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Ludwigslust-Parchim : Totalüberwachung für Raser kommt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Neue Blitzer messen Durchschnittstempo über längere Strecke. Landkreis will bis 2020 Zahl der Unfälle mit Schwerverletzten halbieren.

von
erstellt am 13.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Mit völlig neuen Überwachungsmaßnahmen will der Landkreis die Zahl der Verkehrsunfälle auf den Straßen bis zum Jahr 2020 deutlich senken (wir berichteten). Das sieht ein Konzept vor, das der SVZ vorliegt. Aber: Es geht nicht um Abzocke. Der Beigeordnete Andreas Neumann: „Dies ist nicht das Haushaltssicherungskonzept, es ist ein Handlungskonzept zur Senkung schwerer Personenschäden bei Verkehrsunfällen.“

Neu wäre die Messung der Durchschnittsgeschwindigkeit. Ein mögliches Mittel hierfür bietet die sogenannte „Section Control“. Hierbei handelt es sich um ein technisches System, bestehend aus Kameras und Rechnern. Jeder Autofahrer wird zu Beginn der zu überwachenden Linie fotografiert, die genaue Einfahrzeit wird festgehalten. Bei der Ausfahrt erfolgt wiederum eine Messung der zwischen Ein- und Ausfahrt vergangenen Zeit.

Über eine einfache Rechnung ermittelt das System die gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit. Nur bei Überschreitung eines definierten Grenzwertes wird zur Beweissicherung ein erneutes Foto von Fahrzeugführer und amtlichem Kennzeichen ausgelöst. Das Verfahren ist deutschlandweit neu. Ein Pilotprojekt bei Hannover verzögerte sich aus datenschutzrechtlichen Bedenken, weil auch die Autofahrer fotografiert werden, die vorschriftsgemäß unterwegs sind. Für den Beigeordneten Andreas Neumann steht der Start dieser Abschnittskontrolle auch nicht unmittelbar bevor: „Es ist schwierig, hier eine geeignete Strecke zu finden.“

Andere Maßnahmen des Konzepts werden aber gemeinsam mit der Polizei nach und nach umgesetzt. Dazu gehört die Entschärfung bekannter Unfallschwerpunkte. Die Experten überprüfen dann Schilder und Markierungen, überwachen den Verkehr. In diesem Fall wurden die Markierungen der Fußgängerüberwege verbessert.

Autofahrer müssen sich zudem auf mehr Überholverbote einstellen. Auf der B 321 zwischen Crivitz und Friedrichsruhe ist das schon jetzt zu spüren. Nach der Fahrbahnsanierung sind die Sperrlinien deutlich mehr geworden. Die Experten nehmen auch Radwege unter die Lupe. Ziel ist eine sichere Verkehrsführung. Schon jetzt ist klar, dass mehr Blitzer und Zivilstreifen unterwegs sein werden, „je nachdem wieviel Geld für zusätzliche Maßnahmen im Haushalt zur Verfügung steht“, sagt Andreas Neumann. Ziel sei, die absoluten Unfallzahlen zu senken und das Problembewusstsein zu erhöhen.

Das Konzept ist übrigens keine Idee des Landkreises, sondern folgt einer Aufforderung des Landes und wird jetzt in den Kreistags-Ausschüssen vorgestellt. Anlass ist die Zahl der Unfalltoten. 2015 starben 20 Menschen auf den Straßen des Landkreises, was schon den niedrigsten Stand markiert, Höchststand war 2011 mit 42 Toten. Die Zahl der schwer verletzten Verkehrsteilnehmer stieg 2015 auf 193, im Jahr 2014 lag sie bei 176.

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