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Westmecklenburg : Sturm auf weiße Windenergieflächen

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Das Land will den Flächenanteil für Windenergie verdoppeln. Also beginnt das Gedrängel, mit neuen Windparks in die Raumentwicklungsprogramme der Regionen aufgenommen zu werden - auch in das von Westmecklenburg.

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erstellt am 18.Okt.2012 | 07:36 Uhr

gross laasch/ludwigslust | Windräder in der Region sind in aller Munde. "Im Amtsbereich Ludwigslust-Land, der eine Fläche von 40 mal 20 Kilometer beinhaltet, werden derzeit durch verschiedene Unternehmen - teilweise amtsbereichsübergreifend - mehr als zehn Standorte mit einer Fläche von rund 3000 Hektar untersucht und Grundstücksnutzungen über Vorverträge gesichert", so der Leitende Verwaltungsbeamte Wolfgang Utecht.

Die ambitionierten energiepolitischen Ziele der Landesregierung rufen sie alle auf den Plan. Das Land will den Flächenanteil für Windenergie verdoppeln. Also beginnt das Gedrängel, mit neuen Windparks in die Regionalen Raumentwicklungsprogramme aufgenommen zu werden - auch in das von Westmecklenburg.

Groß Laasch ist so ein Fall. Die Energiekontor AG aus Bernau bei Berlin stellte sich am Mittwoch im Saal des Laascher Kulturhauses mit ihrem Vorhaben vor. "Im derzeit gültigen Regionalen Raumentwicklungsprogramm ergibt sich zwischen Neustadt-Glewe und Lübtheen ein Korridor, der einen hohen ,Weißflächenanteil beinhaltet und die Ausweisung von Eignungsgebieten für Windkraft scheinbar befördert", sagt Wolfgang Utecht dazu. Energiekontor hat so eine Fläche entlang der B 106 nördlich von Ludwigslust etwa im Bereich der Weselsdorfer Kreuzung im Visier. 10 bis 16 Anlagen könnten hier entstehen. Die Fotosimulation, wie das in etwa in der Landschaft aussehen könnte, trieb so manchem Teilnehmer der Infoveranstaltung einen Schauer über den Rücken.

Windräder von heute, die dort stehen sollen, sind gewaltige Stromerzeugungsmaschinen mit einer Nabenhöhe von 140 Metern. Bis zur Rotorspitze sind es locker 200 Meter. Man brauche diese Höhe, um eine nahezu konstante Anströmgeschwindigkeit des Windes auszunutzen und Turbulenzen und Verwirbelungen durch Geländehindernisse zu vermeiden. Energiekontor-Vertreter Steffen Föllner versuchte, den Laa schern das Projekt schmackhaft zu machen.

Das allerdings ist nicht so einfach. Es geht um Lärmschutz und Schattenwurf, auch um die Belästigung durch die Befeuerung der Windräder, die mit stetem nächtlichen Blinken den Luftverkehr warnen. Und es trat immer wieder die Frage auf, was eigentlich die Gemeinde von einem solchen Windpark habe. Für die Grundstückseigentümer, die dem Betreiber Flächen verpachten, ist die Sache lukrativ.

Die Windpark-Industrie hat in der steten Auseinandersetzung mit dem Gegenwind aus der Bevölkerung in den letzten Jahren gelernt. So sprach Föllner von der Möglichkeit des "Bürgerwindrades". Ein oder mehrere Bürger betreiben Windräder und ernten den Lohn. Von Gewerbeeinahmen für die Gemeinde ist die Rede, eine Quelle, die allerdings erst in sieben bis acht Jahren nach Fertigstellung des Windparks zu sprudeln beginnt. Und es gibt das "Stiftungsmodell", das einen Rückfluss von Erträgen aus der Energieerzeugung in gemeinnützige Projekte garantieren soll.

Investoren umwerben besonders die Gemeinde

Die Investoren umwerben besonders die Gemeinde. Gibt sie grünes Licht, ist ein großer Schritt zur Aufnahme in das Regionale Raumentwicklungsprogramm genommen. Die Braut allerdings weiß um ihren Wert. So zeigte sich Bürgermeister Markus Lau auch sehr zurückhaltend. Man habe das Thema lange vor sich her geschoben, gestand er, werde aber nun zu einer Entscheidung kommen. Wie die aussehen soll, dafür gibt es für ihn eine Prämisse: Der Dorffrieden soll in jedem Fall gewahrt bleiben. "Die Gemeindevertretung wird sich ihre Entscheidung nicht leicht machen."

Für Wolfgang Utecht steht das Gespenst einer "verspargelten" Landschaft im Raum. Es sei an der Zeit, dass sich Landkreis und Ministerien zu regional vertretbaren Flächenansätzen verständigten. Auch der prinzipielle Ausschluss von Waldflächen müsse überdacht werden. Die aktuellen ministeriellen Hinweise zur Festlegung von Eignungsgebieten für Windenergieanlagen leisteten in der derzeitigen Auslegung tendenziell einer "Verspargelung" der Landschaft Vorschub, so Utecht.


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