Ludwigslust : Suchtberatung am neuen Platz

Gesucht und gefunden: Sara Beyer und Jürgen Stobbe freuen sich, dass das Beratungs- und Therapiezentrum für Abhängigkeitskranke auf dem Gelände des Stiftes Bethlehem neue Räume gefunden hat.
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Gesucht und gefunden: Sara Beyer und Jürgen Stobbe freuen sich, dass das Beratungs- und Therapiezentrum für Abhängigkeitskranke auf dem Gelände des Stiftes Bethlehem neue Räume gefunden hat.

Therapiezentrum zieht aus der Kanalstraße auf das Stiftsgelände. Chemische Drogen spielen eine größer werdende Rolle

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13. Juni 2018, 05:00 Uhr

Zeitreise in die Vergangenheit. An den Wänden einiger Zimmer im zweiten Obergeschoss des Albert-Schweitzer-Hauses hängen noch die alten Lampen für die Krankenbetten. Auf dem Flur steht der Glaskasten, in dem einst die Stationsschwester saß. Linoleum liegt auf dem Fußboden. Fast 20 Jahre lang war die „alte 15“ auf dem Gelände des Stiftes Bethlehem mehr oder minder ungenutzt, jetzt kehrt wieder Leben ein. Das Beratungs- und Therapiezentrum für Abhängigkeitskranke zieht auf die frühere Krankenstation. Ihre alte Wirkungsstätte in der Kanalstraße 20 muss die Einrichtung des Diakoniewerks Kloster Dobbertin nach 19 Jahren verlassen.

In den vergangenen Tagen und Wochen sind die Räume nach und nach in eine helle und moderne Beratungsstelle verwandelt worden. Die Wände wurden gemalert, der Fußboden aufgearbeitet und das Treppengeländer heutigen Standards angepasst. Jetzt läuft der Umzug. „Am 18. Juni werden sich die Türen unseres Beratungs- und Therapiezentrums am neuen Standort öffnen“, betont die Suchttherapeutin Sara Beyer, die die Einrichtung leitet. „Suchtberatung, Begegnungsstätte, die Tagesstätte ,Die Brücke’ und die ambulante Therapie werden hier einziehen.“ Wer vom Kreisel kommend zum Beratungszentrum will, muss direkt vor der Stiftskirche nach rechts durch den Torbogen gehen.

Nicht nur Sara Beyer ist froh, dass sich diese Gelegenheit bot. „Dass zwei diakonische Träger, die die Sorge und die Verantwortung für die Menschen der Region und die Grundidee der christlichen Zuwendung verbindet, hier ein Stück gemeinsame Arbeitsebene finden, ist klasse“, betonte Stiftspropst Jürgen Stobbe. Letztlich würden beide Seiten profitieren. So werden Sara Beyer und ihre Kollegen noch kürzere Wege haben, zum Beispiel wenn sie Patienten, die im benachbarten Krankenhaus des Westmecklenburg-Klinikums „Helene von Bülow“ eine Entgiftung machen, aufsuchen. Und das Stift Bethlehem betreut seinerseits Klienten, die im Beratungs- und Therapiezentrum Hilfe finden könnten.

Der Bedarf an Sucht-Beratung und -Therapie sei nach wie vor groß, betont Sara Beyer. „Verstärkt haben wir mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu tun, die aufgrund des Konsums von illegalen Drogen kommen“, so die Therapeutin. Chemische Drogen wie Ecstasy oder Speed würden zunehmend eine Rolle spielen. Die jüngsten Klienten seien 13 Jahre jung. Dennoch bleibt Hauptaufgabe des Beratungs- und Therapiezentrums die Arbeit mit Menschen mit Alkoholproblemen. „Und dabei stellen wir fest, dass immer mehr Menschen kommen, die in Arbeit stehen, Familie haben und sozial gut eingebunden sind“, so Sara Beyer. Sie freue sich jedoch immer, wenn sie die Patienten nach einer ambulanten Therapie zur Alkohol- oder Drogenentwöhnung entlassen und ihre Erfolge miterleben kann. „Wir wissen, dass zur Bewältigung der Krankheit viel Anstrengung und Mut erforderlich ist“, so die Suchttherapeutin. „Oft ist der erste Gang zur Beratung die größte Hürde.“

In den neuen Räumlichkeiten müssen die neun Mitarbeiter des Beratungszentrums, die Ehrenamtlichen und die Klienten dichter zusammenrücken als gewohnt. Vorübergehend. Langfristig soll die Einrichtung des Diakoniewerks ein anderes Gebäude auf dem Stiftsgelände nutzen – das Krabbe-Haus, benannt nach dem ersten Stiftspropst. „Zuvor muss das Haus saniert werden“, so Jürgen Stobbe. Derzeit werde daran gearbeitet, die Finanzierung des Vorhabens zu sichern.

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