Barrierefreiheit in Ludwigslust : Stufe stört: Keine schnelle Abhilfe

Stadt Ludwigslust verweist auf geplante Kirchenplatzsanierung / Anwohner Götz Uebe ärgert sich über das Hindernis an der Stadtkirche

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26. Februar 2018, 12:00 Uhr

Wenn Helgard Uebe an der Stadtkirche vorbei ins Stadtzentrum möchte, braucht sie Hilfe – oder muss einen Umweg in Kauf nehmen. „Ohne meine Hilfe kann meine Frau mit ihrem Rollator diese Stufe nicht überwinden“, erklärt Götz Uebe. Der 79-Jährige steht an einer rund 20 Zentimeter hohen Stufe zu dem Weg, der unter dem Portikus entlangführt. „Hier muss ich den Rollator hinaufheben.“ Alternativ könne man die Wege an der anderen Seite der Kirche oder direkt an den Wohnhäusern entlang nehmen. „Aber ausgerechnet Behinderten und anderen Menschen mit eingeschränkter Mobilität so einen Umweg zuzumuten, ist doch eine Frechheit.“ Vor allem mit Blick auf die Barrierefreiheit, von der die Stadt immer rede.

Entstanden sei die Stolperstelle im Zuge der Sanierung des Kirchenumfeldes. „Früher war das ein Sandweg. Der war nicht schön, aber er führte ohne Stufe an der Kirche vorbei und war besser zu begehen“, sagt Götz Uebe, der nebenan wohnt. „Das Kirchenumfeld sieht jetzt zwar schön aus, aber Menschen mit eingeschränkter Mobilität hat die Umgestaltung Verschlechterungen gebracht.“ Der Ludwigsluster hat sich mit diesem Problem schon mehrfach an die Stadt und auch an den Bürgerbeauftragten des Landes, Matthias Crone, gewandt. Geändert hat sich nichts.

Auf dem „Zettel“ hat die Stadtverwaltung die kritisierte Stufe neben der Kirche längst. „Wir haben versprochen, dass wir uns im Zuge der Kirchenplatzgestaltung darum kümmern“, erklärte Jens Gröger, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Tiefbau, gegenüber SVZ. „Eine kurzfristige Abhilfe ist nicht möglich, weil das im Zusammenhang mit der denkmalpflegerischen Zielstellung für die Sanierung und der Gesamtplanung geschehen muss.“ Die denkmalpflegerische Zielstellung ist derzeit in Arbeit und soll im Sommer fertig sein. Dann könne mit der Entwurfsplanung begonnen werden, so Jens Gröger. „Ziel wäre es, 2019/20 mit der Baumaßnahme zu beginnen.“ Die Finanzierung des Vorhabens über die Städtebauförderung sei – anders als in den Vorjahren – mittlerweile gesichert.

Eine Aussage, die Götz Uebe nicht zufriedenstellt. Eine kleine Rampe würde schon reichen, um das Problem an dieser Stelle zu beheben, sagt er. „Das kostet nicht so viel.“ Vor diesem Hintergrund versteht der 79-Jährige nicht, dass der Seniorenbeirat durch die Stadt zieht, um Stellen ausfindig zu machen, die nicht barrierefrei sind (SVZ berichtete). „Anstatt erst einmal die Stellen auszubessern, wo der Bedarf bereits bekannt ist“, so Uebe.

Die Begehungen des Seniorenbeirates gehen auf einen Beschluss der Stadtvertretung zurück, die von der Verwaltung ein Konzept für ein barrierearmes Ludwigslust gefordert hat. „Die Schwachstellen werden katalogisiert, um daraus kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen abzuleiten“, so Jens Gröger. Therese Holm, die Vorsitzende des Beirates, ergänzt: „Wir haben gerade erst angefangen, und den Kirchenplatz schauen wir uns in dieser Woche an.“ Frühere Hinweise des Seniorenbeirates hätten auch schon zu Veränderungen geführt, sagt Therese Holm und verweist auf die Querungsstellen in der Schlossstraße, die derzeit entstehen.

Matthias Crone hat Götz Uebe in einem Brief Recht gegeben, dass die Barrierefreiheit an der Stadtkirche „verbesserungswürdig“ sei. Er verwies allerdings auch auf die geplante Umgestaltung des Kirchenplatzes und bezeichnete es als „vertretbar“, dass es bis dahin noch ein wenig dauert. Das sieht Götz Uebe anders. „Wir sind fast 80. Das werden wir dann wohl nicht mehr erleben.“

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