Ludwigslust : Teurer „Schultourismus“

Der Landkreis muss Jahr für Jahr mehr für Fahrschüler bezahlen, die eine nicht zuständige Schule besuchen.
Der Landkreis muss Jahr für Jahr mehr für Fahrschüler bezahlen, die eine nicht zuständige Schule besuchen.

Landkreis muss Jahr für Jahr mehr für Fahrschüler bezahlen, die eine nicht zuständige Schule besuchen / Diskussion angeschoben

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01. September 2015, 18:05 Uhr

Wie lange kann es sich der Landkreis noch leisten, auch für Busfahrten zur örtlich nicht zuständigen Schule zu zahlen? Bis zu 750 Euro pro Jahr und Kind trägt er und hilft damit, dass alle Eltern – unabhängig vom Einkommen – vom Recht der freien Schulwahl (ab Klasse 5) Gebrauch machen können. Gesetzlich verpflichtet ist er dazu nicht. Doch weil die Kosten für diese freiwillige Leistung von Jahr zu Jahr steigen, könnte sie nun zur Disposition gestellt werden. Auf der jüngsten Sitzung des kreislichen Bildungsausschusses ging die Diskussion schon mal los.

Joachim Müller, Fachdienstleiter Regionalmanagement bei der Kreisverwaltung, hatte zuvor die aktuellen Zahlen vorgestellt. Im vergangenen Schuljahr hatte der Kreis für insgesamt 799 Schüler Fahrkosten zur nicht zuständigen Schule getragen. Das sei eine Steigerung um 43 Schüler bzw. sechs Prozent, so Müller. Noch deutlicher erhöhten sich die Kosten für diese Leistung – um mehr als elf Prozent auf 422 000 Euro. Auffällig sei dabei, dass die Zahl der unterstützten Fahrschüler von Schulen in freier Trägerschaft gesunken ist (auf 271), jene von kommunalen Schulen jedoch deutlich (auf 528) stieg. „Ursprüngliche Absicht der Regelung war aber, insbesondere den Besuch von freien Schulen zu unterstützen“, so Joachim Müller. Doch mittlerweile entscheiden sich immer mehr Eltern für eine andere – oft weiter entfernte – kommunale Schule. Ausschussvorsitzender Stefan Sternberg sieht dieses Wahl- und Wechselverhalten, das er als „Schultourismus“ bezeichnete, zum Teil kritisch. „Wir stellen von Jahr zu Jahr diese Kostensteigerung fest. Auf Dauer ist das haushaltstechnisch nicht zu halten“, betonte der SPD-Politiker. „Wir müssen darüber nachdenken, wie wir nachjustieren können.“ Andreas Sturm (Die Linke) hatte auch schon einen konkreten Vorschlag: „Nur noch besondere schulische Angebote fördern“, sagte er und nannte als Beispiel Fremdsprachen, die nur an einzelnen Schulen unterrichtet werden.

Nico Skiba (CDU) warf ein, dass viele Kinder ihre örtlich zuständige Schule nicht besuchten, weil dort die Qualität nicht stimme. „Das muss man mal beleuchten.“ Silke Schulz (CDU) verwies darauf, dass die Gründe sehr vielfältig seien. Freunde, Geschwister, aber auch die Tendenz, Konflikten in der Schule aus dem Weg zu gehen, anstatt sie zu lösen, spielten eine Rolle. Rainer Pekram, Fachdienstleiter Bildung, meinte ebenfalls, dass eine Ursachenforschung und daraus resultierende Gegenmaßnahmen sehr schwierig zu realisieren seien. Am Ende einigte man sich zunächst darauf, den Leiter des Staatlichen Schulamtes Schwerin zu einer nächsten Sitzung einzuladen, um etwas über dessen Sichtweise zu erfahren.

„Wir als kommunale Ebene müssen für die Ausstattung unserer Schulen sorgen, haben auf die inhaltliche Arbeit und das Kollegium aber gar keinen Einfluss“, so Sternberg. Das würde er sich anders wünschen.

Die meisten Mädchen und Jungen, die eine örtlich nicht zuständige Schule besuchten, gab es im vergangenen Schuljahr an der Evangelischen Schule Hagenow (106), an der Lenné-Schule Ludwigslust (99), an der Evangelischen Schule „Paulo Freire“ Parchim (84), an der Edith-Stein-Schule Ludwigslust (80) und an der Heincke-Schule in Hagenow (41). Dass es an der städtischen Lenné-Schule so viele sind, hänge laut Landkreis damit zusammen, dass sie von Schülern von gleich drei anderen eigentlich zuständigen Regionalschulen – Picher, Neustadt-Glewe und Rastow – gewählt wird. 

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