Grabow : „Stolpersteine“ für das Andenken

Nancy, Josephine, Adriana und Franziska (v. l.) trugen einen Auszug aus dem Gedicht „Kinderschuhe aus Lublin“ vor. Fotos: münchow
Nancy, Josephine, Adriana und Franziska (v. l.) trugen einen Auszug aus dem Gedicht „Kinderschuhe aus Lublin“ vor. Fotos: münchow

Jugendliche der Grabower Regionalschule „Friedrich Rohr“ präsentierten bisherige Ergebnisse ihres Projekts zu jüdischen Spuren in der Stadt

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27. Februar 2014, 07:00 Uhr

Sie haben die schrecklichste Zeit in der deutschen Geschichte nicht selbst erlebt. Eine Zeit, in der Millionen Juden von den Nazis ermordet wurden. Gerade auch deshalb wollen die Schüler der Klasse 9 b aus der Grabower Regionalschule „Friedrich Rohr“ mehr darüber erfahren, was in den Jahren der NS-Diktatur geschah. Seit einiger Zeit sind die Jugendlichen unterwegs zum Thema „Jüdische Spuren in Grabow“. Am Dienstagabend stellten sie in der Aula des Mehrgenerationenhauses „Fritz Reuter“ die bisherigen Ergebnisse ihres Projektes vor. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, was von dem großen Interesse an der Thematik zeugt.

Einer der am Projekt beteiligten Jugendlichen ist Marcel. Der 17-Jährige sagt: „Wir behandeln im Geschichtsunterricht gegenwärtig die Zeit der Weimarer Republik und den Zweiten Weltkrieg. Für uns ist es wichtig zu erfahren, wie es zu dem furchtbaren Geschehen kommen konnte.“ Im Rahmen ihres außerschulischen Projekts besuchten die Schülerinnen und Schüler im Dezember 2013 während einer Projektwoche unter anderem den jüdischen Friedhof in Schwerin und die Synagoge in Hagenow. Hier gingen sie auch auf die Suche nach „Stolpersteinen“, die Auskunft über ehemalige jüdische Einwohner von Hagenow geben.

Eng wird im Rahmen des Projekts mit dem „Arbeit und Leben MV e. V.“ und dem Staatlichen Museum Schwerin zusammengearbeitet. Im Museum nutzten die Jugendlichen in der Projektwoche die Gelegenheit, Barlach-Figuren zu besichtigen und anschließend Skizzen davon zu fertigen. Ebenso fertigten sie Tonplatten zu dem Thema, wobei sie eigene Ideen und Gedanken verarbeiteten.

„Ansatz des Projekts, das mit Mitteln des Bildungsministeriums unterstützt wird, ist es, dass die Jugendlichen die Aspekte jüdischen Lebens entdecken und erforschen, wie sich die Juden positiv als aktiver Teil in die deutsche Gesellschaft eingebracht haben“, sagt Björn Kluger, Jugendbildungsreferent im Arbeit und Leben e. V. , und ergänzt: „Gleichzeitig ist es uns auch wichtig, dass die Einwohner Grabows und der Umgebung in dieses Nachdenken über die Vergangenheit einbezogen werden.“

Geschichtslehrerin Gabriele Kosub ergänzt: „Die Jugendlichen haben viele Fragen zu diesem Thema. Die Forschungsarbeit hilft ihnen besser als jeder Unterricht, die Geschichte zu begreifen. Vor zwei Jahren besuchten die Jugendlichen zum Beispiel das ehemalige KZ Auschwitz, wo sie Hinweise auf ehemalige jüdische Einwohner von Grabow fanden.“

Darum geht es auch in dem Projekt, nämlich so viele Informationen über jüdische Familien in Grabow zu sammeln wie möglich. Ziel soll es sein, auch in Grabow „Stolpersteine“ verlegen zu können. Ein Vorhaben, das Unterstützung findet. Bürgermeister Sternberg, der an der Präsentation teilnahm: „Wir werden die Steine dort verlegen, wo die Schüler uns sagen, dass es sich lohnt. Wenn das Projekt abgeschlossen ist, finden wir für die Steine einen würdigen Platz vor den Häusern.“ Und direkt an die Jugendlichen gewandt, sagte Bürgermeister Sternberg: „Das wird euer Projekt krönen und abschließen.“

Spontan gab der Grabower Dietmar Sörgel, Geschäftsführer der SBK Bau- und Handelskontor GmbH, daraufhin bekannt: „Ich spende für das Schülerprojekt 1000 Euro, weil ich es toll finde, wie sich die Mädchen und Jungen mit dem Thema auseinandersetzen.“Weitere Höhepunkte des Abends waren die Ausführungen von Dr. Uwe Sonnemann über das Schicksal jüdischer Bürger Grabows und von Dr. Bernd Kasten vom Stadtarchiv Schwerin, der zum Thema „Stolpersteine in Mecklenburg“ sprach. Alle Besucher waren dann bewegt, als Franziska, Nancy, Josephine und Adriana einen Auszug aus Johannes R. Bechers Gedicht „Kinderschuhe aus Lublin“ vortrugen.

Hagenows Museums-Leiter Henry Gawlick fasste den Sinn der Geschichts-Aufarbeitung zusammen, als er zu den Jugendlichen hinsichtlich der Verbrechen der Nazis sagte: „Ihr habt damit nichts zu tun, ich als Nachgeborener auch nicht. Aber wenn wir uns da hinausstehlen, dann kommt es an anderer Stelle wieder hoch.“

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