Ludwigslust : Tatarischer Gruß an die Skater

Darya (v.l.n.r.), Graffiti-Künstler Jonathan Sachau, Sophie, Jasmina, Stadtvertreterin Katrin Rössler, Gulchachak, Diana, Betreuerin Natalya Denisova und Maria an ihrem Werk
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Darya (v.l.n.r.), Graffiti-Künstler Jonathan Sachau, Sophie, Jasmina, Stadtvertreterin Katrin Rössler, Gulchachak, Diana, Betreuerin Natalya Denisova und Maria an ihrem Werk

Jugendliche aus Ludwigslust und Kamskoje Ustje gestalten bei Graffiti-Workshop Anlage neu / Seit 20 Jahren Städtepartner

svz.de von
17. Juli 2014, 13:57 Uhr

Zwei anstrengende Tage liegen hinter Maria Artemjeva. Gemeinsam mit fünf anderen Mädchen aus Tatarstan und Ludwigslust hatte sie stundenlang in der Gluthitze auf dem Skaterplatz am Gymnasium gestanden und die Betonelemente neu gestaltet – mit Graffiti. „Aber es hat so viel Spaß gemacht und jetzt freuen wir uns sehr über das, was wir geschaffen haben“, sagt die 15-Jährige. Das sei eine tolle Erfahrung, die sie in gut einer Woche mit in ihre Heimat nehmen wird.

Am vergangenen Sonnabend waren 15 Jugendliche und zwei Betreuer aus dem Ludwigsluster Partnerkreis Kamskoje Ustje in der Lindenstadt eingetroffen. Untergebracht im Zebef verbringen sie die Tage und Nächte gemeinsam mit elf deutschen Mädchen und Jungen. „Wir haben schon das Schloss und die Stadtkirche besichtigt, haben gemeinsam gekocht und Linedance gemacht“, erzählt Sophie Rack. Und Jasmina Mayer ergänzt: „Es ist sehr lustig und wir verstehen uns gut.“ Englisch, Hände und Füße sind wichtige Kommunikationsmittel. „Aber einer der deutschen Jugendlichen kann Russisch und einige Gäste sprechen ein bisschen Deutsch“, erklärt Sophie.

Bereits zum zwölften Mal treffen sich Jugendliche aus Tatarstan mit deutschen Mädchen und Jungen. Der Jugendaustausch, der abwechselnd hier und in Kamskoje Ustje stattfindet, ist Teil der Partnerschaft zwischen der Stadt Ludwigslust und dem Kreis Kamskoje Ustje. Sie besteht in diesem Jahr seit 20 Jahren. Ein Jubiläum, das auch beim Graffiti-Workshop eine Rolle spielen sollte. Und so sprayten die Mädchen auf eine Seite der Halfpipe die Ludwigsluster Stadtkirche und eine tatarische Steilküste, auf die andere Seite zwei ineinander greifende Hände und „20 Jahre“.

„Die Ideen kamen von den Jugendlichen“, betont Jonathan Sachau. Der Graffiti-Künstler aus Hamburg, der zugleich Pädagoge ist, hatte die Jugendlichen angeleitet. Die ersten Sprayversuche machten sie auf Tapetenbahnen. „Da ist es nicht so schlimm, wenn anfangs etwas schiefgeht“, so Sachau. Zu Beginn sei es auch gar nicht so einfach gewesen, erzählt Sophie. „Aber als man den Dreh raushatte, ging es sehr gut.“ Und so konnten auch die in einer Reihe aufgestellten Betonstützen noch ein neues Outfit bekommen: „Hallo“ steht dort in drei Sprachen – in Deutsch, Russisch und Tatarisch.

Während die sechs Mädchen auf der Skaterbahn schwitzten, arbeiteten andere Teilnehmer des Austausches auf dem Ehrenfriedhof und auf Spielplätzen der Stadt. Jetzt sind alle gespannt auf die Aktivitäten der nächsten Tage. „Ich freue mich auf die Zeit in den deutschen Familien“, sagt Gulchachak Sagdeeva, übersetzt von Beate Schultheiß, Lehrerin am Gymnasium. Und Maria, die in der Schule auch Deutsch lernt, ergänzt: „Und natürlich auf den Ausflug in die Hauptstadt Berlin.“

Beeindruckt hat die Gäste aus Tatarstan der Besuch im Goethe-Gymnasium. „Die Schule ist viel größer als unsere, und die Schüler haben mehr Möglichkeiten für ihre Persönlichkeitsentwicklung“, sagt Maria und verweist auf die Fachräume mit den vielen Geräten und den gut ausgestatteten Musikraum. Fachräume für Mathe, Chemie oder Physik gebe es in ihrer Heimat nur an Instituten und Universitäten. Wie es sich in Tatarstan lernt und lebt, können die deutschen Jugendlichen im kommenden Sommer erfahren. Dann steht der Gegenbesuch in Kamskoje Ustje an. „Ich freue mich darauf, ein anderes Land und eine andere Kultur kennenzulernen“, sagt Jasmina.

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