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Zeitzeuge Erich Kary verstorben / Vereine gedenken des ehemaligen Häftlings des KZ Wöbbelin in einem Nachruf

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28. Juli 2014, 07:00 Uhr

Erich Kary hat mehrere Konzentrationslager überlebt, darunter auch das Lager in Wöbbelin. Seit Jahrzehnten berichtete er vor Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen von den schrecklichen Erlebnissen in der Zeit des Nationalsozialismus. Erich Kary weilt nicht mehr unter uns.

In einem gemeinsamen Nachruf würdigen der Förderverein und der Trägerverein der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin den Verstorbenen. Darin heißt es unter anderem:

„Am 21. Juli 2014 ist unser Zeitzeuge und Freund Erich Kary, trotz seiner Krankheit für uns alle unerwartet, verstorben. Er war mit den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin auf eine ganz besondere Weise verbunden. Erich Kary wurde am 28. November 1924 in eine deutsch-jüdische Familie in Angerburg / Ostpreußen geboren. Im November 1939 kam er als Fünfzehnjähriger nach Brandenburg zur Hachschara. Die landwirtschaftliche Ausbildung in diesen Vorbereitungslagern für die Auswanderung nach Palästina prägte Erich Kary nachhaltig, ab 1941 musste er in Neuendorf bei Fürstenwalde Zwangsarbeit leisten. Im April 1943 wurde er von dort mit seiner Mutter Klara von der Gestapo nach Berlin in das Sammellager in der Großen Hamburger Straße gebracht.

Bereits am 19. April 1943 wurden beide mit dem 37. Osttransport nach Auschwitz deportiert. 543 der 1000 jüdischen Männer, Frauen und Kinder dieses Transportes wurden sofort in den Gaskammern getötet: Erich Kary sah seine Mutter nicht wieder. Er jedoch überstand die Selektion und kam zur Zwangsarbeit für die I.G. Farben in das KZ Auschwitz III-Monowitz. Wegen der näher rückenden Front räumte die SS den KZ-Komplex Auschwitz im Januar 1945, und Erich Kary wurde mit tausenden Häftlingen auf den Todesmarsch über Gleiwitz ins KZ Mittelbau-Dora geschickt.

Im April 1945 trieb die SS die Häftlinge aus diesem Lager erneut auf den Marsch über Osterode und Ravensbrück ins KZ Wöbbelin, wo er am 2. Mai gerettet bzw. zum zweiten Mal geboren wurde, wie er selbst gesagt hat.“

In dem Nachruf wird weiter hervorgehoben, dass Erich Kary der einzige ehemalige Häftling des Konzentrationslagers Wöbbelin war, der nach seiner Befreiung im Raum Ludwigslust geblieben ist und beim Wiederaufbau des Landes geholfen hat.

Seit vielen Jahren habe er hier vor Ort Erinnerungsarbeit geleistet, denn die Vermittlung des Erlebten an die nachfolgende Generation sei ihm ein besonderes Anliegen gewesen. Bei jedem Workcamp und fast jedem Schülerprojekt in den Mahn- und Gedenkstätten sei er dabei und zu jedem Gespräch bereit gewesen.

„Die Schülerinnen und Schüler verehrten ihn. Sie erlebten ihn als einen ehrlichen und warmherzigen Gesprächspartner, der auch für ihre Probleme Verständnis hatte. Eine seiner häufigsten Fragen war: Wie geht ihr mit Gewalt um? In der folgenden Diskussion machte er besonders den Zurückhaltenden Mut“, wird im Nachruf hervor gehoben.

Ohne Erich Kary sei die Bildungsarbeit in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin kaum zu denken. Mit seinem unermüdlichen Einsatz im Dienste der Aufklärung habe er die Mahn- und Gedenkstätten zu dem gemacht, was sie heute sind: Ein Ort der Begegnung, der Erinnerung und der Mahnung, ein Ort der Stärkung demokratischer Werte und Normen, vor allem aber ein Ort der Menschlichkeit.

„Mit Erich Kary haben wir einen ehrlichen und wertvollen Menschen verloren, der bis zuletzt die Bildungsarbeit der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin unterstützt hat. Wir danken ihm dafür, dass er seine Geschichte weiter getragen hat, und für uns alle ein unermüdlicher und streitbarer Gesprächspartner war. Worte können nicht ausreichend beschreiben, wie wichtig Erich Kary als Mensch und Persönlichkeit für uns war. Er hinterlässt eine Lücke, die nicht mehr zu schließen ist. Wir werden ihn schmerzlich vermissen!“ heißt es abschließend im Nachruf.

Er ist im Auftrag der Mitglieder und Freunde unterschrieben von Rolf Christiansen, Vorsitzender des Vereins Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust-Parchim e. V. , Dr. Carina Baganz, Vorsitzende des Fördervereins der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin und Ramona Ramsenthaler, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin.

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