ludwigslust : Thema Windkraft füllte Stadthalle

Mehr als hundert Teilnehmer waren zum Bürgerforum zum Thema Windkraft in die Ludwigsluster Stadthalle gekommen.
Mehr als hundert Teilnehmer waren zum Bürgerforum zum Thema Windkraft in die Ludwigsluster Stadthalle gekommen.

Mehr als hundert Teilnehmer kamen zur Info-Veranstaltung mit Experten aus Energieministerium und vom Städte- und Gemeindetag

23-11367762_23-66107805_1416392155.JPG von
25. März 2015, 07:00 Uhr

Abstand zur Wohnbebauung, Emissionsschutz, Kriterien zur Ausweisung der Windeignungsgebiete, Artenschutz, gemeindliche Vorabbeteiligung, Umzingelungs- und Sichtachsengutachten - all diese Begriffe und noch manches mehr standen am Montagabend auf dem Bürgerforum zum Thema Windkraft in der Ludwigsluster Stadthalle im Mittelpunkt. Bürgermeister Reinhard Mach, der zu dieser Info-Veranstaltung einlud, hatte sich kompetente Partner an seine Seite geholt. Zum einen Lothar Säwert, Leiter der Abteilung Landesentwicklung im Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung aus Schwerin, und Arp Fittschen von der Kommunalberatungsstelle zur Energiewende beim Städte- und Gemeindetag Mecklenburg-Vorpommern. Letzterer informierte über Möglichkeiten, wie Bürger und Kommunen am Windkraftgeschehen finanziell beteiligt werden können.

Das Thema Windkraft in und um Ludwigslust erregt und erhitzt die Gemüter, rund hundert Zuhörer waren es gut und gerne, die in die Stadthalle gekommen waren. Sie erfuhren vom Vertreter des Energieministeriums vieles, was schon über die SVZ veröffentlicht wurde. So, dass die Regionalplanung in MV einen Abstand der Windkraftanlagen von 1000 Metern zur Wohnbebauung vorsieht, der einen aus Sicht der Fachleute vorsorglichen Emissionsschutz beinhalte. Vier Bundesländer unterschreiten in ihren Planungen die 1000-Meter-Grenze, vier Länder verlangen eine Einzelfallprüfung. Eine Studie des Umweltbundesamtes „Potenzial der Windenergieanlagen an Land“ geht dabei von 600 Metern aus, so Säwert. Dieser verwies nur kurz auf den langen Katalog des Regionalen Planungsverbandes zu den Kriterien zur Ausweisung von Windkraftgebieten, zur 7-H-Regelung und zu Kriterien des Artenschutzes.


Landschaftsbild massiv beeinträchtigt


Was den Kriterienkatalog betreffe, so ist über eine gemeindliche Vorabbeteiligung zu klären, welche Gegebenheiten hier in und um Ludwigslust vorhanden sind, um die für Windkraft potenziellen Flächen weiter einzuschränken. Ludwigslust ist ein herausragender Ort mit Geschichte und denkmalpflegerischer Bedeutung, hier gelte es vor Ort zu prüfen, welche Belange gemeinsam mit dem Denkmalschutz in die Planung eingebracht werden – eine Aufgabe, die auf die Gemeinden zukommt. „Der Planungsverband wird das prüfen“, so Säwert, „wenn keine Flächen mehr übrig bleiben, muss man das neu machen.“ Bernd Wegner skizzierte ein Horrorszenario von Windrädern rund um Ludwigslust und kritisierte, „dass die massive Beeinflussung des Landschaftsbildes keine Rolle mehr spiele.“ MV als Gesundheitsland, als Tourismusland Nr. 1. - all das wird durch die Windräder beeinträchtigt, so seine Meinung. Windenergieland Nr.1 ist MV nicht und will es auch nicht werden, so Säwert. MV stehe auf Platz 6.

Natürlich ist ein Kriterienset entstanden, den man kritisieren kann. „Aber welche Alternativen gibt es? Diskussionen ja, man kann jedes Kriterium hinterfragen, aber was kommt dabei heraus“, gibt der Ministeriumsmitarbeiter zu bedenken. Und er verweist nochmal auf das Procedere, dass jede Kommune im Rahmen des Planungsverfahrens nach ihren gemeindlichen Belangen befragt wird, die Gemeinden sich äußern können zu möglichen Flächen. Die Ergebnisse fließen ein in den 1. Entwurf der Verbandsversammlung. Innerhalb einer dreimonatigen Öffentlichkeitsbeteiligung besteht die Möglichkeit, Stellung zu nehmen, die Einwendungen werden ausgewertet, der Planentwurf nach den Abwägungen angepasst.


Abwägungen unterliegen dem Planungsverband


Gibt es dann nach der 2. Auslegung keine Einwendungen mehr, wird der Entwurf zum Beschluss vorgelegt. Wer lehnt die Einwendungen ab, wollte Sebastian Meier aus Ludwigslust wissen. Abwägungen und die Entscheidungen darüber sind Aufgabe des Planungsverbandes, so Säwert.

Eine in der Präsentation in der Stadthalle an die Wand geworfene Karte zeigte, in welchem Maße die Gemeinden von potenziellen Windeignungsgebieten betroffen sind. „Und dass Ludwigslust davon sehr stark betrofen ist, zeigt Ihre Anwesenheit heute Abend“, so Bürgermeister Mach. Ab wann man von einer unzulässigen Umzingelung sprechen könne, sei eine gute Frage, so der Bürgermeister, der nicht sagen wollte, dass das schon die endgültige Windrad-Kulisse ist. Birgit Wulf aus Ludwigslust warf ein, wenn es einen solch hohen Grad der Belastung für die Bürger gebe, müsste die Stadt diese Bedenken geltend machen und ein Umzingelungsgutachten erstellen. Auch ein eigenes Gutachten könne die Stadt erstellen lassen, so Säwert. Reinhard Mach regte an, „dass wir als Stadt ein eigenes Sichtachsengutachten erstellen und es mit der Denkmalpflege abgleichen sollten.“

Für die Auswirkungen der Windkraftanlagen auf die Landschaft wie Lärmschutz und Schattenwurf gibt es Simulationsprogramme, die am Computer die Auswirkungen einer Bebauung mit Windrädern darstellen. Kaufen aber sollte die Stadt diese Programme nicht, vielmehr sollte Ludwigslust auf die Software der Kommunalberatungsstelle zur Energiewende zurückgreifen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen