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Ludwigsluster Tageblatt

12. Dezember 2017 | 11:28 Uhr

Wöbbelin : Spurensucher aus Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Erzählcafé in den Mahn- und Gedenkstätten: Manfred Römer berichtete über Nachforschungen zu 1945 abgestürztem Flugzeug

svz.de von
erstellt am 28.Okt.2015 | 07:00 Uhr

Manfred Römer nahm die Besucher des jüngsten Erzählcafés der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin auf eine interessante Zeitreise mit. Er berichtete über seine erfolgreiche Suche nach einem 1945 bei Rosien abgestürzten Flugzeug. Damit schloss sich ein Kreis.

Bereits im April 2011 saß der Rosiener in diesen Räumen. Damals stellte der amerikanische Highschool-Dozent Jim Goodspeed aus Gratiot County in einem Erzählcafé Bildmaterial über das KZ Wöbbelin vor, das er in amerikanischen Archiven gefunden hatte. Der Lehrer kommt jedes Jahr mit Schülern nach Wittenburg. Zu seinem Programm gehört dann immer auch ein Besuch in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin.

Am Ende des Vortrages stand damals Zuhörer Manfred Römer auf, öffnete die Tasche und legte ein größeres Metallteil auf den Tisch. Der Gegenstand, der aussah wie ein Teil eines Flugzeuges, weckte das Interesse des Amerikaners Jim Goodspeed. Es begann eine gemeinsame Detektivarbeit, in dessen Verlauf das Flugzeug identifiziert, die sterblichen Überreste des Piloten in Rosien geborgen und in die USA, nach Arlington, überführt und dort mit einem Staatsbegräbnis beigesetzt werden konnten (SVZ berichtete).

Nun war Manfred Römer nach Wöbbelin gekommen, um den 40 Zuhörern über den Auslöser seiner Nachforschungen, den Piloten John William Herb, die feierliche Beisetzung in den USA und über entstandene Freundschaften zu berichten. „Als ich mit 67 Jahren in den Ruhestand ging, begann ich meine Lebenserinnerungen für die Familie aufzuschreiben“, erzählte Römer.

Seine erste Erinnerung reicht in das 5. Lebensjahr zurück. Es ist ein Erlebnis aus den Apriltagen des Jahres 1945. Eine Kriegserinnerung, die sich im Gedächtnis verhakt hat. „Ein Flugzeug, das vorne lichterloh brannte und hinten in dichten schwarzen Qualm gehüllt war, flog nur wenige Meter über meinen Kopf hinweg in Richtung Gudow und stürzte im Wald hinter unserem Dorf ab“, so der Rentner.

Die Dorfeinwohner taten das Ereignis damals mit dem Hinweis auf den herrschenden Krieg ab. Die Spurensuche 70 Jahre später konnte erfolgreich abgeschlossen werden. An der Stelle des wiederentdeckten Grabes im Wald bei Rosien, einem Ortsteil von Neuhaus, erinnert jetzt eine kleine Gedenkstätte an John W. Herb. Die Enkelkinder von Manfred Römer legten sie an. Der Pilot wurde nur 21 Jahre alt. Er war unverheiratet und der einzige Sohn seiner Eltern.

Der inzwischen 75-jährige Spurensucher arbeitet jetzt zusammen mit einer Verwandten des Piloten, Patty Herb, an einem Buch über den Flieger.




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