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Parchim/Ludwigslust : Tausende arme Kinder im Kreis

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Mit Fest am Weltkindertag in Parchim wollen die Linken auf Problem aufmerksam machen / Vorstoß im Kreistag

von
erstellt am 19.Sep.2014 | 07:00 Uhr

Spiel und Spaß vor einem ernsten Hintergrund in Parchim: Auf dem Gelände des Jugendclubs in der Weststadt findet am morgigen Sonnabend von 14 bis 18 Uhr ein Kinderfest statt, das Kreisverband und Kreistagsfraktion der Linken organisieren. Die Linken wollen damit nicht nur dem Nachwuchs an einem der sozialen Brennpunkte im Landkreis am Weltkindertag (20. September) einen schönen Tag gönnen, sondern zugleich die Öffentlichkeit auf die Kinderarmut aufmerksam machen.

Am Weltkindertag endet die erste Etappe einer am 1. Juni (Internationaler Kindertag) begonnenen landesweiten Kampagne der Linken. Hintergrund: Jedes dritte Kind in Mecklenburg-Vorpommern ist von Armut bedroht.

Für den Landkreis Ludwigslust-Parchim nennt Jacqueline Bernhardt, Kreistagsmitglied und in der Landtagsfraktion zuständig für Kinder, Jugendliche und Familie, diese Zahlen: Rund 47 000 Kinder leben im Kreis. Davon gehören 7215 zu Bedarfsgemeinschaften (Hartz IV) und 2729 zu Familien, die Wohngeld beziehen. Damit sind die Familien von mehr als jedem fünften Kind (21,4 Prozent) auf Unterstützung angewiesen. Fast die Hälfte dieser Kinder lebt bei Alleinerziehenden.

Die betroffenen Kinder haben Anspruch auf verschieden Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT). So werden u.a. Schul- und Kitaausflüge, Schulbedarf, Lernförderungen, Mittagsverpflegung in Schule oder Kindertageseinrichtungen bezuschusst. Damit können pro Kind mehrere Anträge gestellt werden, so die Linken. Im Landkreis seien aber im Vorjahr bei über 10 100 Kindern aus Familien, die Hartz IV oder Wohngeld beziehen, nur 9495 Anträge gestellt werden. „Das erscheint uns sehr wenig“, sagt Jacqueline Bernhardt. Sie verweist zudem darauf, dass nur ein Teil des Geldes bei den Betroffenen ankommt. 2,31 Millionen Euro wurden 2012 im Landkreis für das Bildungs- und Teilhabepaket ausgegeben. Davon rund 700 000 Euro (fast 30 Prozent) für die Verwaltung. Im Vorjahr wurde das Missverhältnis noch größer: Bei 1,92 Millionen Gesamtausgaben waren es 727 900 Euro für die Verwaltung (37 Prozent).

Die Linken haben für die Kreistagssitzung in der kommenden Woche einen Antrag vorbereitet. Ziel sei, so erklärt Kreistagsmitglied Andreas Sturm, mehr Berechtigte zu erreichen und die Verwaltungskosten zu senken. Sturm verweist auf den Missstand: „Kinder erhalten kein Mittagessen, obwohl sie es bezahlt bekommen.“ Man könne nicht hinnehmen, dass so wenig Anträge gestellt werden. „Wir müssen über Jobcenter und Sozialamt an die Eltern heran.“

Nach Ansicht von Marko Schmidt, Kreisvorsitzender der Linken Südwestmecklenburg, sind die verwaltungstechnischen Hürden zu hoch. Möglicherweise müsse auch bei Verwaltungsstrukturen umgedacht werden. Schmidt gibt sich nicht mit dem Argument zufrieden, dass die Jobcenter nur das machen können, was die Zentrale vorgibt. Ein Signal in Richtung Nürnberg sei denkbar. „Kinder sind die schwächsten Glieder der Gesellschaft“, sagt Schmidt. Man könne sich nicht nur darauf berufen, es sei Sache der Eltern.

Mit dem morgigen Fest in Parchim endet für die Linken nur eine Etappe in ihrer Kampagne. Man will weitere Themen auf das Korn nehmen. Dazu gehört laut Jacqueline Bernhardt der zu hohe Betreuungsschlüssel in den Kindergärten des Landes.

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