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Lübtheen : Theater als Widerstandsnester in der Region

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Podiumsdiskussion beim Dreikönigstreffen der FDP in Lübtheen mit Theatermachern aus dem Land

Alle Theater im Land sind Widerstandsnester, das Schweriner Theater hat überhaupt nichts gegen die Parchimer Spielstätte, die Kulturkate lockt jedes Jahr mit Erfolg Menschen in die Einöde von Neu Lübtheen und der „kommunal verblödete Idiotismus“ wird es noch schaffen, nach und nach alle Theaterstandorte im Land zugrunde zu richten. Das sind die Schlagworte einer denkwürdigen Diskussion beim Dreikönigstreffen vor voll besetztem Sportlerheim in Lübtheen. Eigentliches Thema war „Theater im Medienzeitalter – Zukunft oder überholt?“ aber am Ende dreht sich dann doch sehr viel ums Geld und um die zukünftigen Strukturen im Land. Mit Moderator Frank Jehring diskutierten Joachim Kümmritz, Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters, und Volkert Matzen, der Chef der Kulturkate Neu Lübtheen. David saß da mit am Tisch und Goliath, der eine mit einem Jahresetat von 22,5 Millionen der andere mit einem Projektbudget von 340 000 Euro. Natürlich hielten die beiden erfahrenen Kulturmänner Theater in keiner Weise für überholt, der Erfolg bei den Zuschauerzahlen gibt ihnen da auch Recht. Doch beide müssen sich in dem Markt der Aufmerksamkeit durchsetzen gegen große Konkurrenz wie Fernsehen, Kino, Gleichgültigkeit, Zeitmangel. Und so mahnte vor allem Intendant Kümmritz immer wieder davor, immer nur vom Geld zu reden. Genau das mache die Politik und liege falsch. Insofern sei jeder Theatergruppe, jede Spielstätte ein Widerstandsnest gegen die Vereinheitlichung. Die Zusammenarbeit von Kultur und Politik müsse völlig neu durchdacht werden. „Der jetzige Ansatz ist doch völlig falsch, erst muss man über Inhalte reden und dann über die Finanzierung.“ In der von gegenseitiger Hochachtung geprägten Diskussion, die vom Publikum mit wachsendem Vergnügen verfolgt wurde, machte Volkert Matzen seine Erwartungen an Politiker klar: „Politiker müssen verwalten. Ich erwarte auch nicht, dass sie unbedingt Ahnung von Kultur haben, aber ich verlange, dass sie den Kulturschaffenden ehrliches Interesse zeigen. Wenn die Politik immer nur ans Sparen denkt, na dann gute Nacht.“

Moderator Frank Jehring, bekannt als Chef der riha-Wesergold in Dodow, erweiterte die Diskussion um die Rolle der Sponsoren. Klare Antwort der beiden, ohne die Hilfe aus der Wirtschaft wäre sehr vieles im Kulturbereich gar nicht mehr denkbar. Allerdings habe die Politik dafür gesorgt, dass die Unterstützung von Kultur durch die Wirtschaft immer schwieriger werde. Sowohl Matzen als auch Kümmritz gaben zu, dass es nicht leichter geworden sei, Sponsoren zu bekommen. Diese würden auch immer klarer Gegenleistungen verlangen. Kümmritz: „Machen wir uns nichts vor, da fließt Kohle gegen Gegenwert, was ich völlig verständlich finde. Doch bei der Kultur lässt sich vieles nicht hundertprozentig abrechnen, das ist das Problem.“ Matzen bekannte, dass es die Kulturkate ohne Sponsoren und in dem Fall konkret die Sparkasse, gar nicht mehr geben würde. Die Förderung vom Kultusministerium jedenfalls gehe von Jahr zu Jahr zurück. Dennoch haben sowohl die Schweriner als auch die Neu-Lübtheener in diesem Jahr sehr viel vor.

Die Kulturkate wird im 25. Jahr des Mauerfalls entlang der Elbe an sechs Spielorten auf dem Floß spielen, Schweriner setzt auf anspruchsvolle Opern, aufwändige Ballettvorführungen und natürlich auf das Freiluftspektakel „Nabucco“. Trotz der Entfernung haben die Schweriner den Neu-Lübtheenern Unterstützung fest zugesagt, obwohl noch niemand weiß, wie genau diese aussehen könnte. Und noch eine Erkenntnis brachte der Abend: Das Mecklenburgische Staatstheater hat überhaupt nichts gegen die Parchimer Spielstätte, und wolle diese auch nicht übernehmen. Vielmehr sollte Parchim unbedingt erhalten bleiben. Nur ein reines Kinder- und Jugendtheater sei Parchim eben auch nicht. Es sei an der Politik zu entscheiden, was aus Parchim werden solle. Für ihn, so Kümmritz, sei Parchim schon jetzt ein wertvolles Widerstandsnest.

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erstellt am 07.Jan.2014 | 18:13 Uhr

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