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Ludwigsluster Tageblatt

20. Oktober 2017 | 14:48 Uhr

Alt-Krenzlin : Sturm gegen die Windkraftpläne

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Bürger laufen Sturm gegen Windkraftpläne der Gemeinde Alt Krenzlin

von
erstellt am 20.Mai.2016 | 19:00 Uhr

Auf der letzten Gemeindevertretersitzung Alt-Krenzlin im Ortsteil Klein Krams ist es zum offenen Eklat gekommen. „Wir werden ein Amtsenthebungsverfahren gegen Sie prüfen“, rief Einwohner und Bürgerinitiative-Aktivist Karl-Heinz Woelk dem Bürgermeister Rainer Schmidt entgegen, bevor er mit den meisten aufgebrachten Zuhörern das Dorfgemeinschaftshaus verließ. Die Diskussion um die Windkraft ist es, die einen tiefen Riss in den Gemeindefrieden verursacht hat. Vorläufiger Gipfelpunkt war der Umgang der Gemeindevertretung mit einem Einwohnerantrag. Für die Aprilsitzung war beantragt worden, die Vertretung möge sich gegen die Ausweisung von zwei Potenzialsuchräumen als Windeignungsgebiete positionieren.

Was die betroffenen Einwohner aufregte: Die Gemeindevertretung hatte den Antrag wegen angeblicher Formfehler abgelehnt. Begründung des Bürgermeisters: „Der Antrag hätte nicht an mich, sondern an die Gemeindevertretung gerichtet werden müssen“, so Rainer Schmidt (SVZ berichtete). Die Einreicher – der Antrag trägt 41 Unterschriften – wollten sich damit nicht abfinden und sollten Recht bekommen. Sie hatten sich dazu an die Kommunalaufsicht des Landkreises und die Amtsverwaltung gewandt. In dieser konträr geprägten Atmosphäre stand nun der Einwohnerantrag erneut auf der Tagesordnung. Die Situation: Die Gemeinde hat in dem laut Raumentwicklungsplanung angezeigten Gebiet Flächen und erhofft sich durch den Bau von Windrädern mindestens erkleckliche Pachteinnahmen für die Gemeindekasse.

Am 30. Mai endet bekanntlich die erste Stufe des Beteiligungsverfahrens, das der Regionale Planungsverband ins Leben gerufen hat. Jedermann hat Gelegenheit, seine Stellungnahme abzugeben. Um es vorweg zu nehmen: Die Gemeindevertretung beschloss genau das Gegenteil von dem, was der Einwohnerantrag will, weshalb Bürgermeister Schmidt bei der Verlesung des Beschlusses bereits lauten Unmut von den Zuschauerstühlen erntete. Die Mehrheit der Gemeindevertretung möchte zusätzlich, dass ein Gebiet, was nicht mehr auf der Agenda stand, wieder in die Windkraftplanung aufgenommen wird. Für die Mehrheit der anwesenden Bürger war das wie ein Schlag ins Gesicht.

Das Thema Windkraft beschäftigt die Gemeinde Alt Krenzlin bereits seit Jahren. Karl-Heinz Woelk als einer der Initiatoren des Einwohnerantrages hatte an die Geschichte erinnert. In der Gemeinde hat es insgesamt drei Umfragen dazu gegeben. An der ersten Befragung hatten 200 Einwohner teilgenommen. 90 Prozent seien gegen die Windkraft gewesen, so Woelk. Niemand widersprach ihm. Die nächsten zwei Befragungen hätten ein ähnliches Ergebnis gebracht. „Der Bürgermeister hat seinerzeit versprochen, sich dem Bürgerwillen zu beugen“, so Woelk. Bürgermeister Schmidt muss sich nun den Vorwurf gefallen lassen, die Interessen seiner Wähler verraten zu haben. Tiefes Misstrauen macht sich in der Gemeinde breit. Dass der Bürgermeister – nichts Ungewöhnliches – der Eigentümergemeinschaft der potenziellen Windkraftflächeneigner vorsteht, gehört dazu. Die Frage der Befangenheit der Gemeindevertreter wird ganz offen gestellt.

Es sind die nicht geklärten Gesundheitsgefahren, die von den Windrädern ausgehen könnten, die die Gegner umtreiben. Infraschall von Anlagen wird als Ursache für den ungeklärten Tod von Nerzen vor drei Jahren in Dänemark immer wieder angeführt. Dort würden Windkraftanlagen momentan kaum noch gebaut, ist ein viel zitiertes Argument. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind in der Tat ungeklärt. Und auch der Wertverlust von Grundstücken durch die nahen Windtürme ist eine Drohkulisse, welche die Windkraftgegner umtreibt.

Die Position des Landes ist unverändert. Es will bei der Energiewende voranschreiten und favorisiert die Windkraft. Momentan haben die Gemeinden da kein Mitspracherecht.

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