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Ludwigslust : „Tag gegen den Lärm“ fest im Blick

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Ludwigsluster BI „Tempo 30 beruhigt“ setzt auch 2014 Kampf gegen krankmachenden Lärm durch Lkw und zu schnell fahrende Fahrzeuge fort

svz.de von
erstellt am 08.Jan.2014 | 07:00 Uhr

Richard Ricke blättert in seinen Unterlagen, legt Fotos auf den Tisch. Er ist Mitglied der Ludwigsluster Bürgerinitiative BI „Tempo 30 beruhigt“. Die Aufnahmen zeigen Fahrzeuge an der Ampel in der Wöbbeliner Straße. Dort ist ein ganz besonderes Messgerät installiert, ein „Dialogdisplay mit Geschwindigkeitsanzeigen“, wie es im amtlichen Sprachgebrauch heißt. Fahren die Kraftfahrer ordentlich und halten Tempo 50 ein oder liegen darunter, blinkt das Display grün auf und sagt Danke. Sind die Verkehrsteilnehmer zu schnell, dann mahnt eine rote Schrift, langsamer zu fahren. „Hier in der Wöbbeliner Straße auf der B 106 gilt für Lkw von 22 Uhr abends bis 6 Uhr morgens Tempo 30. Messungen des Landesamtes für Umwelt, Natur und Geologie, kurz LUNG, hatten ergeben, dass hier nachts ein höherer Lärmpegel als am Tage zu verzeichnen ist, weil die Fahrzeuge dann teilweise schneller fahren“, so Richard Ricke.


Zwei weitere Messgeräte sollen noch angeschafft werden


Dieses Messgerät wird alle paar Wochen umgesetzt, so war es auch im Bereich Ahrensburger Ring installiert. Mit recht unterschiedlichen Ergebnissen, wie Richard Ricke zu berichten weiß. „Über 50 Prozent der Fahrzeuge sind schneller als die zulässigen 50 km/h unterwegs. Ich habe Fotos gemacht und diese auch an das Landratsamt geschickt“, so der Ludwigsluster, der als Anwohner in der Wöbbeliner Straße 6 einer der unmittelbar Betroffenen des hohen Verkehrsaufkommens und des Verkehrslärms ist.

Zwei weitere solcher Messgeräte sollen nach den Vorstellungen der BI noch angeschafft werden, erklärt Werner Oeding, Sprecher der BI „Tempo 30 beruhigt“. Und er merkt an, dass auch Kontrollen zur Einhaltung von Tempo 30 in der Käthe-Kollwitz-Straße nötig wären. „Dazu haben wir im Auftrag der Anwohner als BI eine verkehrsrechtliche Beschwerdelage beim Landkreis eingereicht. Für Messwagen gebe es dann im Ergebnis keine Möglichkeit, die Lkw aus dem Verkehr herauszuziehen, so der Landkreis. Zudem seien keine geeigneten Anhalteflächen vorhanden. Auch der Personalaufwand für die Polizei wäre enorm“, zitiert Werner Oeding aus der Begründung zur Ablehnung dieses Vorhabens.

Aber in ihrem Engagement werden die engagierten Ludwigsluster nicht nachlassen. Die Bürgerinitiative „Tempo 30 beruhigt“ will auch 2014 mit zahlreichen Aktionen Zeichen setzen und ihren Kampf gegen krankmachenden Lärm durch Lkw und zu schnell fahrende Fahrzeuge fortführen. „Wir haben unsere Forderungen zusammengefasst und diese den zuständigen Ämtern und Behörden übergeben. Wir wollen den Kreis, die Stadt, die Verwaltung, Kommunal- und Landespolitiker und den Bund mit ins Boot holen, um Schritt für Schritt in unserer Stadt Veränderungen zu erreichen, die den Bürgern in Sachen Verkehrs- und Lärmbelästigung Erleichterungen bringen“, bringt es BI-Sprecher Dieter Baarck im Gespräch mit der SVZ auf den Punkt. „Wichtig für uns ist, dass wir in der Öffentlichkeit Akzeptanz finden. Wir machen das nicht zum Spaß für ein paar Leute. Verkehrslärm ab einer bestimmten Dezibelzahl ist gesundheitsschädigend, darauf wollen wir mit unseren Aktionen aufmerksam machen und die Leute für dieses Thema sensibilisieren“, ergänzt Dieter Baarck.

„Neben dem Lärm belasten ja auch Staub und Ruß der tonnenschweren Dreckschleudern die Umwelt und das Wohlbefinden der Menschen“, sagt BI-Sprecher Werner Oeding, der mit Richard Ricke und Bärbel Siefert zum Vorstand und damit zum festen Kern der Bürgerinitiative gehört. Zu den ersten Erfolgen der BI im vergangenen Jahr zählt die Geschwindigskeitsbegrenzung in der Käthe-Kollwitz-Straße auf 30 km/h für Lkw ab einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen. Diese Temporeduzierung gilt inzwischen von der Grabower Allee über die Kollwitz-Straße bis zur Neustädter Straße für alle Lkw ab 3,5 Tonnen ganztags in beiden Richtungen. „Dass es solch eine Regelung gibt, finden wir schon einmal positiv. Aber wir als BI fordern in diesem Zusammenhang nicht nur die Einhaltung der Geschwindigkeit durch die Kraftfahrer, sondern wir plädieren auch dafür, dass Polizei und Kreisbehörde die Einhaltung per Kontrollen überprüfen“, sagt Richard Ricke. Ein weiteres wichtiges Vorhaben für 2014 ist, auch in der Neustädter Straße im Zuge der B 191 eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h zu erreichen, so Werner Oeding. „Unsere Forderung nach einer verkehrstechnischen Messung in diesem Bereich halten wir aufrecht.“

Die BI verfolgt zudem das Ziel, bei notwendigen Erneuerungen von Straßenbelägen insbesondere in den höchstbelasteten Straßenabschnitten offenporigen Asphalt, sogenannten Flüsterasphalt, konsequent einzusetzen. „Und wir wollen mit der Fertigstellung der A 14 ein Durchfahrverbot für Lkw ab 3,5 Tonnen erreichen, um so den Verkehrslärm und auch die Belastung der Hochbrücke zu reduzieren“, fügte Dieter Baarck hinzu. „Und wir sehen unsere Aufgabe auch in der aktiven Mitwirkung zur Realisierung der Nord- und Südumfahrung als Zubringer für die A 14. Das ist unser perspektivisches Ziel, denn 2015 soll der A 14-Bau in unserem Bereich abgeschlossen sein.“

Der BI „Tempo 30 beruhigt“ liege zudem die Information vor, dass sich der Landkreis Ludwigslust-Parchim allgemein dafür ausspricht, die Maßnahme „B 5 Süd-Ortsumgehung Ludwigslust“ in den Bundesverkehrswegeplan 2015 aufzunehmen. Der Landkreis werde aber keine eigenen Handlungen vornehmen. Wichtig ist für die BI „Tempo 30 beruhigt“ auch die Mitarbeit in der Facharbeitsgruppe Mobilität und Verkehr. Die Stadt Ludwigslust setzt im Rahmen des integrierten Verkehrskonzeptes auch Stufe II der Lärmaktionsplanung um. „Und wir unterstützen die Verwaltung dabei, indem wir unseren Blickwinkel einbringen“, ließ sich Werner Oeding vernehmen.

Zu den unmittelbar in nächster Zeit von der BI geplanten Vorhaben zählt die Fahrradaktion gegen Verkehrsbelästigung und Verkehrslärm und die Präsentation am „Tag gegen den Lärm“ am 30. April auf dem Alexandrinenplatz. Hier will die Bürgerinitiative, die schon hunderte Sympathisanten zählt, nicht nur ihr Tätigkeitsfeld vorstellen, sondern natürlich auch neue Mitstreiter gewinnen.

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