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Teststrecke auf den Kreisstraßen 41 und 42 eröffnet : Straßenstrich Rad

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Testphase für "Schutzstreifen außerorts" hat begonnen: Viel sicherer fühlte sich Anke Lüth mit ihrem dahrrad, als sie an einem Tross von Offiziellen, Medienvertretern und Baufahrzeugen vorbei in Richtung Schlesin fuhr.

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erstellt am 11.Jul.2013 | 10:51 Uhr

Heidhof | Sehr viel sicherer auf ihrem Fahrrad fühlte sich gestern Anke Lüth, als sie an einem Tross von Offiziellen, Medienvertretern und Baufahrzeugen vorbei aus Heidhof in Richtung Schlesin radelte. "Wenn sich jetzt auch noch die Autofahrer auf der Teststrecke an Tempo 70 halten, dann erfüllen diese Schutzstreifen die erhoffte Wirkung", urteilte die passionierte Fahrradnutzerin. Und auch das Damen-Quartett vom Conower Fahrradclub war mit Picknickkorb auf der Kreisstraße 42 zum Nachmittagsausflug unterwegs. Ihr Urteil über die neue, besondere Verkehrsführung unisono: "Das ist klasse, wir hatten ein gutes Gefühl, als die Autos an uns vorbeifuhren."

Der "große Bahnhof" mit Staatssekretärin Ina-Maria Ulbrich vom Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung, dem SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Hacker, dem Projektleiter des Modellprojekts, Bernd Sievers, und dem stellvertretenden Landrat Andreas Neumann in Heidhof hatte seinen Grund. Sie eröffneten die Testphase für "Schutzstreifen außerorts", wofür das Land Mecklenburg-Vorpommern die Federführung übernommen hat. In der Projektleitungsgruppe arbeitet auch die Leiterin des Bauamtes Dömitz-Malliß, Pia Ehbrecht, mit.

"Schutzstreifen außerorts" ist für Experten vom Bundesverkehrsministerium und für die Verkehrswissenschaft und -sicherheit das derzeit wohl wichtigste bundesweite Versuchsmodell. Dieses 4,4 Kilometer lange Teilstück der K 42 vom Knoten K 41 bis zum Knoten K 44 und ein weiteres 5,8 Kilometer langes Teilstück der K 41 von Vornhorst bis an die K 42 gehören zu den Teststrecken in MV, die durch spezielle Kennzeichnungen allen Verkehrsteilnehmern, die diese Straßen nutzen, besondere Verhaltensregeln abverlangen - in erster Linie solche, die die allgemeine Sicherheit für Radfahrer verbessern sollen.

Für viele Auto- und Brummifahrer ungewohnt - und gestern gut zu beobachten - war das Befahren der markierten Wegstrecke auf der Straßenmitte; denn die links und rechts mit Strichellinien markierten Schutzstreifen von je einem Meter Breite sind grundsätzlich den Radfahrern vorbehalten. Und diese haben in diesem Bereich immer Vorfahrt; was bedeutet, dass motorisierte Verkehrsteilnehmer an unübersichtlichen Stellen oder bei Gegenverkehr seitlich im Schutzstreifen hinter einem Radler bleiben müssen.

"Diese Straßenführung erklärt sich von allein", urteilte Sievers. Was er damit meinte, ist das sich schon nach wenigen Metern einstellende Gefühl, dass auf dieser Straße Eile keinen Platz hat. Auch fallen Fußgänger und Radfahrer in dem Schutzstreifen von Weitem auf. Und mittig auf der Straße unterwegs zu sein, das ist nach geltendem Rechtsfahrgebot erst recht ungewohnt. Die Radfahrer, insbesondere Eltern mit ihren Schützlingen, befinden sich in einem besonderen Verkehrsraum, der Aufmerksamkeit garantiert.

Die Straßenmitte mit dem Pkw oder Lkw nutzen zu müssen, hat selbstverständlich Grenzen, wie Sievers erläuterte. Vor Kuppen oder im Begegnungsverkehr muss der Schutzstreifen genutzt werden. Befindet sich dort gerade ein Radfahrer, muss der Fuß auf die Bremse.

Die Versuchsstrecke auf den beiden Kreisstraßen wird ab August verdeckt beobachtet. Aus den Ergebnissen können keine Bußgelder hervorgehen, versicherte Sievers. Wichtig sind allein die Aufzeichnungen über das Verhalten der Verkehrsteilnehmer auf einer Versuchsstrecke mit wenig Verkehr (bis zu 800 Fahrzeuge pro Tag).

Parallel wurden Versuchsstrecken in sechs weiteren Bundesländern gestartet, darunter auch im Kölner Raum, wo von einem Verkehrsaufkommen von 4000 Fahrzeugen pro Tag ausgegangen wird. Das gesamte Projekt mit einem Kostenaufwand von 214 000 Euro läuft bis Ende 2014, wird dann zentral vom Bund ausgewertet. Das Land beteiligt sich mit einem Eigenanteil von 13 000 Euro, hieß es von Staatssekretärin Ulbrich.

Sie versicherte gleich mehrmals, dass diese Verkehrsführung bei positivem Ausgang kein Ersatz für den Radwegebau sein wird. Allerdings, so die Äußerung vom Beigeordneten Neumann, könnte es sehr wohl eine Alternative zu Radwegen für wenig befahrene Straßen sein.

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