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Besitz : Störche in Tansania massenhaft vergiftet

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Nachforschungen zum besenderten Storch aus Besitz bringen traurige Praxis ans Tageslicht.

von
erstellt am 10.Mär.2017 | 07:00 Uhr

Die Vermutung der Storchenexperten hat sich bestätigt: Die Störchin aus Besitz (bei Boizenburg) ist tot. Allerdings ist sie nicht etwa verhungert. Sie wurde in Afrika vergiftet und verspeist. Darüber informierten jetzt Helmut Eggers und Steffen Hollerbach. Bei der Aufklärung des Falls kam den Storchenschützern der Zufall zu Hilfe.

Am 21. Januar hatte der Sender, mit dem die Störchin im vergangenen Sommer ausgerüstet worden war, zuletzt Positionsdaten aus Tansania nach Deutschland übertragen (SVZ berichtete). Das aufgezeichnete Bewegungsbild war jedoch untypisch für einen Storch und hatte nur den Schluss zugelassen, dass das zuvor verendete Tier von jemandem mit nach Hause genommen worden war. Der Storchenbeauftragte Helmut Eggers und Steffen Hollerbach von der Storkenkate Preten bemühten sich um die Bergung des GPS-Senders. „Dabei erhielten wir die Nachricht, dass ein zweiter besenderter Storch aus einem bayrischen Projekt nur 3,9 Kilometer entfernt ebenfalls keine Bewegungen mehr zeigte“, teilten die beiden Experten mit. „Recherchen im Internet ergaben eine extreme Trockenheit in diesem Gebiet.“ Doch die Störche hätten solchen Ereignissen durch Ausweichen in andere Gebiete ausweichen können, so Eggers.

Der Zufall wollte es, dass sich der tansanische Doktorand Ignas Safari vom Max-Planck-Institut für Vogelforschung Radolfzell gerade auf den Weg zu einem Forschungsprojekt nach Tansania machte. „Ausgestattet mit den Koordinaten der Senderstörche erhielt er den Auftrag, die Sender zu bergen und die Ursachen dort zu recherchieren“, erklärte Steffen Hollerbach. Ignas Safari suchte exakt jenes Haus im Distrikt Kongwa auf, aus dem die letzte Meldung gekommen war, und befragte die Bewohner. „Diese stritten erst alles ab. Sie wüssten nichts von toten Störchen und einem Sender“, berichteten die hiesigen Storchenschützer. „Erst als man ihnen die Storchenfedern auf ihrem Komposthaufen zeigte und mit der Polizei drohte, gaben sie zu, den Storch gefunden zu haben. Der Familienvater hatte Angst, weil seine Kinder den Sender zerstört hatten.“ Die Menschen vor Ort seien sehr verwundert gewesen, wie Ignas Safari genau wissen konnte, in welches Haus er gehen musste. Ein Satellitenbild mit der Aufzeichnung der letzten Bewegungen hatte es möglich gemacht. Auch den zweiten Sender konnte der Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts finden, sogar unversehrt. „Er fand auch heraus, dass beide Störche mit Agro-Furan 5GR vergiftet worden waren“, so Helmut Eggers. „Ein hochtoxisches Insektizid, das in der Europäischen Union seit 2007 verboten ist. In Tansania, Uganda und Kenia wird es gezielt zur Jagd auf Vögel eingesetzt“, so Eggers und Hollerbach weiter. „Dazu werden geflügelte Termiten, Schnecken, Ratten und andere Köder mit dem Mittel benetzt und in Bereichen ausgelegt, in denen die Störche Nahrung suchen. Die Störche nehmen die Köder auf und sterben in kürzester Zeit einen qualvollen Tod. Die toten Störche werden eingesammelt und gegessen.“ Der Doktorand schätzt, dass allein in diesem kleinen Gebiet mindestens 50 Störche vergiftet wurden. „Eine Hochrechnung auf größere Gebiete erscheint da katastrophal auch für unseren Storchenbestand“, so Helmut Eggers. Um die Bewohner über die negativen Folgen für ihre Gesundheit aufzuklären, hielt Ignas Safari gemeinsam mit dem Dorfoberhaupt eine Versammlung ab. Zudem sei geplant, in Zusammenarbeit mit internationalen Natur- und Vogelschutzorganisationen Aktionen gegen das Vergiften von Vögeln zu starten.

Auch wenn die Erkenntnisse traurig sind. „Ohne die Besenderung hätten wir nie etwas von der massenhaften Vergiftung der Störche erfahren“, resümierten Helmut Eggers und Steffen Hollerbach. „Falls in diesem Jahr der eine oder andere Weißstorch nicht zurückkommt, könnte es daran liegen, dass auch er vergiftet wurde.“ Allerdings kämen auch die große Trockenheit im südlichen Afrika oder andere Gefahren auf dem Weg aus den Überwinterungsgebieten als Ursachen infrage. „Umso wichtiger ist es, dass die Störche bei uns gute Nahrungsflächen finden, um möglichst viele Junge aufzuziehen, damit die Verluste ausgeglichen werden können.“

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