Täglicher Kampf in Schlammwüste

Dieses Schild wirbt   am Anfang des  Straßenabschnittes.
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Dieses Schild wirbt am Anfang des Straßenabschnittes.

Es könnte so schön sein, das Wohnen in der Ahornstraße, in der Kuhdrift in Neustadt-Glewe. Aber für den Rollstuhlfahrer Gerd Richter ist das Befahren des Straßenabschnittes, in dem sein Grundstück liegt, eine tägliche Herausforderung.

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08. Dezember 2008, 07:09 Uhr

Neustadt-Glewe | "Wie soll ich hier nur sicher nur durchkommen", fragt sich verzweifelt und genervt Gerd Richter aus Neustadt-Glewe. Man sieht ihm die Anspannung an: Die Fahrt mit seinem technisch gut ausgerüsteten Rollstuhl vom Grundstück auf die völlig zerlöcherte Ahornstraße und wieder auf das Grundstück zurück ist nicht ungefährlich. Nicht nur für den Rollstuhlfahrer, auch für die Bewohner der Seniorenresidenz, die mit dem Rollator durch diesen Teil der Straße müssen, ist es eine Quälerei. Autofahrer versuchen mit fahrerischem Können ihre Fahrzeuge zu schonen, um die tiefen Löcher zu umfahren, eins trifft man aber mit Sicherheit immer.

Die Ahornstraße ist zwar keine Sackgasse aber die Verhandlungen um die Verbesserungen des Zustandes der Straße sind in eine solche geraten.

Zur Geschichte: Sabine und Gerd Richter haben ihr voll erschlossen Grundstück 1997 gekauft - mit dem Vermerk im Vertrag, dass der Straßenabschnitt bis zum Ende des Jahres fertig gestellt wird. Darauf vertrauten die Richters.

In solchen Fällen sind Käufer gut beraten, wenn sie zum Beispiel bis zur vollkommenen vertragsmäßigen Erschließung eventuell vom Kaufpreis einen gewissen Betrag einbehalten.

Der damalige Erschließungsträger ging in Insolvenz. Der neue Erschließungsträger ist die Kuhdrift Grundstücksgesellschaft mbH. "Wir haben an den Versäumnissen des ersten Erschließungsträgers keine Schuld", so Detlef Brüllke, der Geschäftsführer der Kuhdrift Grundstücksgesellschaft mbH. "Dass der Abschnitt in der Ahornstraße ein unerträglicher Zustand ist, wissen wir."

Auch Bürgermeister Uwe Menz weiß das: "Die Stadt ist nicht Eigentümer der Straße. Also muss sie auch nicht für die Baukosten aufkommen."

Der Streit um die Fertigstellung des Straßenabschnittes füllt in der Zwischenzeit viele Ordner. Rechtsanwälte wurden in Bewegung gesetzt.

Im Juli des Jahres gab es, so Detlef Brüllke, eine Vereinbarung zwischen Anwohnern, Stadt und Grundstücksgesellschaft, dass die Straße nach der Klärung weiterer noch bestehender Rechtsfragen gemacht werden soll. Die Anwohner aber sollen für den erforderlichen befahrbaren Bürgersteig, der im B-Plan nicht vorgesehen war, ihren Anteil auf ein Notaranderkonto einzahlen und zwar im Voraus. Mit dieser Zahlungsweise aber waren die Richters und auch andere Anwohner nicht einverstanden. "Obwohl wir für das erschlossene Grundstück bezahlt hatten", so Sabine Richter, "wären wir bereit, anteilig für den Gehweg zu zahlen. Aber nicht im Voraus, sondern erst, wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind. Wir sind in den vergangenen Jahren so oft enttäuscht worden, unser Vertrauen ist aufgebraucht."

Der Streit und die Zuweisung um die Schuld- bzw. Baufrage geht weiter. Der letzte Vorschlag von Detlef Brüllke: "Die Stadt erschließt die Straße und legt die Kosten anteilig auf die Anwohner um." Von der Stadt bekamen wir gestern keine Auskunft. Rechtsstreit hin, Rechtsstreit her. Was für die Bürger zählt - ist die Sicherheit. Und diese ist für den seit einem Unfall im Jahr 2006 im Rollstuhl sitzenden Gerd Richter eindeutig nicht gegeben. "Muss", so fragt sich der von seinem Leiden gezeichnete Mann, "erst etwas passieren, damit die Verantwortlichen endlich aktiv werden?".

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