Malliss : Torte nach syrischem Rezept

Etha Stürzenbecher teilt sich mit einem syrischen Kind ein Stück Kuchen.
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Etha Stürzenbecher teilt sich mit einem syrischen Kind ein Stück Kuchen.

Menschen aus der Gemeinde Malliß begrüßten Flüchtlingsfamilien – ohne viele Worte, aber mit rührenden Taten

svz.de von
03. September 2015, 07:00 Uhr

Welten und Kulturen treffen aufeinander, als sich gestern Nachmittag 15 syrische Flüchtlinge, die vorläufig in Malliß eine Bleibe gefunden haben, mit Einwohnern aus der Gemeinde zum Kennenlernen im Hort an einer Kaffeetafel zusammensetzen. Das Kennenlernen besteht aus Blickkontakten zwischen zurückhaltenden Kriegsflüchtlingen und interessierten deutschen Gastgebern. Verständigende Worte hätten noch mehr Nähe gebracht, wenn der zugesagte Dolmetscher mit dabei gewesen wäre.

Bürgermeister Volker Sielaff erhielt die Absage per Handy unmittelbar vor Beginn der Feier. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als auf die wenigen Deutschkenntnisse eines syrischen Jungen aus einer der Asylbewerberfamilien zu bauen. Diese wenigen Sätze, die Sielaff an die neuen Bewohner von Malliß richtete, reichten aber, um bei den Ankömmlingen Gesten des Dankes und ab und an ein Lächeln auszulösen.

Die Willkommenskultur gegenüber Asylbewerbern könnte innerhalb der Gemeindegrenzen aber schnell an ihre Grenzen, mahnte Sielaff. Für die derzeit 15 syrischen Asylbewerber könne umfassend gesorgt werden, ist sich der Bürgermeister sicher. Vielleicht könnte sogar nochmals dieselbe Anzahl an Kriegsflüchtlingen aufgenommen werden, doch dann sei das Maximum an möglicher Hilfe erreicht. „Es ist ja seit vergangenen Freitag so, dass ich mich nicht mehr um meine ureigensten Aufgaben als Bürgermeister kümmern kann“, so Sielaff. „Das Flüchtlingsproblem des Landkreises nimmt dem Gemeinderat komplett die Luft für andere Aufgaben. Das ist auf Dauer nicht zu leisten. Es macht mir Angst, wie wir alleingelassen werden.“ Hintergrund der Kritik könnte sein, dass Landkreis-Vertreter weitere 20 Wohnungen in der Gemeinde für eine Unterbringung von Asylbewerbern besichtigt haben sollen.

Den syrischen Asylbewerbern wurde mittlerweile ein Betreuer von der Kreisverwaltung zugeteilt, der sich um die bürokratischen Auflagen begleitend kümmert. Voraussichtlich werden beide syrische Familien etwa ein halbes Jahr in Malliß bleiben müssen – auch wenn sie dann mittlerweile als anerkannte Flüchtlinge gelten.

Als eine der ersten Herausforderungen absolvieren die Syrer einen sechsmonatigen Deutschkurs, bevor sie als Flüchtlinge einen anderen Wohnort frei wählen könnten. Wie von einem Vertreter der Arbeiterwohlfahrt zu erfahren war, bleiben zirka 40 Prozent der anerkannten Flüchtlinge an ihrem Aufnahmeort.

Die Menschen in Malliß zeigten gestern, dass sie die Willkommenskultur auch ohne viele Worte, dafür mit Taten verstehen. Schule, Kindertagesstätte und Hort in dem Ort haben sich auf die andere Art von Inklusion vorbereitet. Dörte Hasenpusch, Pastorin i.A., schenkte einen Blumengruß, Mitmenschen spendierten für die Flüchtlinge eine Torte nach syrischem Rezept. Und für die Kinder gab es Süßigkeiten. Als Dank blitzten die Augen in lächelnden Gesichtern.


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