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Ludwigsluster Tageblatt

23. November 2017 | 22:59 Uhr

Jasnitz : Tanz und Malen als Lebenselixier

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Künstlerin Sigrid Zessin ist im Herzen immer noch Ballett-Tänzerin, liebt Gedichte sowie Klassik und mag keine vulgären Menschen

von
erstellt am 01.Jul.2017 | 06:14 Uhr

In ihrem weitläufig angelegten, naturnahen Garten mit schlummerndem Teich sind Gedichte zu Hause - eingeschweißt in Folie zieren sie etliche Steine. Sie wollen auf sich aufmerksam machen in einer Zeit, die sich selbige kaum noch gestattet für den gereimten Vers und die Poesie. Ballett habe sie studiert, Leistungssport gemacht sowie Kunst und Sport unterrichtet, sich als Tanzpädagogin verdingt, verrät die 72-Jährige, als sie SVZ-Redakteur Thorsten Meier die beliebten Fragen zum Wochenende beantwortet. In ihrem Atelier, auf das sie so stolz sei. Das sie gern herzeigt, um mit Besuchern über ihre vielfältige Kunst zu plaudern. Die auch immer ein Rückbesinnen auf Vergangenes in sich birgt. Beispielsweise ihr Lieblingsbild: „Mein Leben in Farben“. Das sei sie, erklärt Sigrid Zessin, die bereits mit vier Jahren von Tu-Tu und Schleppchen so angetan war, dass sie beides sehnlichst wollte. „Dass man alles mit dem Körper auszudrücken vermag, macht den Reiz des Tanzens aus.“ Strenge Erziehung und stetige Disziplin hätten ihr Übriges getan, niemals im Leben aufzugeben, egal, welche Unbill auch immer auf sie gelauert habe. „Es gibt übrigens viele Tänzer, die sich mit und über Farben ausdrücken“, betont die rüstige Dame mit dem wachen Blick, der man ihr Alter gar nicht abnehmen mag.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Habe immer Freude an Farben, an allem, was du siehst. Das bewußte Aufnehmen von Schönem, sei es noch so klein, macht unser Leben doch erst so bunt.
Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Im Moor, irgendwo am Wasser, in der wilden Natur. Dort ist es so romantisch, man kann viel entdecken und sich Geschichten ausmalen.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Mit Zeitung austragen und Theaterspielen in Freiberg, am wohl ältesten Theater Europas. Da gehörte ich zum Kinderballett.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Für Schlagsahne, die gab es nicht oft, sie war purer Luxus.
Wo findet man Sie am ehesten?
In meinem Atelier, da habe ich schön viel Platz, bin von meiner Kunst umgeben.

Was stört Sie an anderen?
Intoleranz, Neid, Unehrlichkeit und ewiges Meckern.
Welche Musik hören Sie am liebsten?
Klassische Musik, vor allem Tschaikowski, Mozart, Brahms und Beethoven. Klassische Musik berührt die Seele.

Was bedeutet Ihnen persönliches Glück?
Dass ich gesund bin und meiner Kunst nachgehen kann. Die mich schon mein ganzen Leben lang begleitet, auf die eine oder andere Weise.
Sind Sie ein Kopf- oder eher ein Bauchmensch?
Eher Bauchmensch.
Wonach suchen Sie im Leben?
Eigentlich bin ich sehr glücklich. Ich brauche nach nichts mehr zu suchen.

Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Butter, Milch, Joghurt und selbst gemachte Marmelade.
Welchen Wunsch wollen Sie sich noch erfüllen?
Ich wünsche mir einen neuen Herd, der alte ist mittlerweile 22 Jahre alt. Ja, einen neuen einbauen zu lassen, das wünsche ich mir sehr.
Wen würden Sie gern mal auf einen Becher Kaffee treffen?
Meine ganze alte Ballettklasse von Leipzig. Das wäre ein toller Kaffeeklatsch. Doch vermutlich leben sie in der ganzen Welt verstreut.
Können Sie sich mit nur einem einzigen Wort beschreiben?
lebensfroh
Wo ist für Sie Heimat?
Bei meinem Mann, der mich einst nach Mecklenburg geholt hat. Ich komme eigentlich aus Oberschlesien. In Jasnitz bin ich seit 1994.
Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer ersten Reise?
Die schönste Reise bisher habe ich mit meinem Mann Wolfgang mit Zelt und Rucksack in die Rhodopen unternommen. Das liegt aber jetzt schon gut und gerne 30 Jahre zurück. (Rhodopen ist das lyrischste Gebirge Bulgariens, mit dem Relief leicht gerundeten Formen, farbigen „Teppichen“ einer Natur, die die Architektur von malerischen Dörfern, Gastfreundschaft der einheimischen Leuten und die legendären Lieder des mythischen Sängers Orpheus schon begeistert haben. Das ist vielleicht der wenig bekannteste Teil Bulgariens, der jahrzehntelang für Touristen und Ausländer geschlossen war, wegen der Nähe der Grenze mit Griechenland. Anm. d. R.)
Wenn Sie kochen oder Essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?
Es muss nur schmecken, ich bin kein Gourmet. Mein Lieblingsrezept ist Kartoffelbrei, Sauerkraut und Rotwurst. Und das Ganze geschichtet und überbacken. Eine Rezept von Zuhause.
Worauf könnten Sie niemals verzichten?
Auf gute Laune, ich lache viel und gerne, weil ich Freude am Leben habe.
Worauf könnten Sie verzichten?

Auf vulgäre Menschen, schlechte Musik sowie schlechte Literatur.

Welches ist für Sie das schönste Wort?

Zuneigung

Was bedeutet Ihnen die Liebe?

Sie bedeutet mir alles, ohne sie geht nichts. Ungeliebt durchs Leben gehen zu müssen, wäre schrecklich.

Was war bisher ihr schönstes Geschenk?

Ein selbst genähtes Tu-Tu von meiner Schwester. Da war ich neun Jahre alt.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Von Sabine Ebert „Blut und Silber“, es spielt in Freiberg.

Wem sollen wir ebenfalls diese Fragen stellen?

Uwe Jueg aus Ludwigslust, er ist Lehrer und Vorsitzender der NGM, der Naturforschenden Gesellschaft Mecklenburg e.V. Ein kluger Kopf und netter Mensch.

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