahren wurden die Zeiten krankheitsbedingter Arbeitspausen immer länger – „bis es nicht mehr ging“. Kündigung, Arbeitslosenhilfe, 30 Prozent Erwerbsminderung – wie so viele seiner Altersgenossen hat Klaus Müller dies als Spirale des Niedergangs empfunden. „Ich wurde zwar fortgebildet, umgeschult, befristet eingestellt, machte Praktika und war ABM-Kraft – aber ich hatte keine Hoffnung mehr, jemals wieder einen ordentlichen Job zu bekommen.“

Just zu dieser Zeit suchte Evelyne Esemann für das Parchim Center einen zweiten Hausmeister für die Liegenschaft. Dort gibt es auf einer Grundstücksfläche von rund 40 000 eine Gebäudefläche von 24 000 Quadratmetern mit 60 Gewerbekunden und 30 Wohnungsmietern zu betreuen. Ibu-Vermittler Mario Krüger schlug dem Arbeitgeber gleich drei Kandidaten vor – letztlich gab das persönliche Gespräch den Ausschlag. „Die Chemie muss stimmen.“

Ähnlich war es auch Jörg Huber (53) ergangen. „Ich habe meine Gesundheit in dem knochenharten Job als gelernter Bäcker und Konditor verschlissen.“ 30 Prozent Erwerbsminderung waren der Preis für seinen Einsatz. Bei den Arbeitsbedingungen der Branche sei es kein Wunder, wenn sich 2014 in der Kreishandwerkerschaft Westmecklenburg-Süd unter den 219 Auszubildenden kein Bäcker befunden habe. Als Arbeitsloser entdeckte Huber sein Interesse für die Gastronomie.

Bis zu dessen Schließung betrieb er das Café in der Wiesenmeisterei von Tuckhude (Neustadt-Glewe). In der agrarhistorischen Bildungsstätte war zu herzoglichen Zeiten die Verwaltungsbehörde für die Unterhaltung der Lewitz angesiedelt. Ibu-Vermittler Frank Prochnow brachte den Hobby-Koch mit dem Gastwirt Sebastian Mittelstädt zusammen, der Verstärkung für sein Küchenteam im Neustädter „Burg“-Restaurant suchte. „Das Praktikum war derart erfolgreich, dass ich mir danach sogleich die Dienste von Jörg Huber vertraglich gesichert habe“, freut sich der Liebhaber regionaler Küche.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen