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Ludwigsluster Tageblatt

14. Dezember 2017 | 11:25 Uhr

Dömitz : Tapete an die Wand geschraubt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Diplomrestauratorin aus Wismar hat historische Tapete aus dem Dömitzer Rathaus restauriert / Zeitung von 1906 gefunden

Das Dömitzer Rathaus hat seine alte Tapete wieder, wenn auch nur auf dreieinhalb Metern. Diplomrestauratorin Annette Seiffert und Erhard Seiffert, ihr Mann und Mitarbeiter, schraubten die Bahnen gestern im Eingangsbereich an die Wand. Dass die Tapete nicht geklebt wurde, ist nicht ihre einzige Besonderheit.

Wer den halbhohen Wandschmuck sieht, hält ihn für Leder. Tatsächlich besteht er aber aus Papier, aus mehreren Lagen. „Die flüssige Papiermasse wurde in Formen gewalzt und erhielt so ihr Muster“, erklärte Erhard Seiffert, wie die Tapete einst hergestellt worden war. „Dann wurde das Ganze getrocknet, mit brauner Ölfarbe bemalt und schließlich mit Schellack versiegelt.“ Solche Lederimitations-Tapeten seien eine Modeerscheinung Anfang des 20. Jahrhunderts gewesen. „Bei der Gestaltung ließ man sich vom Jugendstil beeinflussen“, fügte Annette Seiffert mit Blick auf die fließenden Formen hinzu.

Die historische Tapete hatten die Diplomrestauratorin und ihr Mann vor Beginn der Rathaussanierung geborgen. Das war leichter gesagt als getan. „Die Tapete war mit Knochenleim geklebt worden, weil sie auf der zuvor mit Ölfarbe bemalten Wand sonst nicht gehalten hätte“, erklärte Erhard Seiffert. Damit die Tapete nicht zerstört wird, trug er sie bahnenweise mit drei bis vier Zentimetern Putz ab. Erst in der heimischen Werkstatt wurden die Putzreste vorsichtig entfernt und die Vorderseite von Staub befreit. Dann ging es daran, die alte Ölfarbe abzutragen. „Dazu haben wir Skalpells genutzt“, erklärte Erhard Seiffert. Die Tapetenbahnen wurden auf Sperrholzplatten geklebt. Dazwischen befindet sich noch Leinwand. „So kann man die Tapete bei Bedarf wieder lösen“, so Annette Seiffert. Zum Schluss wurde die Tapete noch mit brauner Acryl- und abschließend mit transparenter Harzfarbe bemalt.

Diese Komplettrestaurierung war allerdings nur bei 3,5 Metern der früher bis ins Obergeschoss reichenden Wandverkleidung möglich. Die Tapetenbahnen von den restlichen gut zehn Metern wurden nur von Putz und Staub befreit und auf stabiles Japanpapier geklebt. „Diese Tapeten übergeben wir in Kisten verpackt dem Museum“, so Annette Seiffert.

Als die historischen Tapeten – nun auf Sperrholzplatten – ins Rathaus zurückkehrten, wurden sie nicht geleimt, sondern an die Wand geschraubt. „Ein paar Leisten noch, ein paar Farbkorrekturen und die Schraubenköpfe verspachteln – dann sind wir fertig“, stellte Annette Seiffert gegen Mittag fest. Knapp 100 Jahre nach dem erstmaligen Anbringen hat die Tapete – zumindest auf einem kleinen Stück – wieder ihren Platz im Flur des 1805 errichteten Fachwerkbaus gefunden. Dass sie dort im Jahr 1906 an die Wand gekommen sein muss, wissen die Restauratoren ziemlich sicher. Auf ihrer Rückseite hatten sie die Reste einer „Mecklenburgischen Zeitung“ entdeckt – erschienen am 21. April 1906.

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