Lübtheen : Storch grüßt per SMS

Tausende Kilometer in wenigen Tagen: Letzter Gruß aus Uganda.
Tausende Kilometer in wenigen Tagen: Letzter Gruß aus Uganda.

Spannende Reise zweier Vögel von der Sude nach Uganda – und jeder kann sie verfolgen

svz.de von
29. Dezember 2016, 09:52 Uhr

Im vergangenen Sommer wurden zwei Störche bei Preten gefangen und mit einem Rucksack ausgestattet. Dieser „Rucksack“ hat es in sich: Ein kleiner GPS-Empfänger registriert den Aufenthaltsort, die Art der Bewegung, die Flughöhe und viele andere Daten, die gespeichert werden. Über ein Funktelefon im „Rucksack“ werden die Daten dann in ein Erfassungsprogramm in unseren Computer eingespeist. Übrigens wiegt dieses technische Wunderwerk gerade mal 60 Gramm und behindert den Storch nicht. Durch eine Solarzelle wird die Batterie immer wieder aufgeladen, so dass der Rucksack mehrere Jahre funktionieren kann.

Diese beiden Störche sind Teil eines Forschungsprojektes von der Stork-Foundation. In der Storkenkate in Preten laufen die Informationen zusammen und werden ausgewertet. Ziel dieses Projektes ist es, herauszufinden, was der Storch für Ansprüche an seinen Lebensraum stellt. Wo sucht er in den verschiedenen Phasen der Jungenaufzucht seine Nahrung, das sind Fragestellungen, die sich unmittelbar in das laufende Schutzprojekt der Stork-Foundation in der Sudeniederung eingliedern. Durch diese modernen Untersuchungsverfahren ist es sehr viel besser möglich, konkrete Maßnahmen zum Schutz des Storches einzuleiten. Angesichts der negativen Bestandsentwicklung in unserer Region sind solche Untersuchungen besonders wertvoll.

Das Besenderungsprojekt im Sudebereich startete am 7. Juni mit dem Fang der beiden Altstörche. Die gefangenen Störche waren Brutstörche der beiden Nester in Besitz und in Gülze. Ausgestattet mit dem Sender konnten wir nun im Drei-Minutentakt den Aufenthaltsort der Störche aufzeichnen. Wie man leicht erahnen kann, lassen sich mit diesen Daten jegliche Nahrungsflächen, die die Störche nutzen, ganz genau bestimmen. Vom Fangzeitpunkt bis zum Verlassen des Brutgebietes liegen für diese beiden Störche immerhin ca. 45  000 Datensätze vor. An der Auswertung wird mit großem Engagement gearbeitet. Über die Ergebnisse und mögliche Schlussfolgerungen werden wir zu einem späteren Zeitpunkt berichten.

Im August verließen die beiden Störche die Sudeniederung. Der Besitzer Storch startete bereits sehr früh, am 5. August, seinen Zug in das Winterquartier. Der Gülzer Storch folgte erst drei Wochen später. Trotz dieser zeitlichen Differenz ist der Zugweg beinahe identisch. Zunächst im Elbtal südostwärts, dann an die Oder, weiter über Polen, die Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und die Türkei – das war der europäische Teil ihres Zuges. Quer durch die Türkei und an Aleppo vorbei ging es weiter nach Israel und über den Sinai. Die Überquerung des Roten Meeres vollführten beide Störche exakt an derselben Stelle. Weiter ging es in Ägypten mit der Überquerung des Niltales. Nun erfolgte die Überquerung der Wüste. Ziel waren für beide Störche die Randbereiche der Sahelzone im Tschad. Für die 7000 Kilometer brauchten die Störche lediglich 14 Tage.

Offensichtlich gab es in dieser Region genug Nahrung, vermutlich Heuschrecken, denn beide Störche hielten sich mehrere Wochen hier auf. Dabei kamen sich die beiden Brutnachbarn von der Sude sehr nahe. Sie trafen sich sogar am 28. Oktober morgens während der Nahrungssuche im Tschad. Da auch Störche aus anderen Projekten zu dieser Zeit im selben Gebiet waren, ist davon auszugehen, dass dort große Gruppen von Weißstörchen zusammen Nahrung suchten.

Vor wenigen Wochen flogen beide weiter ostwärts in den Sudan. Dabei folgten sie beinahe dem Grenzverlauf zwischen Sudan und Südsudan, hielten sich in einer Krisenregion auf. Aktuell schickte der Storch aus Gülze eine SMS aus der Nähe von Addis Abeba in Äthiopien, während der Storch aus Besitz weiter gen Süden fliegt. Seine letzten Koordinaten sendete er aus Uganda. Es bleibt spannend, wie die Reise weitergehen wird.

Jeder kann teilhaben an dieser Reise „unserer“ Störche. Die Daten sind für jedermann im Internet verfügbar. Auf der Internetseite www.movebank.org findet man das Projekt „Sudewiesen“ mit den aktuellen Bewegungen der Störche.

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