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Rettungsaktion : Storchen-Eier aus dem Nest geholt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Ein Altvogel aus Nest in Kummer war verschollen. Storchenbeauftragter: Zweites Gelege der Störchin wäre noch möglich

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erstellt am 25.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Rettungsaktion für den Storchennachwuchs in Kummer: Weil einer der Altvögel plötzlich verschollen war, holte der Storchenbeauftragte der Region die Eier aus dem Nest. „Wenn nur ein Partner da ist, dann hat der Nachwuchs keine Chance“, erklärte Helmut Eggers.

Dabei hatte das Storchenjahr im Ludwigsluster Ortsteil, wo in den vergangenen sieben Jahren 19 Junge flügge wurden, vielversprechend angefangen. Am 8./9. April trafen zwei Störche ein, darunter das Weibchen mit der Nummer H4190, das – von nur einem Jahr unterbrochen – seit 2009 nach Kummer kommt. Wenige Tage später begannen die Vögel mit dem Brüten. Das Storchenweibchen saß auf den Eiern, während der Storch auf Futtersuche war – oder umgekehrt.

Doch vor einer Woche wurde Frank Goohsen, in dessen Garten der Mast mit dem Nest steht, stutzig. „Ein Partner saß ununterbrochen auf den Eiern und vom anderen war nichts mehr zu sehen“, erzählt der Kummeraner. „Und abends fehlte das Geklapper der beiden“, ergänzt seine Frau Karen. Auch in den folgenden Tagen änderte sich daran nichts, so dass Frank Goohsen schließlich den Storchenbeauftragten informierte. „Wir haben dann überlegt, was wir machen“, erzählt Helmut Eggers. „Sollen wir eingreifen oder der Natur freien Lauf lassen? Aber vier Eier sind natürlich nicht zu verachten.“ Mit dieser Zahl war mit Blick auf die Größe der Gelege der Vorjahre durchaus zu rechnen. Die Storchendame zu füttern, wäre durchaus möglich gewesen. Aber die Jungen hätte man so nicht durchgebracht. „Die brauchen alle drei Stunden Regenwürmer“, so Eggers. Schließlich entschied man sich für die Aushorstung.

Mit einer langen Leiter rückten Helmut Eggers und seine Mitstreiter Steffen Hollerbach von der Stork Foundation und Marcus Cravaak an. Als Eggers die elf Meter bis zum Nest emporstieg, war die Storchendame längst davongeflattert. Vorsichtig nahm er ein Ei nach dem anderen und legte es in seine Umhängetasche. Auf dem Boden zurück bettete er sie vorsichtig in eine Thermobox. Frank Goohsen füllte Luftballons mit warmem Wasser, damit die Eier auf ihrer langen Fahrt nicht auskühlen. Im Auto ging es nach Havelberg, wo Mitarbeiter des Storchenhofes Loburg (bei Magdeburg) das Gelege in Empfang nahmen. In Loburg sollen die Eier ausgebrütet werden.

Wenn die Jungen in Loburg etwa vier Wochen alt sind, will Helmut Eggers sie voraussichtlich zurück in die Region holen. Aber nicht zu ihrer Mama, selbst wenn sie noch einmal Eier gelegt habe und Junge großziehe. „Das würde vom Alter her nicht passen, die Jungen müssen etwa gleich alt sein“, so Eggers. Dass die Aufzucht in einer Adoptivfamilie funktionieren kann, hatte sich vor drei Jahren gezeigt. Da waren vier Muchower Eier in Loburg ausgebrütet und die Jungen auf drei Nester in der Region verteilt worden. Alle wurden flügge.

Die Kummeraner Störchin kehrte kurz nach der Aushorstung ins Nest zurück und begann sich zu putzen. Vielleicht findet sie einen neuen Partner und kann noch einmal Eier legen. Denkbar wäre es. „In diesen Tagen kommen noch relativ viele Störche an“, so Helmut Eggers.

Das Storchennest in Kummer hatte Frank Goohsen im Jahr 2000 aufgestellt und auf „gebraucht“ eingerichtet, wie er erzählte. Und tatsächlich zog noch im selben Jahr der erste Storch ein. In den Folgejahren gab es weitere Einzelstörche und Paare, bis 2008 aber ohne Nachwuchs.


 

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