Sägemühle Kummer : Stämme sägen wie anno dunnemals

Herms Höppner (l.) und zwei Mitarbeiter an der Gattersäge
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Herms Höppner (l.) und zwei Mitarbeiter an der Gattersäge

Herms Höppner führt in vierter Generation die mehr als hundert Jahre alte Sägemühle in Kummer bei Ludwigslust

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01. Dezember 2017, 12:00 Uhr

Ein irrer Duft von frischem Holz zieht durch den Backsteinbau. Rohe Bretter, umsäumt von Baumrinde, sind ringsum hoch aufgestapelt. Mittendrin kreischt und rattert das Herz des Betriebes – das 81 Jahre alte Sägegatter. Konzentriert lauscht der Chef Herms Höppner. „Man hört, ob die Sägen sich quälen, zu schnell oder zu langsam fahren.“ Momentan passt das Tempo. Die Mitarbeiter lassen Kiefernstämme, einen nach dem anderen, durch die Maschine wandern und längs in gleichmäßige Scheiben schneiden.

Das Alter sieht man der Gattersäge, Baujahr 1936, kaum an. „Jeden Morgen vor der Schicht wird sie gut gefettet und die Lager werden geschmiert.“ Die alte Mechanik funktioniere praktisch wie am ersten Tag, im Gegensatz zu elektronisch gesteuerten Maschinen könne er sie selbst reparieren, sagt Höppner. Der 54-jährige gelernte Karosseriebauer und Meister für Holztechnik führt in vierter Generation die über hundert Jahre alte Sägemühle in Kummer bei Ludwigslust. Anno 1882 wurde die Holländerwindmühle errichtet und ein Jahr darauf von Fritz Höppner, dem Urgroßvater des heutigen Besitzers, gekauft.

Der Müller wollte mehr als nur Korn mahlen und die Windkraft ganzjährig nutzen. So baute er 1893 die Sägerei an, die Windenergie wurde je nach Bedarf zum Getreidemahlen oder Holzsägen verwendet. 1921 erhielt die Mühle einen Elektromotor, nach dem Krieg wurde sie modernisiert und 1972 verstaatlicht, also an die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft abgegeben. 1992 erwarb Urenkel Herms Höppner die Sägemühle und holte sie zurück in die Familie.

„Das ist reiner Idealismus, die Tradition zu bewahren", sagt der Unternehmer. Anfang der 90er Jahre habe es im Osten einen Bauboom und Nachholbedarf beim Restaurieren alter Fachwerkgebäude, Bauern- und Pfarrhäuser sowie Kirchen gegeben. Zwölf Angestellte sägten damals in drei Schichten, mehr als 5000 Festmeter wurden jährlich eingeschnitten. Der Betrieb investierte in eine neue Bandsäge, die aber nur im Sommer jeden Tag läuft. In den letzten zehn Jahren gingen die Umsätze zurück, sagt Höppner. Die Sägemenge sank auf etwa 3000 Festmeter, die Zahl der Mitarbeiter auf fünf.

Problematisch sei auch die DIN-Norm 68800 von 2011. Sie verbietet für Dachbauten sägefrisches tauchimprägniertes Holz und erlaubt dafür nur noch technisch getrocknetes. In seinem uralten Sägebetrieb hat Höppner keine solche Trocknungsanlage, ein Teil des Marktes brach weg. Konkurrenten wären zudem mobile Sägereien. Ein Plus sei momentan der viele Windbruch, den die letzten Stürme verursacht haben, meint Höppner. Fast täglich lieferten private Waldbesitzer günstiges Sturmholz an, das bringe Arbeit in der Nebensaison.

Laut der Industrie- und Handelskammer Schwerin haben es kleine Sägewerke zunehmend schwer zu überleben. Doch die Betriebe hätten auf jeden Fall ihre Berechtigung für die Region, während Industriegiganten wie Ilim Nordic Timber in Wismar mit 2,2 Millionen Festmetern Schnittkapazität den internationalen Markt bedienten.

Die Sägemühle Kummer backt kleine Brötchen, dafür aber individuelle, wie Höppner betont. „Nichts von der Stange, alles Unikate.“ Praktisch jedes Maß für Brett, Kantholz oder Balken sei möglich. Waldbesitzer bringen ihre ausgesuchten Stämme in die kleine Sägerei, lassen sie zuschneiden und nehmen ihr Holz wieder mit. Oder sie verkaufen es an Höppner, der die Bretter hobelt und säumt, also die Rinde absägt, um sie im eigenen Hofgeschäft und damit günstiger als die großen Baumärkte anzubieten.

Für seine Kunden geht der Chef auch selbst auf Suche nach passenden Bäumen im Forst. Meist verarbeite er Kiefern, aber auch Douglasien, Eichen und seltene Laubgehölze. In Kummer holen sich Besitzer alter Fachwerkhäuser, Restauratoren oder Künstler ihr Material, etwa ein Holzbildhauer, der große Skulpturen und Tierfiguren schnitzt. Auch Tischler werden fündig – sie nutzen naturbelassene, schön gemaserte Bretter für Türen und Möbel.

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