Hohewisch : Spannung wegen Nest auf Strommast

Die Hölzer stammen vom geräumten Adlerhorst, weiß Frank Sell, der keine 200 Meter vom einstigen Nest entfernt wohnt. hasz
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Die Hölzer stammen vom geräumten Adlerhorst, weiß Frank Sell, der keine 200 Meter vom einstigen Nest entfernt wohnt. hasz

Ein Fischadlerpaar hat versucht, seinen Horst auf dem Strommast eines Ackers zwischen der A 24 und der Ortschaft Hohewisch zu bauen. Den ersten Versuch beendeten Wemag-Mitarbeiter am Freitag.

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06. Mai 2013, 07:15 Uhr

Hohewisch | Das Fischadlerpaar versuchte gestern erneut, seinen Horst auf dem Strommast auf einem Acker zwischen der Autobahn 24 und der Ortschaft Hohewisch zu bauen. Den ersten Versuch der geschützten Greifvögel, eine neue Brutstätte zu errichten, hatten vergangenen Freitag Mitarbeiter des Energielieferanten Wemag aus Schwerin beendet. Für eine halbe Stunde, von 8.30 bis 9 Uhr, war die Stromzufuhr im Bereich Hohewisch unterbrochen. Den Nestbau des Adlerpaares in luftiger Höhe beendete ein Arbeitskran, umfangreiche stachelige Sicherungen gegen einen neuerlichen Anflug von Vögeln wurden installiert. Anwohner der Ackerfläche schlugen Alarm bei der Unteren Naturschutzbehörde.

Ob das Schweriner Energieunternehmen einer Strafanzeige durch die Naturschutzbehörde entgegensieht, muss abgewartet werden, hieß es von Pressesprecher Andreas Bonin aus dem Landratsamt. Derzeit werde geprüft, inwieweit ein Vergehen gegen den Artenschutz vorliege. Und auch alle weiteren Maßnahmen der Wemag am Horst in Hohewisch müssten zuerst für den Fachdienst aufgeklärt sein, hieß es vom Pressesprecher.

Der Abriss des Horstes und auch die Stromunterbrechung waren ohne Voranmeldung passiert, was die Wemag in einer schriftlichen Erklärung einräumte. Dass es sich um Fischadler handle, bestätigte gestern der Pressesprecher des Landkreises auf Nachfrage der SVZ. Die Wemag sprach lediglich von einem Vogel.

Dass sich das Adlerpaar bereits seit zwei Wochen mit dem Bau des Horstes auf dem Strommast beschäftigt hatte, darüber informierte Anwohnerin Dörthe Schure am Freitag die Untere Naturschutzbehörde und die SVZ. Die Frau wohnt gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Frank Sell keine 200 Meter vom Nistplatz über der 20 kV-Mittelspannungsleitung entfernt. Sie berichtete, dass sie bereits am 2. Mai, also einen Tag vor dem Nesträumen, Männer unter dem Horst beobachtet hätte. Von der Stromunterbrechung am nächsten Vormittag wurde sie ebenso überrascht wie die Arbeiter einer Prignitzer Firma für Rohrvortriebe. Durch den Stromausfall und das Aussetzen von Entwässerungspumpen wären zwei Arbeitstage verloren gegangen, hieß es von den Mitarbeitern. Insgesamt seien 90 Kunden von der Stromabschaltung betroffen, so die Wemag-Info. Der Energieanbieter begründete die gesamte Aktion damit, "dass ein Vogel versucht hat, ein Nest am Strommast der Mittelspannungsleitung (20 kV) Neustadt-Glewe-See zu bauen. Dadurch seien Äste in die Leitung geraten, durch die es möglicherweise zu Störungen und Gefahren gekommen wäre. Die Wemag hat sich deshalb entschieden, eine sogenannte vorbeugende Störungsbeseitigung vorzunehmen..., ...nach dem Entfernen der Äste wurden auch Vogelschutzeinrichtungen an dem Mast errichtet, die die Vögel bei einem erneuten Anflug vor den Leitungen schützen."

Der Vogelschutzbeauftragte der Wemag traf sich gestern mit einer Mitarbeiterin der Unteren Naturschutzbehörde zu einem Ortstermin. Gemeinsam solle danach gesucht werden, so die Absicht des Wemag-Beauftragten, "wie und wo in direkter Nähe eine Nisthilfe für den Vogel geschaffen werden kann". Im neuen Horst könnte dann das Fischadlerpaar gefahrloser nisten als auf einem Strommast. Störungen von herabfallenden Ästen aus dem Horst würden so vermieden, wird in der Stellungnahme der Wemag angeführt.

Ein Gefahrenpotenzial für die Greife sei nicht auszuschließen, meint auch der ehrenamtliche Lewitzranger Ralf Ottmann. Übereilte Entscheidungen würden nicht das Wohl des Fischadlerpaares begünstigen. Weshalb die scheuen Raubvögel sich ausgerechnet den komplett auf freier Fläche stehenden Strommast ausgesucht haben, das könne er sich auch nicht so recht erklären. Doch quasi heimlich das Übel für die Wemag zu beseitigen, sei auch keine Art.

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