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Wer wofür zahlt : Strompreise steigen, aber warum?

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Die große Strom-Preisfrage: Kaum jemand versteht, was genau EEG ist, wie eine Umlage die Strompreise beeinflussen kann oder wieso der kleine Verbraucher denn der Leidtragende sein soll. Wir versuchen das zu erklären.

svz.de von
erstellt am 18.Okt.2012 | 10:36 Uhr

Ludwigslust | Seitdem am Montag die Bundesnetzagentur die Zahlen zur EEG-Umlage für das kommende Jahr veröffentlichte, dreht sich auch in den Ludwigsluster Köpfen alles nur um einen Gedanken: "Strom wird teuer, richtig teuer". Dazu kommt die Undurchsichtigkeit des Themas, oder versteht noch wer, was genau EEG ist, wie eine Umlage denn überhaupt die Strompreise beeinflussen kann oder wieso der kleine Verbraucher denn der Leidtragende sein soll? An dieser Stelle folgt nun der Versuch, mithilfe von Wulf-Peter Bosecke, dem Geschäftsführer der Stadtwerke Ludwigslust-Grabow, die große Strom-Preisfrage besser zu verstehen.

Derzeit beziehen die Kunden der Stadtwerke ihren Strom für einen Gesamtpreis von 21,90 Cent pro geleistete Kilowattstunde. "Mit dem Strom ist es letztendlich wie an den deutschen Tankstellen, der Staat verdient mit", erklärt der Geschäftsführer. Tatsächlich wissen viele Verbraucher nicht, dass die eigentlichen, reinen Stromkosten nur ein Viertel des Gesamtpreises ausmachen. "Die restlichen 75 Prozent summieren sich bei jedem Strompreis durch Umlagen, Abgaben und Steuern", so Bosecke weiter.

Wer also Strom bezieht, häufig ein Energiemix aus Kohle- und Kernkraftenergie, sowie Anteile von Öko-Strom , der zahlt neben dem reinen Arbeitspreis des Stromes auch eine Stromsteuer in Höhe von 2,05 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh). Weil aber eine Steuer nicht reicht, kommen auf die Stromsteuer nochmal zusätzliche 19 Prozent Mehrwertsteuer, so dass der Kunde im Endeffekt 2,44 ct/kWh in den deutschen Haushalt zahlt. Dem sei aber noch nicht genug, denn der Verbraucher werde um weitere Aufschläge, wie beispielsweise den Kraftwärme kopplungs aufschlag (KWK), gebeten. "Es gibt Motoren, die erzeugen Strom, den wir für unsere Kunden kaufen. Verkaufen wir diesen Strom weiter, so müssen derzeit 0,03 ct/kWh KWK-Aufschlag gezahlt werden", erklärt Bosecke das Geschäft mit dem Strom. Krönendes Highlight in der Stromrechnung ist schließlich die derzeit heiß diskutierte EEG-Umlage. EEG steht für Erneuerbare-Energien-Gesetz und das bedeutet nichts anderes, als dass ein Zuschlag für Strom gezahlt werden muss, der aus erneuerbaren Energien wie Wasser, Wind, Sonne und Biomasse gewonnen wird. Derzeit beträgt die EEG-Umlage 3,6 ct/KWh, auch darauf werden wieder 19 Prozent Mehrwertsteuer erhoben, macht unter dem Strich also 4,28 ct/kWh, noch. Denn nach Plänen der Bundesnetzagentur soll dieser Satz um fast fünfzig Prozent angehoben werden - ab 2013 also 5,3 ct/kWh EEG-Umlage OHNE Mehrwertsteuer. Summiert man diese dazu, sollen die Verbraucher dann für die Gewinnung von abgasfreien Ökostrom zukünftig 6,31 ct/kWh zahlen.

Doch warum steigt ausgerechnet der Preis für erneuerbare Energien, wenn Strom in seinen Einkaufspreisen eigentlich günstiger wird? Bosecke versucht zu erklären: "Der Vorfall in Fukushima gab Deutschland einen Denkanstoß, dass Technologien für emissionsarme und umweltschonende, erneuerbare und unendlich reproduzierbare Energien weiter ausgebaut werden müssen." In Öko-Technologien, wie Windkraft-Parks, Photovoltaik-Anlagen oder Biomassekraftwerke wurde stark investiert. "Die Kosten dafür werden auch an die Verbraucher in Form der EEG-Umlage weitergegeben", so Bosecke. Viel Ökostrom bedeute demnach viel Geld aus den Taschen der Stromverbraucher. "Wieviel letztendlich nun gezahlt werden muss, lässt sich aber jetzt noch nicht genau sagen. Die Zahlen sind nur Prognosen", warnt Bosecke. Normalerweise seien Stromanbieter dazu verpflichtet, sechs Wochen vor dem Jahresende ihre Preise für das nächste Jahr zu veröffentlichen. Dieses Jahr wurde dieser Schritt nach vorne verlegt, obwohl noch nicht alle Variablen, beispielsweise die Erhöhung des KWK-Aufschlags, bekannt seien", beschwert sich Bo secke.

Fakt ist aber, um eine Preiserhöhung kommen weder die Politiker noch die Stromanbieter und ihre Kunden herum.

"Es ist jetzt Aufgabe der Politik, das rasante Tempo in der Energiewende den technologischen Möglichkeiten anzupassen und die Kostensteigerung in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen", fordert Bosecke. Eine einhundertprozentige ökologische Ausrichtung der Energie sieht der Geschäftsführer der hiesigen Stadtwerke noch als unmöglich an. "Der Fortschritt in der Energiewende muss erst bei dem Bürger ankommen", damit meint Bosecke, dass vor allem energiesparende Geräte in den Haushalten nicht von heute auf morgen Einzug halten können. "Sparsame und ökologisch freundliche Waschemaschinen und Geschirrspüler oder LED- Leuchten kann sich heute einfach noch nicht jeder leisten." Die Stromfresser in den Haushalten fördern somit den hohen Stromverbrauch und eben auch die Kosten dafür. "Kurzfristig lassen sich die dramatischen Strompreis steigerungen nicht beeinflussen, sondern nur auf längere Sicht lösen - und das ist Aufgabe der Politik" appelliert Bosecke.

Wie die Politik den gefürchteten Strompreis-Explosionen entgegenwirken kann, wird derzeit bereits heiß diskutiert. Bosecke sieht "eine steuerliche Entlastung als unabkömmlich." Und wenn man sieht, dass auf Stromsteuer und EEG-Umlage nochmals Steuern erlegt werden, sei dort auch Erleichterungspotenzial für den Endverbraucher gegeben. Auf der anderen Seite könne man den kleinen Kunden nicht alleine die große Last des Erneuerbare-Energie-Gesetzes tragen lassen. "Besonders die industriellen Stromfresser, wie z.B. riesige Braunkohlewerke, dürfen nicht von den Kosten befreit werden."Nur so könne man in Zukunft sowohl die Geldbörsen, als auch die Umwelt schonen. Dazu müssen aber Politik und Wirtschaft noch einiges in die richtigen Bahnen leiten und den Verbraucher dabei nicht zurück lassen.

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