Festungs-Open-Air Dömitz : Techno zwischen alten Mauern

Mit mehr als 500 Besuchern erlebte das Festungs-Open-Air in der Nacht zu Sonntag eine gelungene Premiere. Fotos: K. Neumann
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Mit mehr als 500 Besuchern erlebte das Festungs-Open-Air in der Nacht zu Sonntag eine gelungene Premiere. Fotos: K. Neumann

Erstes Festival für elektronische Musik in Dömitz lockt Tänzer aus Ost und West auf die Festung / Ein Botschafter hat dazu beigetragen

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16. August 2015, 20:15 Uhr

„Die Location ist mega-cool.“ Katharina Grollmuß sitzt mit ihren Freundinnen am Rand der Freilichtbühne auf der Festung Dömitz. Die sechs jungen Frauen aus Dannenberg und Hitzacker sind am Sonnabend an das andere Elbufer gekommen, um Maylin Totzecks Junggesellenabschied zu feiern – beim ersten Festungs-Open-Air für elektronische Musik.

Aus den Boxen dröhnen die für elektronische Musik typischen Beats. Scheinwerfer tauchen die alten Gemäuer rundherum in mystisches Licht. Laserstrahlen streifen durch die Dunkelheit. Auf dem Rasen vor der Bühne tanzen die ersten Besucher. „Das werden mit Sicherheit noch mehr. Schließlich sind ja auch die DJs nicht gerade unbekannt“, sagt Katharina. „Bebetta zum Beispiel hat schon auf der Airbeat (in Neustadt-Glewe, d. Red.) aufgelegt.“

Das Festival auf der Festung ist ein Gemeinschaftsprojekt der Dömitzer Initiative „atelier+ kantine“ von Renate Ruhne und Andreas Herzau und dem Musik-Label „Damm-Records“ aus Parchim. „Wir wollen auch die Jugend ansprechen und mitnehmen“, erklärt Renate Ruhne. Wichtig sei ihnen zudem der Brückenschlag in den Westen, ergänzt Andreas Herzau. „Wir wollen versuchen, die Grenze, die in vielen Köpfen noch da ist, aufzubrechen.“ Die vielen Autokennzeichen aus Dannenberg, Uelzen und sogar Hamburg an diesem Abend zeigen, dass das gelingen kann.

Aber was hat der deutsche Botschafter im Kongo mit dem neuen Festival für elektronische Musik zu tun? Eine Menge. Ohne ihn hätte es das Festungs-Open-Air womöglich gar nicht gegeben. „Wir sind befreundet. Und als er einen DJ für die Feier zum 3.  Oktober suchte, schlug ich ihm Karl Kirschmayer vor und schickte eine Mail an dessen Music-Label“, erinnert sich Andreas Herzau. Doch eine Antwort bekam er zunächst nicht. „Einen DJ in den Kongo schicken – wir haben das zuerst nicht geglaubt“, erzählt Sebastian Glanz, der Damm-Records vor sieben Jahren zusammen mit Daniel Ledwa gegründet hatte. Erst als auch noch vom Botschafter selbst eine Mail kam, ließen sich die Parchimer überzeugen. Karl Kirschmayer flog also nach Kinshasa, um beim Fest der deutschen Botschaft aufzulegen. Und zwischen „atelier + kantine“ und „Damm-Records“ war der Kontakt entstanden.

Am vergangenen Wochenende war Karl Kirschmayer, der eigentlich Christoph Conradt heißt und in Hagenow lebt, auch in Dömitz dabei. Er legte nach Händ-Shake aus Schwerin, Markus Klee und Mr. Schug aus Berlin, Glanz & Ledwa sowie dem Hauptact Bebetta aus Berlin am frühen Sonntagmorgen auf. Seine Arbeit als DJ und Producer sei noch Hobby. „Ziel ist es aber, sie zum Beruf zu machen“, betont der 27-Jährige, der sich in seinem Elternhaus in Kuhstorf sein Musikstudio eingerichtet hat. Am kommenden Wochenende ist er beim „Place2be“-Festival in Schwerin dabei, ehe er in zwei Wochen sein „Heimspiel“ hat. Gemeinsam mit Sebastian Glanz und Daniel Ledwa organisiert er das „Vögel(n) mit Freunden“-Festival auf der Hagenower Skaterbahn.

Die Initiatoren des Dömitzer Festivals waren mit der Premiere zufrieden. Mehr als 500 Leute und Party bis morgens 6 Uhr – „ein sehr schöner Auftakt, den es möglichst im nächsten Jahr zu wiederholen gilt“, so Andreas Herzau.

Auch die Gäste waren begeistert. „Ich finde es außerordentlich gut, dass Leute den alten Sumpf aufbrechen und etwas Neues schaffen“, sagt Marion Schneider (43) aus Liepe. Sie war mit ihrem Mann Fritz (55) auf die Festung gekommen um zu tanzen. „Für die Jugend wird hier doch viel zu wenig getan.“ So könnten sie legal mit ihrer Musik feiern und seien nicht gezwungen, sich zu illegalen Partys im Wald zu treffen.

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