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Ludwigsluster Tageblatt

19. Oktober 2017 | 14:59 Uhr

Neu Kaliss : Technik der Zukunft aus Neu Kaliß

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

AMAS Engineering und Anlagenbau kämpft als innovatives Unternehmen aber mit einer Datenversorgung aus dem letzten Jahrhundert

von
erstellt am 05.Okt.2015 | 07:00 Uhr

Wer den Haupteingang des Unternehmens AMAS Am Alten Postweg 6 in Neu Kaliss betritt, dem werden an der Wand im Empfangsbereich zwei ganz aktuelle Zertifikate ins Auge fallen. Sie belegen das erfolgreiche Qualitätsmanagementsystem des Hauses, das sich auf die Planung, Entwicklung sowie Herstellung, Montage und Vertrieb von Metallerzeugnissen und Vorrichtungen für den Luftfahrtbereich, die Kern- und Wehrtechnik bezieht. Beglaubigt nach erfolgtem Audit im Juni von der Schweizerischen Vereinigung für Qualitäts- und Managementsystem SQS, ausgegeben im August 2015 mit einer Gültigkeit bis zum August 2018.

Hinter der Firma AMAS, bestehend aus den zwei Unternehmen Anlagenbau und Engineering, verbirgt sich Automation, Maschinenbau, Anlagenbau und Service. „Wir übernehmen alles, vom ersten Federstrich über die Fertigung bis zur Abnahme und Inbetriebnahme“, erläutert Geschäftsführer Heinz Rumkowski.

Schon 2005 hat das Unternehmen mit dem Aufbau eines prozessorientierten Qualitätsmanagementsystems (QM) begonnen und sich im Mai 2006 erstmalig nach der EN 9100 (Erweiterung der ISO 9001 für die Luft- und Raumfahrtbranche) zertifizieren lassen. „In diesem Jahr konnten wir erfolgreich die Rezertifizierung ablegen“, ergänzt Rolf Vieregge, Geschäftsführer von AMAS Anlagenbau.

Die Auftragslage ist zufriedenstellend, die Auslastung ist bis Ende 2016 gesichert, so Geschäftsführer Rumkowski. „Zurzeit sind wir dabei, eine neue Fertigungslinie für den Kunden Premium Aerotec in Nordenham zu entwickeln. Diese geht Anfang 2016 in Produktion. Der Auftrag hat einen Wert von über fünf Millionen Euro.“ Der Geschäftsführer erwähnt in diesem Zusammenhang nicht ohne Stolz, dass die Firma AMAS im April ihr 20-jähriges Bestehen feiern konnte.

Aktuell sind bei AMAS 135 Mitarbeiter beschäftigt, ein Azubi hat jetzt bei der Firma seine Ausbildung als Metallbauer Konstruktionstechnik begonnen. „Wir würden auch zwei oder drei Lehrlinge einstellen, denn wir leben von unseren eigenen Auszubildenden. Leute, die vor 20 Jahren bei uns angefangen haben, sind heute in gehobenen Leitungspositionen“, erklärt Heinz Rumkowski. AMAS würde auch mehr Lehrlinge einstellen, aber es fehlt leider an geeigneten Bewerbern.

Beim Rundgang durch die Fertigungshallen zeigt Heinz Rumkowski auf die Arbeitsbühne für die Airbus-Fertigungslinie, die mit einem multidirektionalen Rad ausgestattet ist. „Dieses Rad ermöglicht ein Fahren in alle Richtungen ohne Lenkeinschläge. So kann das Fahrzeug auf der Stelle drehen oder direkt aus der Vorwärtsfahrt in eine Seitenfahrt schwenken. Solche Räder wurden letztmalig verwendet für Bühnen in der Endlinie des Airbuswerkes Hamburg. Zurzeit wird gerade eine Heckbühne mit solchen Antrieben gebaut, welche für die Restkonservierung der A350-Flugzeuge eingesetzt wird.“

AMAS hat aber auch große Probleme – und zwar mit der Datenübertragung. „Die Erschließung des Industriegebietes ,Am Alten Postweg‘ mit den vorhandenen Datenleitungen ist katastrophal“, so Heinz Rumkowski. „Schon 2006 haben wir uns einen 10-Mbit/s-Anschluss durch die Post legen lassen, für den wir 800 Euro Gebühr pro Monat zahlen, weil es im Industriegebiet keinen DSL-Anschluss gab. Heute im Jahr 2015 sind wir auch mit der DSL-Leitung erheblich unterversorgt. Wir bräuchten mindestens VDSL mit 50 Mbit/s“, ergänzt Heinz Rumkowski. Inzwischen hat sich das Angebot von Lieferantendaten erheblich erhöht, weil die namhaften Lieferanten auf Internetkataloge umgestiegen sind und dort ihre Angebote präsentieren und beschreiben. „Seit kurzem können wir unsere CAD-Daten an unsere Kunden nicht mehr per Datenträger abgeben, sondern müssen diese direkt in eine Kundendatenbank einchecken. Bei der Datenmenge so eines Modells kann mit der vorhandenen Leitung so ein Vorgang mehrere Tage dauern.“

Nach Gesprächen mit der Telekom erhielt AMAS von dieser ein Angebot für eine entsprechende Leitung. Diese Glasfaserleitung müsse jedoch erst neuverlegt werden. „Für die Verlegung verlangt die Telekom einen Baukostenzuschuss in Höhe von 80  700 Euro. Es ist für uns nicht einzusehen, diese Investition durchzuführen“, empört sich Heinz Rumkowski. „Aufgrund des dadurch entstehenden Wettbewerbsnachteils stellen wir uns die Frage, ob unser jetziger Standort ,Am Alten Postweg‘ für uns eine Zukunft hat.“

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