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Ludwigslust : „Teure Doppelstrukturen vermeiden“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Landrat Rolf Christiansen im SVZ-Gespräch zur Zukunft des Ludwigsluster Krankenhaus und zur Stimmung in der Region

von
erstellt am 16.Dez.2014 | 07:00 Uhr

Die Stimmung im Ludwigsluster Krankenhaus ist nach wie vor gedrückt. Für heute Nachmittag (16 Uhr) wird zu einer Demonstration vor dem Ludwigsluster Landratsamt im Vorfeld der Kreistagssitzung aufgerufen. Notwendige Umstrukturierung oder weitere – einseitige – Verlagerung von Leistungen nach Hagenow? Landrat Rolf Christiansen, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des Westmecklenburg-Klinikums „Helene von Bülow“, stand Kathrin Neumann Rede und Antwort.

Was bekommen Sie von der Stimmung in der Region bezüglich des Krankenhauses mit?

Im Aufsichtsrat sitzen ja auch Mitarbeitervertreter. Zudem bin ich von Mitarbeitern angerufen, auch zu Hause aufgesucht worden und wurde auf dem Ludwigsluster Weihnachtsmarkt häufig angesprochen. Insofern weiß ich, welche Sorgen es gibt, und kann verstehen, dass man sich Gedanken macht.

Sind die Sorgen denn begründet?

Nein. Beide Gesellschafter (Landkreis und Stift Bethlehem, d.Red.) sagen klipp und klar, dass beide Standorte – in Ludwigslust und Hagenow – so aufgestellt werden, dass die stationäre medizinische Versorgung dort langfristig gesichert und ausgebaut werden kann. Dazu muss das Haus wirtschaftlich arbeiten. Die Förderkulisse wird nicht so bleiben, wie sie ist. Deshalb müssen Investitionen künftig aus dem Betriebsergebnis getätigt werden. Es geht nicht um die Frage, ob etwas geschlossen wird, sondern um die Frage, wo eine Leistung am besten erbracht werden kann. Teure Doppelstrukturen müssen wir vermeiden.

Verlagert man Abteilungen von einem Standort zum anderen, werden nicht automatisch alle Patienten mitgehen. Auch der Ruf eines Hauses lässt sich nicht einfach übertragen. Besteht da nicht die Gefahr, dass das Klinikum insgesamt Patienten verliert?

Solche Überlegungen werden bei Umstrukturierungen natürlich auch diskutiert. In unserem Fall reden wir aber über planbare Behandlungen. Und da geht der Patient in der Regel dorthin, wo der Arzt ist, wenn er von diesem überzeugt ist. Natürlich werden ein paar Patienten wegbleiben, aber dafür kommen neue hinzu. Und die Ärzte werden ja im Klinikum bleiben, wenn sie das Konzept mittragen.

Stichwort Kardiologie. Was soll eine Kooperation mit den Helios Kliniken Schwerin dem Krankenhaus Ludwigslust bringen?

Im Bereich Kardiologie wollen wir das Angebot verbessern und das Haus noch interessanter machen. Helios könnte Know-how mitbringen und beispielsweise absichern, dass in Ludwigslust ständig Ärzte an Bord sind – notfalls rund um die Uhr und an Wochenenden. Das können wir so momentan nicht absichern.

Zurück zu den Sorgen – diesmal denen der Mitarbeiter, denen es um die Krankenhausversorgung für ihre Region geht, aber auch um den eigenen Arbeitsplatz. Teilen Sie diese?

In der Mitarbeiterschaft muss niemand Angst um sein Arbeitsverhältnis haben. Durch die angestrebten Maßnahmen werden Stellen wegfallen, aber das bekommen wir durch die normale Fluktuation abgefangen. Beispielsweise gehen ja ständig Kollegen in den Ruhestand.

Was halten Sie von den aktuellen Diskussionen?

Ich finde es schade, dass einige wenige mit Halbwahrheiten agieren. Wir gehen mit der Situation nicht leichtfertig um, schließlich geht es um die Sicherung von Arbeitsplätzen bei einem gemeinnützigen Träger. Aber auch eine gemeinnützige Einrichtung muss ständig nach der Wirtschaftlichkeit fragen, und da sehe ich deutliche Verbesserungsmöglichkeiten, die wiederum allen Mitarbeitern und Menschen in der Region zugute kommen würden. Wenn die Häuser gut aufgestellt sind, sind sie in der Lage zu investieren – auch in neue Angebote – und werden interessant für weitere Spezialisten.

Wir können auf die Halbwahrheiten aber jetzt nicht eingehen, weil wir Details nicht in der Öffentlichkeit diskutieren können. Das würde in dieser Phase kein Unternehmen tun. Schließlich steht das Klinikum im harten Wettbewerb zu privaten Kliniken in der Umgebung. Die Entscheidungen über größere Umstrukturierungsmaßnahmen werden Gesellschafterversammlung und Aufsichtsrat treffen. Im Aufsichtsrat sitzen auch Mitarbeitervertreter.

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