Muchow : Tarnitz wieder näher an der Natur

Die Firma Universalbau Perleberg hat die Arbeiten zur Renaturierung der Tarnitz übernommen Fotos: Kathrin Neumann
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Die Firma Universalbau Perleberg hat die Arbeiten zur Renaturierung der Tarnitz übernommen Fotos: Kathrin Neumann

Im Flüsschen ersetzen Sohlgleiten die Wehre, Profil wurde aufgeweitet / Weiterer wichtiger Effekt: Einheitliche Eigentumsverhältnisse

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10. März 2015, 07:00 Uhr

Freie Bahn für die Fische in der Tarnitz. Ende dieses Monats soll die Renaturierung des kleinen Flüsschens, das aus dem Raum Muchow an Zierzow und Balow vorbei bis in die Löcknitz bei Streesow (Land Brandenburg) fließt, vollendet sein. Rund 850 000 Euro sind dann in den naturnahen Ausbau des Gewässers auf mecklenburgischer Seite geflossen.

Die Tarnitz, die im Zuge der Melioration zu DDR-Zeiten in weiten Teilen begradigt worden war, hat ihren ursprünglichen Lauf allerdings nicht komplett zurückerhalten. Stattdessen ist das Profil aufgeweitet worden, damit sich der kleine Fluss nicht mehr schnurgerade durchs Land zieht. Zusätzlich sei zu beiden Seiten des Gewässers ein fünf Meter breiter Entwicklungskorridor eingeplant und durch Eichenspaltpfähle begrenzt worden, erklärt Walter Jahnke, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes „Untere Elde“ als Träger des Projektes. Diese Flächen dürfen nicht landwirtschaftlich bearbeitet werden, damit sich die Tarnitz in diesem Rahmen ganz natürlich entwickeln kann.

„Um die ökologische Durchgängigkeit des Gewässers herzustellen, sind zudem alle acht Wehre zurückgebaut worden“, erklärt Walter Jahnke weiter. Sohlgleiten – mit zu Riegeln angeordneten Steinen im Wasser – sollen Fischen und anderen Lebewesen beim notwendigen Aufstieg helfen. Damit sich das Wasser dort bei höheren Wasserständen aber nicht staut und die umliegenden Flächen vernässt werden, wurden Bypässe angelegt. Die unterirdischen Rohre können bei Bedarf geöffnet werden, damit die Wassermassen schneller abfließen. Muchows Bürgermeister Hans-Jürgen Stier ist froh über die Renaturierungsmaßnahme vor seiner Haustür. „Die Natur bekommt die Chance, ein Stückchen Raum zurückzuerobern“, erklärt er. „Und zudem bringt das Vorhaben Grundstückseigentümern, Gemeinden und dem Wasser- und Bodenverband mehr Rechtssicherheit.“ Im Zusammenhang mit der Renaturierung ist in den Gemarkungen der betroffenen Gemeinden Muchow, Zierzow und Balow ein Bodenordnungsverfahren durchgeführt worden. Dabei wurden zwischen Gemeinden und Privateigentümern Flächen so getauscht, dass sich der Flusslauf und die Entwicklungsflächen nunmehr komplett auf gemeindlichem Grund und Boden befinden. Als die Tarnitz zu DDR-Zeiten verlegt wurde, hatte man auf die Eigentumsverhältnisse keinerlei Rücksicht genommen.

Mit der Renaturierung der Tarnitz setzt der Verband die EU-Wasserrahmenrichtlinie um, die einen guten ökologischen Zustand der wichtigen Gewässer fordert. So kam der größte Teil des Geldes auch von der EU – aus dem Topf für die Gemeinschaftsaufgabe zur „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“.

In der Ortslage Muchow, wo die Tarnitz unter der Erdoberfläche dahinplätschert, sind für die Fische ein paar ganz besondere Bauwerke entstanden. Die alte Rohrleitung wurde durch neue Stahlbetonrohre mit größerem Durchmesser ersetzt und zusätzlich wurden – als Kompromiss zum Öffnen des Gewässers – Lichtschächte eingebaut, die Tageslicht auf den unterirdischen Flusslauf fallen lassen. Das soll helfen, die Fische auch in den Flusslauf oberhalb von Muchow zu locken. Bleibt zu hoffen, dass sie den Weg tatsächlich finden.

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