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Abgestürztes US-Kampfflugzeug Ludwigslust : Spurensuche auf Hawaii

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Im April 1945 abgestürztes US-Kampfflugzeug: Ludwigsluster Kripobeamter besucht nach Bergung der Überreste Dienststelle auf der Insel

Das im traditionellen Stil errichtete Gebäude beherbergt drei Etagen, jede mit etwa 1000 qm Fläche. Überall stehen riesige Tische mit modernsten technischen Geräten. Mit ihrer Hilfe untersuchen Wissenschaftler menschliche Überreste. Wir sind im Joint POW / MIA Accounting Command (JPAC), jener Dienststelle der US-Streitkräfte auf Hawaii, die nach vermissten Soldaten sucht.

Jetzt hatte Dieter Schönrock, Leiter des Kriminaldauerdienstes Ludwigslust, die Gelegenheit, die Dienststelle in Honolulu privat zu besuchen. Kein Zufall, denn Dieter Schönrock war 2014 / 15 Verbindungsbeamter zwischen US-Teams und der deutschen Seite, als die Amerikaner in Ludwigslust nach den Überresten von neun amerikanischen Fliegern suchten, deren Bomber B 24 Liberator („Red Bow“) hier am 4. April 1945 abgeschossen wurde und am Stadtrand aufschlug (SVZ berichtete).

„Ich hatte während der rund anderthalb Jahre langen Suchaktion die Arbeit aller Beteiligten zu koordinieren“, sagt Dieter Schönrock, „also zwischen Amerikanern, der Polizei, der Rechtsmedizin und den örtlichen Behörden.“ Schon das erste Ausgrabungsteam 2014 war sehr erfolgreich und konnte wichtige Teile der abgestürzten Maschine bergen, so Dieter Schönrock. „Es war schnell klar, dass es sich um die Überreste von ,Red Bow’ handelte.“ Deshalb wurden weitere Suchteams nach Ludwigslust geschickt. Im Laufe von rund anderthalb Jahren gruben sie Motoren-, Waffen- und Munitionsteile, darunter zahlreiche Patronen Kaliber 50, aus. Und: Es wurden auch menschliche Überreste geborgen. Dieter Schönrock: „Waffen und Munition wurden später entsorgt. Rechtsmediziner untersuchten die menschlichen Überreste und gaben sie dann frei, so dass die Amerikaner sie in die Heimat überführen konnten.“ Die rechtsmedizinische Untersuchung war notwendig, um auszuschließen, dass die Knochen jüngeren Ursprungs waren.

An ein Detail ganz anderer Art während der Ausgrabungen erinnert sich Dieter Schönrock mit einem Schmunzeln: „Während der Ausgrabungsarbeiten kam plötzlich ein Jack Russell Terrier angelaufen. Da stockte uns fast der Atem. Denn nach Zeugenaussagen vom April 1945 wussten wir, dass aus den Trümmern des Flugzeugs damals ein Jack Russell Terrier rannte, der wohl der Besatzung gehörte. Das muss jetzt der Geist des Hundes von damals sein“, scherzten wir mit den Amerikanern.“ War er aber nicht, denn kurz darauf tauchte der Hundebesitzer auf.

Damals entstand zwischen Dieter Schönrock und dem US-Archäologen Brad Storm sowie der aus Deutschland stammenden und jetzt auf Hawaii arbeitenden Forensikerin Dr. Katrin Koel-Abt eine Freundschaft. „Sie luden mich ein, sie auf Hawaii zu besuchen“, so Schönrock.

Gesagt, getan. Der Kriminalist und seine Ehefrau, eine Ärztin, änderten ihre Urlaubspläne und flogen jetzt nach Hawaii. Dieter Schönrock: „Wir haben auf den Inseln Urlaub gemacht und natürlich auch unsere Freunde besucht. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs konnten die Amerikaner noch nicht bestätigen, ob die in Ludwigslust gefundenen Überreste von den Fliegern stammen. Gegenwärtig sei man dabei, die Knochenteile zu untersuchen und sichergestellte DNA mit der DNA von Familienangehörigen der vermissten Flieger zu vergleichen.“

Beeindruckend, so Dieter Schönrock, seien der Stolz und der Wille der Amerikaner, ihre Vermissten nach Hause zu holen. Dem dient auch das eingangs erwähnte und erst 2015 für 68 Millionen Dollar neu gebaute Forensische Institut auf dem Gelände der Joint Base Pearl Harbor-Hickam. In dem Zentrallabor für die Identifizierung sind 400 Soldaten und zivile Mitarbeiter beschäftigt. Seit 2003 konnte das JPAC über 700 vermisste Amerikaner identifizieren.

 

 

 

 

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