Medizinhersteller : Tabletten aus Parchim für die Welt

Kathrin Pletorak beim Abfüllen von Tabletten in Röhrchen.
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Kathrin Pletorak beim Abfüllen von Tabletten in Röhrchen.

Pharmaziehersteller bmp liefert seine Produkte auf mehrere Kontinente / 66 Mitarbeiter in Parchim / Forschung mit Uni Greifswald

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26. Juli 2014, 14:21 Uhr

Der Parchimer Medizinhersteller bmp (Bulk Medicines & Pharmaceuticals Production) beliefert die Welt. Die 66 Mitarbeiter erzeugen Produkte für ganz Europa, für Asien, Arabien, Südamerika, Nordamerika und Australien.

Vor knapp zwei Jahrzehnten fing es ganz bescheiden an. Bernd Michael Jörss aus Hamburg hatte eine Marktlücke erkannt, als er in Parchim investierte. Viele Hersteller von Rohstoffen für die pharmazeutische Industrie hatten ihre Firmen in Europa geschlossen. Die Rohstoffe kamen aus Asien. Die damaligen Lieferanten waren aber nicht in der Lage, die Stoffe so fein zu vermalen, wie das beispielsweise für die Herstellung von Salben notwendig ist, erzählt Knut Meyer-Urban, Geschäftsführer bei bmp. Dafür wurde 1995 in Parchim eine Mikronisierungsanlage in Betrieb genommen. Sie vermalt pulverförmige Stoffe unter sterilen Bedingungen fein wie Mehl. Mit zwei Mitarbeitern begann bmp die Produktion. Knut Meyer-Urban war von Anfang an dabei.

Dass der Pharmaziebetrieb ausgerechnet an der Neuhofer Weiche in Parchim entstand und nicht in einem anderen Mecklenburger Gewerbegebiet, wo es die gleichen Fördermittel gab, ist purer Zufall, wie sich Meyer-Urban erinnert. Ein Bekannter des Investors, der Architekt Peter Rittner, führte seinerzeit gerade Regie über ein anderes Industriebauvorhaben im Parchimer Gewerbegebiet. Zwei Bauprojekte unmittelbar nebeneinander ließen sich für den Architekten besser vereinbaren. So schlug er den Standort vor.

Als ein Hersteller von Brausetabletten zur Gebissreinigung sein Werk bei Bonn schloss, griff die neue Parchimer Firma zu und erwarb den gesamten Maschinenpark. Bereits 1996 wurde an der Neuhofer Weiche die Produktion von Gebissreinigungstabletten aufgenommen. Die machen heute rund die Hälfte des Umsatzes aus. Die Parchimer produzieren ca. 100 verschiedene Marken. Darunter sind auch viele Eigenmarken für Discounter. Bmp liefert diese Produkte in zahlreiche Länder der Welt. „Es ist schon ein gewisser Stolz, dass unsere Produkte überall in den Regalen stehen“, so Meyer-Urban.

Den Brausetabletten für die Gebissreinigung folgten andere Tabletten - ob nun zum Schlucken oder Lutschen. Und für ein ganzes Spektrum von Anwendungen: von der Grippetablette bis zur Schlankheitspille und zum Nahrungsergänzungsmittel. Die Parchimer befüllen u.a. Hartgelantine-Kapseln, haben verschiedene Verpackungslinien und besitzen die offizielle Genehmigung, Betäubungsmittel zu bearbeiten. Auf Amtsdeutsch: die Erlaubnis zur Teilnahme am Betäubungsmittelverkehr. Bmp ist Lohnhersteller für zahlreiche Marken, besitzt aber bislang aber keine eigenen Produkte.

Das soll sich in der Zukunft ändern. Ziel eines Verbundforschungsprojekts des Parchimer Arzneimittelherstellers mit der Universitätsmedizin Greifswald ist es, ein weltweit neues Reinigungsdragee zu entwickeln. Es soll Trägern von fest sitzenden Zahnspangen, den sogenannten Brackets, die Mundhygiene erleichtern. Noch läuft die Forschung. Die Herstellung dieses Dragees würde nach Überzeugung von Meyer-Urban die Arbeitsplätze in Parchim auf lange Sicht sichern. Denn für dieses Produkt gebe es weltweit einen riesigen Markt. Einige Erzeugnisse, die bmb derzeit für andere Firmen herstellt, dürften sich hingegen überleben, weiß der Geschäftsführer. „Wir müssen sichern, dass wir auch in späteren Jahren gut beschäftigt sind.“

Bedeutung gewinnt für den Pharmaziehersteller der asiatische Markt. Ein großer Kunde in Hongkong kauft in Parchim Kapseln, die mit Kräutern und Extrakten aus Europa gefüllt sind. Selbst die Chinesen mit ihrer alten Tradition vertrauen auf die hiesige Heilkunde. „Hergestellt in Europa ist ihnen etwas Wert“, so Meyer-Urban. „Made in Germany“, „Made by bmp“ steht auf vielen Verpackungen für asiatische Kunden. In Taiwan werden sogar Produkte mit deutscher Schrift verkauft, nur ganz klein stehe auf der Verpackung die chinesische Übersetzung, so der Geschäftsführer.

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