Ludwigslust : Tanzkurs in Schottenkaros

Fit bleiben, das Gehirn trainieren, Spaß haben – das wollen Heinke Hiller (Mitte links) und Astrid Mauck (Mitte rechts) im Kurs.
Fit bleiben, das Gehirn trainieren, Spaß haben – das wollen Heinke Hiller (Mitte links) und Astrid Mauck (Mitte rechts) im Kurs.

Ulla Stern gibt in Ludwigslust Unterricht in Contra Dance / Tanzart fördert Fitness und Koordination und fordert das Gehirn

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03. März 2014, 14:04 Uhr

„Ihr müsst darauf achten, dass ihr bei Takt zwei auf der anderen Seite seid“, ruft Ulla Stern und zieht eine Tänzerin sanft hinüber. „Hopp eins, hopp zwei, hopp drei, hopp vier.“ Jetzt sind die Damen und Herren wieder im richtigen Takt. Die meisten von ihnen sind – wie ihre Tanzlehrerin – zumindest teilweise kariert gekleidet. Und das ist kein Zufall. Schließlich wird an diesem Freitag im Bewegungsraum der Kreisvolkshochschule in Ludwigslust Schottisch getanzt. Seit 2010 unterrichtet Ulla Stern in Ludwigslust und Breetz (Prignitz) Contra Dance, quasi die abgespeckte (und etwas langsamere) Version des Scottish Country Dance. Dabei handelt es sich um eine Tanzform, die sich aus den höfischen Gesellschaftstänzen der vergangenen Jahrhunderte entwickelt hat und zu schottischen Reels, Jigs und Strathpeys ausgeführt wird.

Ulla Stern verlor ihr Herz schon vor mehr als 50 Jahren an diese Tanzart. Als 16-Jährige hatte sie die erste Schallplatte mit der entsprechenden Musik geschenkt bekommen. Seit Beginn der 1980er-Jahre besucht sie jedes Jahr gemeinsam mit ihrer Familie Scottish-Country-Dance-Kurse im schottischen Edinburgh. Inzwischen kann sie auch die Musik dazu spielen und sucht Mitstreiter, insbesondere Fiddler und Akkordeonspieler, für eine Band.

Die meisten Kursteilnehmer wollen nur tanzen. „Ich möchte fit bleiben“, sagt Astrid Mauck über ihre Motivation. „Und ich merke auch, dass es gut fürs Gehirn ist, weil beim Tanzen beide Gehirnhälften in Anspruch genommen werden.“ Das glaubt man sofort, wenn man den 16 Tänzern im Alter zwischen acht Jahren und über 70 zuschaut. Mal marschiert das eine Paar durch die Gasse, dann drehen sich sechs Frauen und Männer in der Mitte im Kreis, schließlich laufen sie umeinander Achten. Und das Verblüffendste für den ahnungslosen Laien: Am Ende steht jeder Aktive dort, wo er laut Tanzchoreografie hingehört. Ulla Stern bestätigt: „Tanzen schult den Orientierungssinn, ist ein Gedächtnistraining, verbessert die Koordination und fördert die Teamfähigkeit.“ Letzteres beim Contra Dance besonders, denn die Choreografien werden immer von drei bis vier Paaren gemeinsam getanzt. „Das erste Paar gibt den Abstand vor. Alle anderen müssen sich so danach ausrichten, dass eine Linie entsteht“, erklärt die 68-Jährige.

Nicht alle Choreografien klappen auf Anhieb. Aber das ist für die meisten Tänzer kein Problem. Sie lachen auch gern einmal über die eigenen Fehler. „Es ist einfach schön, in der Gemeinschaft Spaß zu haben“, sagt Astrid Mauck, die auch Heinke Hiller davon überzeugt hat. Die Ludwigslusterin ist froh, dass im Kurs derzeit noch ein paar mehr Anfänger dabei sind. „Man muss seinen Kopf schon anstrengen, um mitzukommen“, sagt die 70-Jährige.

Bei Stefan Radek, Lehrer am Pritzwalker Gymnasium, merkt man, dass er schon länger dabei ist – und dass er ein echter Schottland-Fan ist. Er tanzt in einem Kilt, den er in Edinburgh gekauft hat, und macht selbst irische und schottische Folkloremusik. Gemeinsam mit seiner Frau und seinen Kindern tritt der 46-Jährige als „Mr. Perkins“ auf. Und was schätzt er am Scottish Country Dance? „Man ist gleich nach dem ersten Tanz warm und muss Kopfarbeit leisten.“

Als „Celtic Connection“ sind einige der Tänzer auch schon öffentlich aufgetreten, so beim Dorffest in Cumlosen. „Aufzutreten ist aber nicht das Ziel der Kurse“, betont Ulla Stern. „Es geht darum, überall mitmachen zu können, wo so getanzt wird.“ Entsprechende Bälle gebe es überall, auch im Herrenhaus in Breetz, das sie gemeinsam mit ihrem Mann führt.

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